Sturmtief Sabine: Orkan fegt über die Region Aachen, Düren, Heinsberg

Bilanz nach der Sturmnacht : Viel Arbeit für Feuerwehr und Polizei durch Tief „Sabine“

Von Sonntagmittag an hat Orkantief „Sabine“ für zahlreiche Einsätze in der Region gesorgt. Zu schwerwiegenden Einsätzen oder Verletzten kam es jedoch glücklicherweise nicht. Weiterhin kommt es jedoch zu Einschränkungen.

Gegen 21 Uhr am Sonntagabend fegte der Sturm am stärksten über die Region, doch auch bis in den Morgen hinein gab es starke Windböen und immer wieder Regenschauer.

Die höchste Windgeschwindigkeit in Nordrhein-Westfalen wurde in der Nacht auf Montag auf dem Kahlen Asten (842 Meter) gemessen (137 km/h). Dies entspricht Windstärke 12. Orkanartige Böen wurden demnach unter anderem in Wuppertal (111 km/h), Aachen und Werl (beide 106 km/h) registriert.

Der Berufsverkehr ist am Montagmorgen ohne größere Staus und Behinderungen angelaufen, die Schäden waren nicht so stark, wie im Vorfeld angenommen. Gegen 4 Uhr hob der Deutsche Wetterdienst die Warnung vor Orkanböen auf. Im morgendlichen Berufsverkehr ist es jedoch weiterhin zu Einschränkungen gekommen.

Auf den Autobahnen meldete der WDR landesweit um 6.23 Uhr 31 Kilometer Stau - vergleichsweise wenig an einem Montagmorgen. „Vielleicht arbeiten heute einige von zu Hause aus oder nehmen Urlaub“, spekulierte ein Sprecher der Landesleitstelle der Polizei.

Nach seinen Angaben blockierten umgestürzte Bäume weiter die A4 Richtung Köln zwischen Elsdorf und Kerpen. Die Sperrung werde bis etwa 9 Uhr anhalten. Gegen 6.45 Uhr wurde bereits ein Fahrstreifen wieder freigegeben, wie das WDR-Verkehrsstudio meldete. Das aktuelle Verkehrsgeschehen in der Region zeigt unsere Karte.

Die Einsatzlage in NRW und der Region

Zwar traf das Orkantief Nordrhein-Westfalen weniger heftig als befürchtet, Rettungskräfte mussten von Sonntag auf Montag zu mehr als 7100 Einsätzen ausrücken – 13 Menschen wurden verletzt. Fast 22.000 Einsatzkräfte von Feuerwehr und Hilfsorganisationen seien auf den Beinen gewesen, teilte das NRW-Innenministerium am Montag mit. Hinzu kamen noch fast 3000 Einsätze der Polizei.

Nahezu ununterbrochen gingen am Sonntag und in der Nacht Anrufe bei den Leitstellen der Feuerwehren in der Städteregion Aachen ein. Bis Sonntagmittag 14.30 Uhr wurden 705 Einsätze gezählt, davon 273 in der Stadt Aachen. Mehr als 1000 Kräfte waren im Einsatz.

Lose Gebäudeteile wie Dachziegel, Satellitenschüsseln und Photovoltaikanlagen hätten die Feuerwehrleute Sonntagmittag immer wieder auf den Plan gerufen. Dazu: Entwurzelte Bäume und abgeknickte Äste, die Straßen blockierten. So geschehen etwa in der Jülicher Straße in Aachen, die teilweise gesperrt werden musste. Rund um die Straße Am Ferberberg in Laurensberg klagten ab 18.30 Uhr einige Anwohner über Stromausfall. Dort war ein Baum auf eine Stromleitung gestürzt.

Am frühen Montagmorgen meldete die Leitstelle der Städteregion Aachen, dass nun die meisten Schäden beseitigt sind. Generell sei „nichts Dramatisches” passiert, glücklicherweise gäbe es keine Verletzten. Die Auswirkungen des Sturms werden in den kommenden Tagen noch in vielen Bereichen in Aachen zu spüren sein.

