Hambacher Forst : Tag 15, Räumung im Reich der Elben

Hambacher Forst : Tag 15, Räumung im Reich der Elben

Der Ort Lorién taucht auch im „Herr der Ringe“ auf. In dem Phantasie-Roman von J.R.R. Tolkien ist das der Name des Goldenen Waldes sowie des darin liegenden Elbenreiches. Lorién gibt es auch in der realen Welt.

Manchmal ist es ein Katz- und Mausspiel. Ein Polizist sagt, dass man einen der Aktivisten nun zum dritten Mal „aus einem Baum herunterpflücken“ muss, an den Tagen zuvor war er in anderen Siedlungen unterwegs, die es inzwischen nicht mehr gibt.

Lorién steht jetzt auch vor der kompletten Räumung, das Ende des massiven Polizeieinsatzes ist in Sicht, aber noch gibt es keine Prognosen, sagt eine Polizeisprecherin.

Die Zahl der Baumhäuser variiert in diesen Tagen, mal sind es 50, mal 80, das hängt auch davon ab, ob man einzelne Plateaus mitzählt. Und manchmal entstehen neue Quartiere auch buchstäblich in der Nacht. Mit einem schnellen Ende des Einsatzes im Restforst sei im Moment nicht zu rechnen, sagt Dana Zimmermann, Sprecherin der Aachener Polizei. Die Behörde hat auch über das Wochenende weitere Kräfte angefordert, um den Einsatz bei Bedarf weiter fortsetzen zu können.

Dem Tagebaubetreiber RWE kann diese Nachricht nur recht sein. Denn im Prinzip ist es so, dass nicht die Polizei, sondern RWE dafür zuständig ist, dass nach der Räumung im Wald keine neuen Baumhäuser entstehen. Der Konzern wird ein großes Interesse daran haben, dass die Staatsdiener möglichst lange im Forst bleiben. Zwar verfügt RWE über einen Werksschutz, der von Sicherheitsfirmen unterstützt wird; doch ob die RWE-Mitarbeiter die Waldbesetzer daran hindern könnte, nach dem möglichen Abzug der Polizei neue Baumhäuser zu errichten, ist fraglich. Das Sicherheitspersonal darf sich weder bewaffnen noch Gewalt gegen Menschen anwenden. Die Mitarbeiter haben nur das sogenannte Jedermannsrecht, das jedem Bürger zustehet.

Hambacher Forst: Polizei räumt Baumhausdorf „Lorien“

Noch ein Eliantrag

Die Rodung soll frühestens am 15. Oktober beginnen. Einen Tag vorher wird das Oberverwaltungsgericht Münster über einen Eilantrag des Bundes für Natur und Umweltschutz entscheiden, mit der die Rodung des Hambacher Forsts verhindert werden soll. Es ist die letzte juristische Hürde für den Eigentümer.

RWE-Chef Rolf Martin Schmitz hat die Waldbesetzer scharf kritisiert. „Wer illegal den Wald besetzt und unsere Mitarbeiter mit Fäkalien bewirft, ist für mich kein Aktivist. Das ist ein Straftäter“, sagte der Manager im Gespräch mit dem „Handelsblatt“. Kritik übte Schmitz auch an den Umweltverbänden. Er sei persönlich enttäuscht, dass die Verbände nicht zu einem gemeinsamen Aufruf gegen die Gewalt bei den Protesten im Braunkohlerevier bereit gewesen seien.

An den Rodungsplänen hielt der RWE-Chef ungeachtet der Proteste fest, auch wenn er einen Imageschaden riskiere. „Der Wald ist schlichtweg nicht mehr zu retten. Alles andere ist eine Illusion“, sagte er. Selbst wenn RWE den Tagebau in Hambach sofort stoppen würde, müsse der Konzern den Wald roden. „Wir brauchen diese Erdmassen, um die Böschungen dauerhaft zu stabilisieren. Die sind so steil, dass sie abgeflacht werden müssen“, sagte Schmitz.

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