Düsseldorf: Steine zum Essen: Zöllner stellen Karton am Flughafen sicher

Düsseldorf : Steine zum Essen: Zöllner stellen Karton am Flughafen sicher

Einen rund 15 Kilogramm schweren Karton aus Nigeria stellten jetzt Zöllner am Düsseldorfer Flughafen sicher. Der Inhalt: etwa walnussgroße Steine - zum Essen. Was sich für europäische Ohren bizarr anhört, ist in einigen afrikanischen Ländern mittlerweile zu einem Massenphänomen mit drogenähnlichen Zügen geworden. Ärzte warnen vor gesundheitsschädlichen Folgen.

Die angeblich sehr mineralien- und eisenhaltigen Esssteine sind etwa in Kenia häufig zu finden. Schwangere Frauen essen die bröseligen, gut vier Zentimeter großen Brocken, um ihren Minieralienbedarf zu decken. Die recht weichen Steine lassen sich zerkauen oder lutschen. Das Phänomen ist nicht etwa eine uralte Tradition, sondern hat sich erst in den vergangenen zehn bis 15 Jahren verbreitet.

Mary Gitonga beißt in einen harten Lehmklumpen. Sie isst die Erde seit etwa vier Jahren. Foto: Anna Kerber/dpa

Ärzte sehen die neue Mode überaus kritisch: Die Steine können Darmerkrankungen und Unterleibsschmerzen verursachen, auch vor Verletzungen der Magenwand und Bluthochdruck wird gewarnt. Die genaue Zusammensetzung der Steine sei zudem meist gar nicht bekannt.

Nicolas Mutesia verkauft auf dem Toi Market Flip-Flops, Wäscheleinen, Taschen und harte Lehmklumpen zum Essen, die im Mund zerbröseln. Seine Kunden für die Erde sind überwiegend Frauen. Foto: Anna Kerber/dpa

Suchtfaktor: hoch

Der am Flughafen Düsseldorf vom Zoll geöffnete Karton enthielt etwa 15 Kilogramm Esssteine. Da ihre Einfuhr in Deutschland für Privatpersonen verboten ist, wurden sie beschlagnahmt. Foto: Zoll Düsseldorf

Im Internet finden sich denn auch zahlreiche Berichte betroffener Frauen, die von gesundheitlichen Problemen durch den Verzehr berichten. Zugleich erzeugten die als „Odowa-Steine“ gehandelten Brocken bei etlichen Frauen auch eine Art Abhängigkeit - die Rede ist von einer regelrechen Sucht nach ihnen. Das Phänomen hat sogar einen Namen: „Pica“.

In Deutschland fallen die Steine unter das Arzneimittelgesetz und dürfen von Privatpersonen nicht eingeführt werden. Immer wieder beschlagnahmen deutsche Zollbehörden deshalb Sendungen mit Esssteinen, so auch jetzt am Düsseldorfer Flughafen. Empfänger der Sendung war ein Afro-Shop aus NRW, heißt es in einer Pressemitteilung des Zolls.

In dem Laden werden sie nicht ankommen. „Da die genaue Zusammensetzung der Steine sowie die Auswirkungen bei der Einnahme jedoch nicht bekannt sind“, gab die Behörde bekannt, habe der Amtsapotheker der Stadt Düsseldorf „die Sicherstellung der Esssteine im Hinblick auf eine mögliche Gesundheitsgefährdung angeordnet.“

(heck)
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