Im Nordkreis waren neben den bei Sturm üblichen Begleitumständen – auf Straßen gewehte Äste, umgeknickte Bäume, umher rutschende Mülltonnen – auch außergewöhnliche Einsätze zu verzeichnen. Der Orkan beschert den Feuerwehren im Nordkreis eine einsatzreiche Zeit, die aber nicht so lange ist, wie zunächst gedacht.

Viele Feuerwehreinsätze gab es auch in der Nordeifel. Dort stürzte ebenfalls ein Baum auf eine Stromleitung, was zu einem knapp dreistündigen Stromausfall in Monschau, Höfen und Rohren führte. Nach 22 Uhr beruhigte sich die Lage. Am Montagmorgen war noch die Landesstraße 238 zwischen Roetgen und Rott, die L128 zwischen Einruhr und Rurberg, die L106 zwischen Eicherscheid und Hammer und die B266 zwischen Einruhr und Vogelsang gesperrt, sowie die Straße zwischen Mützenich und Eupen. 29 Einsätze waren es am Ende in Monschau und 28 in Simmerath.

In Stolberg sperrte die Stadt aufgrund der Gefährdungslage vorerst mehrere Straßen. Außerdem hat eine Dame die Stolberger Feuerwehr am Sonntag und Montag ganz schön auf Trab gehalten: Sabine. Insgesamt waren 260 Helfer stundenlang im Einsatz.

Im Kreis Düren rückten die Kräfte der Feuerwehr bis Montagmittag 14 Uhr zu insgesamt 550 Einsätzen aus. Auch bei den Kollegen der Polizei sei „die Hölle los“, wie ein Sprecher der zuständigen Feuerwehrleitstelle sagte. Es gab keine Verletzten, hauptsächlich mussten lose Fassadenteile und Äste beseitigt werden. Insgesamt kam es zu zehn Verkehrsunfällen. Im Laufe des Montags kommt es vereinzelt noch zu Störungen.

Im Kreis Heinsberg meldete die Leitstelle bis 6 Uhr am Montag insgesamt 117 Einsätze. Ein paar Dachziegel seien geflogen, ein Baum ragte in die Straße und wurde vorsorglich gestutzt, ein Bauzaun sei umgekippt, meldete die Kreisleitstelle der Feuerwehr in Erkelenz. Positive Nachricht für alle Pendler: Die Infrastruktur sei vom Sturm nicht betroffen.

In Köln wurde der Bereich um den Dom weiträumig abgesperrt – um niemanden in die Gefahr von Steinschlägen zu bringen. Bei Windböen mit Orkanstärke mussten Feuerwehrleute in Mönchengladbach für einen Einsatz auf das Dach eines Hochhauses klettern - und wären fast runtergeweht worden. In dem Gebäude blieb in der Sturmnacht ein Aufzug stecken. Die drei eingeschlossenen Personen seien zunehmend in Panik geraten, teilte die Feuerwehr am Montagmorgen mit. Um sie zu befreien, hätten Einsatzkräfte über das Dach in den Maschinenraum gemusst - doch das sei bei den Windgeschwindigkeiten extrem gefährlich gewesen. Die Feuerwehrleute hätten sich festbinden müssen, um nicht vom Dach geweht zu werden. Schließlich konnten sie die Personen aber aus dem Fahrstuhl befreien.

Schulen reagieren, Müllabfuhr fällt aus

Am Tag nach dem Orkan kehrt auch an den Schulen in der Region die Normalität wieder zurück. War am Montag noch vielerorts der Unterricht ausgefallen, gibt es nun keine Weisung mehr, Schulen zu schließen.

Die städtischen Kindertagesstätten in Aachen sind am Montag geöffnet. Das teilte die Stadt in einer Pressemitteilung mit. Freie Kita-Träger hingegen entschieden hingegen eigenständig über ihr Vorgehen. Und auch der Aachener Euregiozoo bleibt am Montag geschlossen, dort sind mehrere Bäume umgestürzt und haben die Gehege beschädigt.

