Inden: Tanzender Wirbel am Indemann fasziniert 170.000 Facebook-Nutzer

Inden : Tanzender Wirbel am Indemann fasziniert 170.000 Facebook-Nutzer

Wer sie sieht, denkt unwillkürlich an Tornados, die mit zerstörerischer Wucht übers Land fegen: Staubteufel, auch Sandteufel, Sand- oder Staubhose genannt. Ein besonders beeindruckendes Exemplar so eines tanzenden Mini-Wirbelsturmes hat Frank Strauch aus Düren am Indemann gefilmt - nach seiner Einschätzung war er höher als der Aussichtsturm selbst. Das Video haben schon rund 170.000 Menschen gesehen.

Der Film zeigt den Sandstrahl, der sich wie eine Windhose zwischen den Spielgeräten neben dem Aussichtsturm bewegt. Der klar erkennbare, schlauchförmige Wirbel behält seine Gestalt über die ganze Länge des knapp 20 Sekunden langen Videos.

Frank Strauch wurde am Dienstagnachmittag nach einem Besuch beim Indemann mit seiner Familie zufällig Augenzeuge des Naturspektakels. „Der Wirbel hat sich auf dem Parkplatz gebildet, wanderte dann zum Spielplatz herüber und wurde dabei immer größer“, sagte der Derichsweiler gegenüber unserer Redaktion. Der Wirbel habe schließlich einen Durchmesser von etwa einem Meter gehabt und sei höher als der der knapp 40 Meter hohe Indemann-Turm selbst gewesen.

Strauch zog sein Handy und filmte mit - „das war eine ganz spontane Aktion“. Das Video lud er auf Facebook hoch. Dort wurde der tanzende Teufel zum Hit: Am Freitagvormittag hatten bereits rund 170.000 Menschen den Clip gesehen. In den Kommentaren berichteten auch andere Facebooknutzer, dass sie in den vergangenen Tagen solche Sandsäulen beobachtet hätten.

Kurzlebige Wirbel

Was aber sind diese Staubteufel eigentlich - und können sie gefährlich werden? Zunächst: Mit „echten“ Tornados haben diese vor allem im Sommer in unseren Breiten zu beobachtenden Phänomene nichts zu tun, mit Wolken oder Gewittern sind sie nicht verbunden.

„Solche sogenannten Kleinthromben entstehen, wenn sich der Erdboden stark erwärmt“, erklärt Meteorologe Malte Witt vom Deutschen Wetterdienst. Dadurch können die Luftschichten über dem Boden deutlich wärmer werden als die darüberliegenden. Wie Luftblasen in kochendem Wasser steigt die erhitzte Luft auf. Dabei kann sie durch kleine Luftbewegungen - also normalen Wind - in Drehbewegung geraten. Aus dieser seitlichen Bewegung entsteht in Verbindung mit dem Aufsteigen dann der sich schlauchförmig drehende Wirbel. Physikalische Effekte bewirken, dass sich die Säule stabilisiert und die Drehgeschwindigkeit erhöht.

„Die Thromben werden sichtbar, wenn dabei Material durch die Luft gewirbelt wird“, sagt Meteorologe Witt. Im Gegensatz zu Tornados sind Sandteufel keine dauerhafte Erscheinung. „Die sind ausgesprochen kurzlebig und existieren meist nur etwa eine bis drei Minuten“, sagt Witt.

Gefahr geht von den Wirbeln in der Regel nicht aus. „Die Windgeschwindigkeiten liegen unter denen von Sommergewittern“, erklärt der Meteorologe. Allerdings können durchaus leichte Gegenstände oder Zelte losgerissen werden.

Ausnahmen bestätigen wie üblich die Regel. In sehr seltenen Extremfällen können Sandthromben durchaus beeindruckende Ausmaße erreichen und Schäden anrichten. Im Jahr 2000 wurde bei einem Staubteufel in Arizona, USA, eine Spitzengeschwindigkeit von 120 Kilometern pro Stunde gemessen. Mehrere Menschen wurden leicht verletzt, einige Gebäude beschädigt.

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