Brunssum: Suche nach Nickys Mörder: Fast 7000 Männer haben DNA abgegeben

Brunssum : Suche nach Nickys Mörder: Fast 7000 Männer haben DNA abgegeben

6721 Männer sind in der ersten Woche schon erschienen und haben sich Wangenschleim abnehmen lassen. Es ist der letzte Versuch, den Mord an dem damals elfjährigen Nicky Verstappen in der Brunssummer Heide nach knapp 20 Jahren doch noch zu klären — ein Massentest wie es ihn in der niederländischen Kriminalgeschichte noch nicht gegeben hat.

Die Polizei ist mit der Resonanz bislang durchaus zufrieden, obwohl die Erwartungen höher waren: Abgegeben wurden im Schnitt 960 Proben pro Tag, ausgerichtet waren die Annahmestellen auf 1250 DNA-Proben, für die eigens 100 Polizisten abgestellt worden sind. Zur Abgabe aufgerufen sind insgesamt 21.500 Männer, um nach vielen vergeblichen Anläufen doch noch Aufschluss darüber zu bekommen, wie Nicky Verstappen zu Tode gekommen ist.

Er war im August 1998 aus einem Sommercamp im knapp 30 Kilometer von Aachen entfernten Naherholungsgebiet Brunssumer Heide verschwunden. Seine Leiche war 40 Stunden später in einem Wäldchen rund 1200 Meter entfernt gefunden worden, auf seiner Kleidung die DNA eines unbekannten Mannes. In der großangelegten Untersuchung fahnden die Ermittler nach — möglicherweise weit entfernten — Verwandten des Unbekannten, der Aufschluss darüber geben kann, was in den letzten Stunden des Jungen passiert ist.

Der Fall bewegt immer noch die Gemüter in der Grenzregion, damit begründen die Behörden auch die enormen Kosten der Aktion in Höhe von 1,8 Millionen Euro. In Nickys Wohnort Heibloem sind sogar 90 Prozent der 400 aufgerufenen Männer in den Abgabestellen erschienen. Ihre Teilnahme ist freiwillig, allerdings wird die Polizei genau verfolgen, wer nicht zur Untersuchung kommt. Das ist dann kein Problem, wenn ein Verwandter schon da war und die Sache damit erledigt ist.

Sollte es zu einem Treffer kommen und eine genetische Übereinstimmung festgestellt werden, muss das nicht zwangsläufig schnell zu dem Gesuchten führen. Möglicherweise stammt die Probe von einem weitläufig Verwandten, dann müsste erst ein Stammbaum erstellt werden und würde sich die Suche auf Männer gleichen Nachnamens konzentrieren. In einem anderen Fall eines unaufgeklärten Mordes an einer jungen Frau in den Niederlanden hatte der Täter in einer DNA-Untersuchung nach 25 Jahren bis zum letzten Tag mit der Speichelprobe gewartet. Er war zu einer anderen Abgabestelle als angegeben gegangen, alles in der Hoffnung, nicht entdeckt zu werden — vergebens.

Die DNA-Entnahmen finden statt vor allem in Landgraaf, Teilen von Heerlen und Brunssum und gehen noch weiter bis zum 18. März. Angeschrieben worden sind ein Großteil der Männer, die im Radius von fünf Kilometern um den Tatort wohnen. Die Polizei hofft darauf, dass auch Freiwillige, die keine Benachrichtigung bekommen haben, sich spontan beteiligen, auch Deutsche sind willkommen.

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