<aside class="park-embed-html"> <blockquote class="twitter-tweet"><p lang="de" dir="ltr">Aktuelle Lage <a href="https://twitter.com/hashtag/Sturm?src=hash&amp;ref_src=twsrc%5Etfw">#Sturm</a> über <a href="https://twitter.com/hashtag/Aachen?src=hash&amp;ref_src=twsrc%5Etfw">#Aachen</a>: Die Einsatzzahl der Feuerwehr liegt jetzt bei 271 in der Stadt Aachen (Stand 11.30 Uhr). Morgen ist wieder Schule. Müllabfuhr ab morgen wieder unterwegs. Aktuelle Pressemitteilung: <a href="https://t.co/p2KLeDrWy9">https://t.co/p2KLeDrWy9</a></p>&mdash; Stadt Aachen (@PresseamtAachen) <a href="https://twitter.com/PresseamtAachen/status/1226828527972048898?ref_src=twsrc%5Etfw">February 10, 2020</a></blockquote> <script async src="https://platform.twitter.com/widgets.js" charset="utf-8"></script> </aside>
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Die Gefahr durch umherfliegende Mülltonnen und Gelbe Säcke im Straßenraum wird so hoch eingestuft, dass die Stadt die Müllabfuhr für Montag komplett abgesagt hat. Auch in Eschweiler findet keine Müllabfuhr statt. Die Entsorgung in Aachen wird am Dienstag nachgeholt, die folgenden Termine verschieben sich dann jeweils um einen Tag. In Aachen bleiben alle Sportplätze bis einschließlich Mittwoch geschlossen, ebenso die Friedhöfe.

Deutsche Bahn nimmt Betrieb auf

Auch Bahnpendler mussten umplanen. Am Morgen kam niemand mit dem Zug zur Arbeit, nachdem der Bahnverkehr in NRW am Sonntagnachmittag komplett gestoppt worden war. Im Laufe des Montagvormittags lässt die Deutsche Bahn ihren Fernverkehr in weiten Teilen Deutschlands wieder anrollen. Auch der regionale Bahnverkehr kommt in vielen Gegenden wieder ins Rollen. Die Rurtalbahn fährt aktuell größtenteils wieder nach Plan, so Markus Vogten vom Aachener Verkehrsverbund.

NRW-Flughäfen nehmen Betrieb auf

An den beiden größten NRW-Flughäfen Düsseldorf und Köln/Bonn sind am Montag wegen des Sturms „Sabine“ insgesamt 165 Flüge storniert worden. In Düsseldorf hätten Airlines 120 Verbindungen gestrichen, in Köln/Bonn seien es 23 Starts und 22 Landungen, teilten Sprecher der Flughäfen mit. Vor allem Eurowings hatte Flüge abgesagt.

<aside class="park-embed-html"> <blockquote class="twitter-tweet"><p lang="de" dir="ltr">Die Nacht war stürmisch, aber etwas ruhiger als erwartet. Auch heute kommt es dennoch zu Flugausfällen durch <a href="https://twitter.com/hashtag/Sabine?src=hash&amp;ref_src=twsrc%5Etfw">#Sabine</a>. 23 Starts und 22 Landungen sind an diesem Montag annulliert. Es kann über den Tag zu weiteren wetterbedingten Unregelmäßigkeiten im Flugbetrieb kommen.</p>&mdash; Köln Bonn Airport (@AirportCGN) <a href="https://twitter.com/AirportCGN/status/1226773740916297729?ref_src=twsrc%5Etfw">February 10, 2020</a></blockquote> <script async src="https://platform.twitter.com/widgets.js" charset="utf-8"></script> </aside>
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Die Sicherheit habe höchste Priorität, erklärte die Linie dazu am Montagmorgen. Von zehn Uhr morgens an wollte Eurowings den Betrieb schrittweise wieder aufnehmen. Unregelmäßigkeiten seien aber weiter möglich. In Düsseldorf blieb aus Sicherheitsgründen auch die Besucherterrasse geschlossen. Passagiere sollten sich bei ihren Airlines darüber informieren, ob ihr Flug planmäßig abhebe.

