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Absagen in Köln und Düsseldorf: Sturmböen verhindern Karnevalsumzüge

Absagen in Köln und Düsseldorf : Sturmböen verhindern Karnevalsumzüge

Der Wind macht den Karnevalisten einen Strich durch die Rechnung: Die Karnevalshochburgen Köln und Düsseldorf müssen am Sonntag Absagen verkünden, auch viele kleinere Umzügen fallen dem Wetter zum Opfer. Für Rosenmontag sieht es aber besser aus.

Sturmböen haben am Sonntag zur Absage vieler Karnevalsumzüge in Nordrhein-Westfalen geführt - besonders betroffen vom Wetter waren die Karnevalshochburgen Köln und Düsseldorf. In Köln mussten ganz kurzfristig die beliebten Schull- un Veedelszöch, zu der in der Regel Hunderttausende Schaulustige kommen, abgesagt worden. Die zumeist jungen Teilnehmer standen eigentlich schon bereit, um loszuziehen - dann kam die Absage aus Sicherheitsgründen. Zuvor hatte bereits Düsseldorf entschieden, das beliebte Kö-Treiben auf der Königsallee ausfallen zu lassen. Die Prognose mit Windstärken zwischen acht und neun habe gar keine andere Wahl gelassen, erklärte das Comitee Düsseldorfer Carneval.

In Köln hatte man eigentlich gehofft, dem stärksten Wind entgehen zu können. Die Schul- und Viertelsumzüge, wie sie auf Hochdeutsch heißen, waren daher um etwa eine halbe Stunde vorverlegt worden. Zudem wurde der Zugweg stark verkürzt. Rund 8000 Teilnehmer wollten sich auf die Strecke machen. Nicht alle reagierten auf die Absage verständnisvoll. Schulhausmeister Andreas, verkleidet als Wolke, sagte: „Sehr schade, wir hatten uns alle drauf gefreut. Wenn, dann hätte man eigentlich gestern schon absagen können, da ging auch schon 'ne Sturmwarnung raus.“ Ein als Frosch verkleideter Erwachsener murmelte: „Man sollte das in den Sommer verlegen.“

Ekel-Wetter mit Dauerregen hält den Karneval eigentlich nicht auf - aber bei Sturm wird es gefährlich. Der Deutsche Wetterdienst (DWD) hatte in ganz NRW vor Sturmböen bis Windstärke 9 gewarnt. Die Stadt Köln begründete die Absage dann auch damit, dass sich immer wieder Verkleidungen gelöst und in den Zugweg geragt hätten. Auch der Sanitätsdienst berichtete, die Arbeit im Freien sei „nicht ungefährlich“ gewesen - eine Einsatzkraft sei „durch Windeinfluss“ sogar leicht verletzt worden. Als kleiner Trost sollen ausgewählte Teilnehmer der verhinderten Schull- un Veedelszöch im Kölner Rosenmontagszug mitlaufen dürfen.

Auch andernorts hagelte es Absagen, etwa für den Tulpensonntagszug in Emmerich am Niederrhein, zu dem die Veranstalter 18 000 Menschen erwartet hatten. „Der Jeck in mir trauert. Aber bei derartigen Windböen ist es schlicht und einfach zu gefährlich, sich draußen aufzuhalten“, sagte Bürgermeister Peter Hinze. In Viersen wurden zwei Umzüge abgesagt. „Die Sicherheit der Menschen in und an den Zügen geht vor“, teilte die Stadt mit. In Alt-Oberhausen gab es dasselbe Bild: „Die Karnevalisten werden gebeten, zu Hause zu bleiben und den Zugweg nicht aufzusuchen“, mahnte die Feuerwehr.

Auch Umzüge in Bochum-Wattenscheid, Hagen und Duisburg fielen dem Wetter zum Opfer, Neuss musste auf seinen Kappessonntagszug verzichten. Umzüge in Essen-Kettwig, der Kinderkarnevalszug in Ratingen, der Umzug in Salzkotten im Kreis Paderborn, in Bedburg-Hau am Niederrhein und der Veedels-Zoch in Düsseldorf-Eller konnten ebenso nicht stattfinden. Einige sollen im Frühjahr nachgeholt werden. In Aachen wurde der Kinderzug verkürzt, Münster verzichtete auf einige Programmpunkte.

Oberbürgermeisterin Henriette Reker erklärte, die Absage zeige die Abhängigkeit von der Natur. „Wir können froh sei, dass wir in einer Region leben ohne Erdbeben, ohne Taifune oder Orkane und ohne Lavaausbrüche und müssen lernen, mit dem Klimawandel umzugehen“, sagte sie. „Und auch das gehört dazu“. Dabei machte das Wetter nicht nur den Karnevalisten zu schaffen - in Düsseldorf etwa beschädigte ein sich im Wind drehender Baukran eine Hausfassade.

Für den Abend gab es dann ein paar gute Nachrichten für Karnevalisten. In Düsseldorf sollte der Straßenkarneval in der Altstadt weitergehen. Auch der Blick auf Rosenmontag fiel optimistisch aus: Wenn die ganz großen Umzüge in den Karnevalshochburgen stattfinden, soll der Wind abflauen. „Von unserer Seite ist für morgen alles in Ordnung, alles im grünen Bereich, so dass wir - Stand jetzt - gar keine Änderungen vornehmen müssen“, sagte Holger Kirsch, Zugleiter des Kölner Rosenmontagszuges. „Wir rechnen mit keinen Einschränkungen bei der Durchführung des Rosenmontagszuges“, hieß es in Düsseldorf.

Auch im vergangenen Jahr waren mehrere kleinere Karnevalszüge in NRW wegen eines Sturms abgesagt worden, der große Düsseldorfer Rosenmontagszug musste um einige Stunden verschoben werden. 2016 wurde der Düsseldorfer Rosenmontagszug wegen des Sturmtiefs „Ruzica“ sogar ganz abgesagt und fünf Wochen später - an einem „Rosensonntag“ - nachgeholt.

(dpa)