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NRW-Poetry-Slam im Eurogress Aachen: Tage voller Wortgewalt und Ulala

NRW-Poetry-Slam im Eurogress Aachen : Tage voller Wortgewalt und Ulala

Der NRW-Landeswettbewerb im Poetry Slam fand zum ersten Mal in Aachen statt. Nach einer über dreistündigen Präsentation wortgewaltiger und spritziger Texte im Dichterwettstreit konnte Kolja Fach aus Hamm den Kampf für sich entscheiden.

Der Europa-Saal im Eurogress war ausverkauft, als zwölf Poetinnen und Poeten beim Finale der NRW-Landesmeisterschaft in Aachen zeigten, was sie drauf haben. Die Stimmung im Saal hätte besser nicht sein können, und das überwiegend junge Publikum honorierte die Beiträge zum Teil mit tosendem Applaus. Die Themen reichten von Magersucht über das Altern bis hin zu Umweltschutz sowie der großen Bedeutung Europas, und die Dichter ließen dabei – zumindest gefühlt – nichts ungesagt.

Zwei Tage lang wetteiferten insgesamt 36 Poetinnen und Poeten in Aachen um den NRW-Landespokal in Form eines leuchtenden Bahkauvs, zwölf von ihnen kamen ins Finale und setzten den Dichterwettstreit vor rund 1600 Gästen im Eurogress fort. Oben auf der Bühne waren sie mit sich und ihrem Text allein: Requisiten und Verkleidungen sind beim Poetry Slam nicht erlaubt, nur das Textblatt darf mit auf die Bühne. Die Poeten dürfen beim Vortrag fünf Minuten und 30 Sekunden nicht überschreiten, tun sie es doch, werden sie von einem immer penetranter werdenden Rauschen gemahnt, zum Ende zu kommen. Zur Not werden die Dichter von der Bühne getragen.

Die Moderatoren Eric Jansen und Oscar Malinowski erinnerten daran, dass der Poetry Slam gerade in Aachen Tradition hat. Angefangen hat hier demnach alles in den 90er Jahren in der Raststätte an der Lothringer Straße. Dass der NRW-Landeswettbewerb nun erstmals in Aachen stattfand, verbuchen die Organisatoren als großen Erfolg. „Es war der größte und bestbesuchte NRW-Slam, den es je gab“, betonten die Moderatoren im Eurogress. Alle Veranstaltungen in Aachen waren ausverkauft.

Am Ende zweier Tage voller Wortgewalt, atemloser Redegeschwindigkeit und knallhartem Rhythmus stand Kolja Fach aus Hamm als Sieger auf der Bühne. Im Finale hatte er zunächst die Volksmusik aufs Korn genommen und ließ dabei insbesondere „den großen Minnesänger Andreas Gabalier“ mit seiner eher begrenzten Wortwahl in seinen Liedtexten („Ulala, ulala, ulala, ulala“) literarisch über die Klinge springen. In der letzten Runde ging er dann in seinem zweiten Text unter anderem mit dem AfD-Politiker Guido Reil hart ins Gericht: „Fick dich ins Knie, wiederhol‘ die achte Klasse und pass’ dann in Erdkunde auf“, konterte er Reils abwiegelnde Bemerkungen zur Bedeutung des CO²-Ausstoßes.

Harte Worte gehören zum Poetry Slam: Die Poeten nehmen kein Blatt vor den Mund. Als der Slammer Johnny aus Bergisch Gladbach die Evolutionsgeschichte des Menschen auf ihre wesentlichen Punkte reduziert, da hält es das Publikum kaum noch auf den Sitzen. „Weil er nichts muss und alles darf, hält er erst einmal ’nen Mittagsschlaf“, dichtet er über den Status „Affe“ und beschreibt dann, wie dieser Affe zum aufrechten Gang findet.

Nachdem er theatralisch die ganze Evolutionsgeschichte heruntergerattert hat, stellt er fest, dass der Mensch als Smartphonnutzer mit „seinem nach unten gerichteten Blick und stets wischenden Bewegungen“ doch zunehmend wieder dem Affen gleicht, und kommt zur großen Freude der Zuhörer schließlich zu dem Schluss: „Die Tragik ist, dass der Affe ein Mensch geworden ist.“

Gemeinsam mit Björn Rosenbaum (Wuppertal) und Kolja Fach schaffte er es mit diesem Beitrag in die Endauswahl. Schließlich hatte Kolja Fach aus Hamm die Nase vorn und durfte den Bahkauv-Pokal aus dem 3-D-Drucker mit nach Hause nehmen.