Aachen/Monschau: Tierquäler aus Monschau erhält Bewährungsstrafe und Berufsverbot

Aachen/Monschau : Tierquäler aus Monschau erhält Bewährungsstrafe und Berufsverbot

In Urteilen, Beschlüssen und Bescheiden war die Rede von Pferden, die vor lauter Durst auf der Weide übereinander herfielen und sich gegenseitig bissen, die, als erschütterte Anwohner mit Wassereimern kamen, so gierig daraus tranken, dass die Anwohner gar nicht bis zur Tränke kamen, in die sie das Wasser schütten wollten.

Wer noch nie gelesen, gesehen oder gehört hat, wie sehr so viele Tiere unter Dieter B. gelitten haben, für den nahm sich Richterin Daniela Krey am Mittwoch Zeit und las, man kann sagen, stundenlang aus Dieter B.s Leben vor. Es war die Rede von vollkommen verwahrlosten, durch Unterernährung und Wassermangel krank gewordenen Rindern, Hasen, Pferden und anderen Tieren, die zusammengepfercht in ihrem eigenen schimmelnden Kot auf B.s Anwesen auf den Tod warteten. Das Veterinäramt sprach 2016 von „katastrophalen Zuständen“.

Der Monschauer Tierhändler Dieter B., 57 Jahre alt, ist am Mittwoch vom Aachener Landgericht in zweiter Instanz zu einem Jahr Haft auf Bewährung verurteilt worden. Wer zuvor gehört hatte, was Richterin Krey an Unfassbarem über B. verlesen hatte, mag den Eindruck haben, dass dies ein mildes Urteil ist. Doch das Gegenteil ist der Fall. Das Urteil des Landgerichts wird Dieter B. auf eine harte Probe stellen, die ihn, wenn er sie nicht besteht, ins Gefängnis führen wird.

Sein Rechtsanwalt Hans-Joachim Poick hatte in seinem Plädoyer darauf hingewiesen, dass für die Verstöße gegen das Tierschutzgesetz, die Dieter B. und seiner 28 Jahre jüngeren Lebensgefährtin Janina M. zur Last gelegt wurden, im schlimmsten Fall drei Jahre Haft vorgesehen sind. Poick selbst sagte, dass man „mit guten Argumenten“ darüber streiten könne, ob das ein angemessener Strafrahmen ist. Dass Richterin Krey diesen Strafrahmen nicht ausschöpfte, liegt auch daran, dass theoretisch noch schlimmere Tierquälereien denkbar sind. Auch wenn sie in der Praxis, wie Staatsanwalt Dennis Bäcker erklärte, in seinem Zuständigkeitsbereich nicht vorkommen. Der Fall Dieter B. ist in der jüngeren Aachener Rechtsgeschichte nahezu einzigartig.

Dieter B. wuchs in einem landwirtschaftlichen Betrieb auf und kam früh mit dem Tierhandel in Kontakt. Nach dem Hauptschulabschluss und einer Lehre als Karosseriebauer widmete er sich überwiegend dem Tierhandel, seine kriminelle Karriere begann. Die Akten, die mit Dieter B. und seinen Verfehlungen zu tun haben, füllen im Veterinäramt der Städteregion Aachen ganze Regalwände, sagte Staatsanwalt Bäcker. Dazu kamen etwa eine Falschaussage vor Gericht, das Inverkehrbringen von Falschgeld, ein Fall von schwerem und ein Fall von einfachem sexuellen Kindesmissbrauch, fahrlässige Körperverletzung und immer wieder Fälle von Tierquälerei. Mal Straftaten, mal Ordnungswidrigkeiten.

Die Aachener Kreisverwaltung hatte B. schon 2005 mit einem Pferde- und Viehhandelsverbot belegt, das bis heute in Kraft ist. Richterin Krey belegte Dieter B. nun zusätzlich mit einem lebenslangen Berufsverbot als Tierhändler. Sollte er innerhalb der nächsten fünf Jahre dagegen verstoßen, wird er seine zur Bewährung ausgesetzte Haftstrafe antreten müssen. Und damit die Einhaltung des Berufsverbots auch regelmäßig kontrolliert wird, bestellte Krey gleich einen Bewährungshelfer zur Beaufsichtigung.

Unsere Zeitung hatte bereits nach dem erstinstanzlichen Verfahren gegen B. am Amtsgericht Monschau vergangenen Herbst Informationen, dass B. seinen Tierhandel auf einen 30 Kilometer von seinem Anwesen entfernten Hof in Belgien verlegt hat. B.s Lebensgefährtin erklärte Mittwochs, dass sie sich auf eben diesem Hof als Tierhändlerin niedergelassen habe. Auf dem Hof befänden sich 16 Hunde und zwölf Pferde. Dieter B., der weiter in Monschau wohnt, sei zwar auch auf dem Hof in Belgien, sagte Janina M.; er passe, während sie die Tiere versorge, auf die gemeinsamen Kinder auf. Mit den Tieren komme B. nicht in Kontakt. Das Gegenteil war B. und M. am Mittwoch nicht zu beweisen.

Das Amtsgericht Monschau wird in Kürze entscheiden, ob es zu einem weiteren Prozess kommen wird. Staatsanwalt Bäcker hat zwischenzeitlich die nächste Anklage gegen Dieter B. eingereicht, einmal mehr geht es um Verstöße gegen das Tierschutzgesetz, die ihm zur Last gelegt werden.

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