Tausende Jecke feiern Karnevalsauftakt

Karnevalsauftakt am Rhein : Hoppeditz und Dreigestirn sind zurück

11.11., 11 Uhr 11: Es ist mal wieder... Karneval! In den rheinischen Hochburgen hat am Sonntag die närrische Zeit begonnen. Pünktlich um 11 Uhr 11 nahm das Unvermeidliche seinen Lauf - kräftiges Bechern hatte vielerorts schon lange vorher eingesetzt.

In Düsseldorf wachte der Traditionsschelm Hoppeditz von den Toten auf: Am vergangenen Aschermittwoch hatte man ihn zu Grabe getragen. Auch in Bonn und Aachen wurde ausgiebig gefeiert.

In Köln wurde es erst einmal amtlich: Unter den wachsamen Augen von Oberbürgermeisterin Henriette Reker (parteilos) unterschrieben das Festcomité und das neue Dreigestirn noch vor elf im Rathaus den neuen Sessionsvertrag. Muss schließlich alles seine Ordnung haben im Karneval. „Ich hoffe, Sie haben sich alle schon eingeschunkelt“, sagte Reker später zu den Tausenden Karnevalisten auf dem Heumarkt. „Wir haben das jedenfalls schon hinter der Bühne getan.“ Sie wünschte den Karnevalisten ein friedliches und ausgelassenes Feiern. „Sowas hat man lange nicht gesehen, so schön, so schön“, jubelte die Menge, und immer wieder: „Kölle Alaaf“.

In der Region sind wieder die Jecken los

Am Abend meldete das Ordnungsamt mehrere Zwischenfälle. Wie die Stadt mitteilte, kam es zu einer angezeigten Vergewaltigung und mehreren sexuellen Belästigungen. Alle Tatverdächtigen seien von der Polizei ermittelt worden.

In der Zülpicher Straße wurde ein 25-Jähriger schwer verletzt, als er aus dem dritten Stock eines Hauses auf ein Vordach stürzte. Am Heumarkt kletterte ein 22-Jähriger auf ein Gerüst und stürzte zwei Meter in die Tiefe. Der Mann habe sich „maximal mittlere Verletzungen“ zugezogen, hieß es.

Bis 18.00 Uhr meldete die Kölner Feuerwehr den Angaben zufolge 405 Rettungseinsätze - zum Teil auch mit Notarzteinsätzen. Dies seien allerdings deutlich weniger als noch im Vorjahr, als zu diesem Zeitpunkt bereits 560 Einsätze gemeldet worden seien.

Das Wetter war nicht so schlimm wie erwartet: Es war zwar bewölkt, aber es regnete zunächst nicht. Das hat wohl noch Kurzentschlossene dazu bewegt, doch noch rauszugehen - der Andrang war sehr groß, Zehntausende waren in der Altstadt. Erst später gab es Nieselregen.

Bands wie Kasalla oder Höhner standen auf der Bühne. Bei den Kostümen setzten die Karnevalisten auf bunte Kreativität: Männer kamen als Feen verkleidet, andere als Bushaltestelle. Hinzu kamen klassische Verkleidungen wie Leoparden, Clowns und Piloten. Ein Renner war ein rotes Bankräuber-Kostüm aus der Netflix-Serie „Haus des Geldes“. Aus Japan kam Fußballprofi Lukas Podolski per Live-Videoschalte dazu. Es sei komisch, seit Langem nicht mehr in Köln Karneval gefeiert zu haben, sagte der Karnevalsfan und versprach dem Publikum: „Irgendwann bin ich wieder da und dann feiern wir wieder zusammen.“

Vor allem in Köln zog das Fest viele Karnevalstouristen an. Vergangenes Jahren waren dabei massive Sauf-Exzesse beklagt worden. Rathauschefin Reker hatte dies als „nicht hinnehmbar“ bezeichnet. Der Karneval gehöre zum Kulturgut der Stadt, doch „was wir im vergangenen Jahr erleben mussten, hatte nichts mehr mit Kultur zu tun“. Damit sich das nicht wiederholt, setzte Reker unter anderem auf verstärkte Ordnungs- und Aufklärungsmaßnahmen sowie die Ausweitung einer Glasverbotszone.

Die Düsseldorfer feierten den Start in die „fünfte Jahreszeit“ vor dem Rathaus, wo der wiederauferstandene Hoppeditz eine humorvoll-karikatureske Rede hielt und der Obrigkeit die Leviten las. Oberbürgermeister Thomas Geisel (SPD) war bei dem Schauspiel mit von der Partie. Ein Hingucker waren in der Menge Bergbau-Kostüme - in Bottrop macht Ende 2018 die letzte Ruhr-Zeche zu, daher ist Bergbau ein großes Thema in der Bevölkerung.

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(dpa)