Einsturz des Kölner Stadtarchivs: Staatsanwalt fordert für drei Angeklagte Bewährungsstrafen

Einsturz des Kölner Stadtarchivs : Staatsanwalt fordert für drei Angeklagte Bewährungsstrafen

Die Staatsanwaltschaft hat im Prozess um den Einsturz des Kölner Stadtarchivs für drei Angeklagte Bewährungsstrafen wegen fahrlässiger Tötung gefordert.

Die zwei Mitarbeiter von Baufirmen und der Bauüberwacher der Kölner Verkehrsbetriebe (KVB) hätten ihre Sorgfaltspflichten beim Bau einer neuen U-Bahn-Haltestelle verletzt, sagte Oberstaatsanwalt Torsten Elschenbroich am Mittwoch vor dem Kölner Landgericht. Bei der vierten Angeklagten - ebenfalls Bauüberwacherin der KVB - plädierte er auf Freispruch, da ihr wichtige Informationen gefehlt hätten.

Nach Überzeugung der Staatsanwaltschaft haben Fehler beim U-Bahn-Bau zu dem Einsturz geführt, bei dem im März 2009 zwei Anwohner ums Leben kamen. Die drei beschuldigten Angeklagten hätten die Bauarbeiten vor dem Archiv nicht wie vorgeschrieben überprüft, dokumentiert und kommuniziert. „Das Unglück hätte verhindert werden können“, sagte Elschenbroich. Für die beiden Bauleiter, die sich überdies der Baugefährdung schuldig gemacht hätten, forderte Elschenbroich jeweils ein Jahr, für den KVB-Überwacher zehn Monate Freiheitsstrafe auf Bewährung.

Laut Anklage waren Arbeiter 2005 beim Aushub der Grube auf einen Gesteinsblock gestoßen, den sie nicht beseitigen konnten. Stattdessen hätten sie um das tiefliegende Hindernis herum gebaggert, so dass in der dort entstehenden Betonwand ein Loch entstand. Durch diese Fehlstelle brachen am Unglückstag plötzlich große Mengen Sand und Kies in die Baugrube ein. „Wie ein dunkler Pilz“ sei das von unten hochgekommen, hatte ein Zeuge es beschrieben. „Dem Archiv wurde im wahrsten Sinne des Wortes der Boden unter den Füßen weggezogen, das Gebäude kippte nach vorne“, sagte Elschenbroich.

Die schrecklichen Folgen: „Zwei junge Männer wurden unter meterhohen Trümmern begraben, zwei Dutzend Menschen sind nur knapp dem Tod entronnen, 36 Anwohner verloren ihre Wohnungen.“ Zudem wurden wertvolle Archivalien zerstört oder beschädigt, der Sachschaden liegt nach Angaben der Stadt Köln bei 1,2 Milliarden Euro.

Der seit Anfang des Jahres laufende Prozess stand unter Zeitdruck, weil die Taten im März 2019 verjähren. Nun wird das Landgericht voraussichtlich im Oktober das Urteil sprechen. Anfangs saß noch ein weiterer Mann auf der Anklagebank. Doch der Polier, der in dem Verfahren als Hauptbeschuldigter galt, ist erkrankt und nicht mehr verhandlungsfähig.

(dpa)
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