Aachen: Streetscooter startet bei Talbot

Aachen: Streetscooter startet bei Talbot

Gute Nachricht für den Standort Aachen: Die Serienfertigung des vor Ort entwickelten Elektrofahrzeugs Streetscooter wird im bisherigen Bombardier-Werk in Aachen erfolgen. Dort wird die neu geschaffene Talbot Services GmbH 40 ihrer bislang 240 Arbeitsplätze für diesen Zweck reservieren.

„Wir haben eine wirtschaftliche Lösung für die Serie gesucht und bei Talbot gefunden“, sagte am Donnerstag Professor Achim Kampker, Geschäftsführer der Streetscooter GmbH und Leiter des Lehrstuhls für Produktionsmanagement am Werkzeugmaschinenlabor (WZL) der RWTH Aachen, unserer Zeitung.

Man darf von einem zähen bundesweiten Ringen um den Produktionsstandort für das Auto von morgen ausgehen. Denn das vielversprechende Thema Streetscooter hat vielerorts die Wirtschaftsförderer elektrisiert. „Für Aachen hat der Streetscooter das Zeug zum Leuchtturmprojekt“, erklärte Oberbürgermeister Marcel Philipp. „Wissenschaft und Wirtschaft stoßen vor Ort gemeinsam etwas Neues an. Das ist großartig.“

Kampker hat mit seinem Team inzwischen Partner aus mehr als 80 Unternehmen im Streetscooter-Projekt zusammengeführt. Namhafte Zulieferer der Automobilindustrie sind darunter. „Wir haben diese Technologieplattform schon vor Jahren angestoßen, aber seit Achim Kampker da ist, sind wir mit großen Schritten vorangekommen“, sagte Kampkers WZL-Kollege Günther Schuh, der das Zusammenwirken vieler örtlicher Beteiligter bei diesem Produktionscoup, der ohne öffentliche Mittel auskommen muss, herausstellte.

Die Serienfertigung in Aachen setzt ein Ausrufezeichen für den Innovationsstandort. Aber auch entscheidend: Der nächste Schritt in der Konsolidierung des Talbotwerks, das durch den Rückzug des Waggonbauers Bombardier in die Schieflage geraten war, wird gemacht. „Wir wollen künftig ein Dienstleister und ein Mischbetrieb sein“, führte Talbot-Services-Geschäftsführer Dirk Reuters aus, „da binden wir das schöne E-Mobilitätsthema gerne ein.“

Die Serienproduktion soll ab Mitte 2014 beginnen, ab sofort werden die Mitarbeiter geschult. Geplant wird der Bau von vorerst 3000 E-Mobilen jährlich — zunächst ist das große Zustellfahrzeug an der Reihe, später folgt dann der handliche E-Pkw. Bis 2020 rechnet Kampker mit einer jährlichen Produktion von 10.000 Streetscootern. Abgesetzt werden sollen die Stromer in erster Linie im Flottengeschäft.