Stolberg: Mordanschlag auf Journalisten?

Auto abgefackelt : Sollte der Stolberger Journalist ermordet werden?

Was offenbar als investigative journalistische Recherche begann, endet als krasser Kriminalfall: Die Aachener Kripo ist davon überzeugt, dass ein junger Stolberger Gewerbetreibender einen Brandanschlag auf einen Journalisten in Stolberg in Auftrag gegeben hat – wegen dessen Recherchen, aus Rache.

Die Ermittlungen sind abgeschlossen, die Staatsanwaltschaft will in Kürze Anklage erheben.

Am Anfang stand ein Tipp: Ein junger Stolberger Gewerbetreibender nehme es mit den Finanzen nicht so genau, sei hoch verschuldet und habe unter anderem Subventionen erschlichen, hieß es. So jedenfalls schildert es der Stolberger Journalist, der daraufhin zu recherchieren begann.

Am Ende wird die „Story“ wohl vor dem Aachener Schwurgericht landen – als krasser Kriminalfall. Denn die Aachener Kripo ist davon überzeugt, dass der 19-jährige Gewerbetreibende versucht hat, den Journalisten umbringen zu lassen beziehungsweise dessen Tod zumindest billigend in Kauf genommen hat.

Er soll zwei weitere Männer, einen 30-Jährigen und einen 50-Jährigen, damit beauftragt haben, einen Brandanschlag auf den Journalisten zu verüben, bei dem allerdings niemand verletzt wurde. Die Ermittler sind sicher, dafür genügend Beweise gesammelt zu haben. Nach Informationen unserer Zeitung soll der 19-Jährige, der seit Ende Oktober in Untersuchungshaft sitzt, auch gestanden haben, dass er die beiden anderen beauftragt hat, dem Journalisten Schaden zuzufügen. Für die Kripo ist der Fall damit geklärt. Die Akte liegt jetzt bei der Staatsanwaltschaft. Mit einer Anklageerhebung wegen versuchten Mordes sei bald zu rechnen, erklärt Oberstaatsanwältin Katja Schlenkermann-Pitts auf Anfrage.

Die Frau des Journalisten bemerkte den Brand in der Nacht im Oktober. So konnte die Feuerwehr ein Übergreifen des Feuers auf weite Teile des Hauses verhindern. Foto: Hans Paul Enterprise

Porsche ging in Flammen auf

Versuchter Mord soll deswegen angeklagt werden, weil vier Personen in dem Haus schliefen, vor dem der Porsche Cayenne des Journalisten in der Nacht vom 15. auf den 16. Oktober dieses Jahres in Flammen aufging. Und weil das Feuer schon begonnen hatte, auf die Garage und damit das Wohnhaus überzugreifen. Es sei pures Glück gewesen, so der Journalist, dass seine Frau den Brand bemerkt hatte und deshalb die Feuerwehr so schnell vor Ort sein konnte. Die Rettungskräfte hatten in der Nacht „ein vollständiges Übergreifen der Flammen auf das Gebäude und damit eine Gefahr für die Bewohner noch verhindern können“, teilt auch die Pressestelle der Polizei mit, die den Fall jetzt öffentlich gemacht hat.

Als Verantwortlichen für den Brandanschlag hatte der Journalist den 19-Jährigen nach eigenem Bekunden sofort in Verdacht – und hat diesen Verdacht auch gleich gegenüber den Ermittlern geäußert. Schließlich sei er von dem jungen Mann vorher mehrfach wegen seiner Recherchen bedroht worden – in Telefonanrufen, aber auch per SMS und WhatsApp. Und einmal, so schildert es der Journalist, habe dieser ihn auch mit dem Auto verfolgt, woraufhin er bis zur nächsten Polizeiwache gefahren sei, um die Beamten darauf aufmerksam zu machen.

Die Tatverdächtigen gerieten also mehr und mehr in den Fokus der Ermittler, und offensichtlich wurde die Beweislage schnell erdrückend. Am 30. Oktober wurde der 30-Jährige in Bergisch-Gladbach festgenommen, einen Tag später schnappten sich die Ermittler den 19-Jährigen auf einem Parkplatz in Würselen. Seitdem sitzen die beiden Männer in Untersuchungshaft.

Der dritte mutmaßliche Tatbeteiligte, der 50 Jahre alte Mann, lebt nicht mehr. Laut Polizei unternahm er einige Tage vor seiner beabsichtigten Festnahme einen Suizidversuch – aus welchem Grund, ist unklar. Er überlebte zunächst und wurde in ein Krankenhaus gebracht, starb dort aber laut Staatsanwaltschaft in der vorigen Woche, ohne vor seinem Tod noch einmal vernehmungsfähig gewesen zu sein.

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