Sturm „Ciara in Belgien

Der Sturm „Sabine“, der in Belgien „Ciara“ heißt, hat dort bis zum Montagvormittag etliche Schäden angerichtet. Verletzt wurde nach ersten Medienberichten niemand, als vielerorts im Land Bäume und Baugerüste umstürzten. In Brüssel löste der Wind Teile einer Leichtbaufassade, die vom sechsten und siebten Obergeschoss auf die Straße fielen. Auch etliche Dächer deckte der Sturm ab. Bahnen fuhren auf vielen Strecken verspätet oder eingeschränkt. Im Hafen von Antwerpen kippten aufeinandergestapelte Container um. In Blankenberge an der Küste wurden Windgeschwindigkeiten bis 120 Kilometer pro Stunde gemessen, wie die belgische Nachrichtenagentur Belga meldete.

Am Sonntag hat der niederländische Wetterdienst Autofahrer aufgefordert, nicht mit Anhängern und Wohnwagen zu fahren. Die Fluggesellschaft KLM annullierte vorsorglich Dutzende innereuropäische Flüge ab und zum Amsterdamer Flughafen Schiphol.

Bundesliga-Derby abgesagt

Das ausverkaufte Bundesliga-Duell zwischen Borussia Mönchengladbach und dem 1. FC Köln, das am Sonntag um 15.30 Uhr stattfinden sollte, wurde aus Sicherheitsgründen wegen des Sturmtiefs „Sabine“ abgesagt. „Wir hatten um 5.45 Uhr eine Telefonkonferenz mit der Feuerwehr, dem Ordnungsamt und dem Deutschen Wetterdienst und haben dann nach intensiven Beratungen uns dagegen entschieden, noch länger zu warten und das Spiel in Abstimmung mit der Deutschen Fußball Liga abgesagt“, sagte Borussias Mediendirektor Markus Aretz. „Während der Spielzeit wäre es wahrscheinlich ruhig geblieben, aber bei der Abreise der vielen Besucher bestand dann halt Gefahr.“

Aussichten

„Sabine“ soll noch stundenlang weiter stürmen: Der Deutsche Wetterdienst warnt auch nach dem Durchzug von Sturmtief „Sabine“ weiter vor schweren Sturmböen in Nordrhein-Westfalen. Vereinzelt seien am Montag sogar orkanartige Böen bis Windstärke elf möglich, teilte der DWD am späten Vormittag mit. Die stärksten Böen und teils auch Starkregen erwarten die Meteorologen jetzt für den Süden. Für die komplette Südhälfte Deutschlands gilt laut Deutschem Wetterdienst (DWD) die zweithöchste Unwetterwarnstufe, für einige Regionen in Baden-Württemberg und Bayern sogar die höchste - hier ist weiterhin „extremes Unwetter“ zu erwarten.

Ein wechselhaftes Schauerwetter und Sturmböen bis Windstärke neun können Nordrhein-Westfalen auch am Dienstag noch durcheinanderwirbeln, erklärte der Deutsche Wetterdienst (DWD) in Essen. „Der Wind wird punktuell wieder auffrischen“, sagte ein Sprecher, auch wenn er insgesamt zurückgehe.

„Sabine“ ist laut DWD ein Winterorkan, wie er etwa alle zwei Jahre vorkommt. So stark wie „Kyrill“ (2007) oder „Lothar“ (1999) soll „Sabine“ aber nicht werden.

Der Artikel wird fortlaufend aktualisiert.

Hier geht es zur Bilderstrecke: „Sabine“ sorgt für zahlreiche Einsätze in der Region

(red/dpa)