Aachen: Staatsanwälte wollen den Straftätern mehr auf die Pelle rücken

Aachen: Staatsanwälte wollen den Straftätern mehr auf die Pelle rücken

Die obersten Ermittler rücken näher an die Tatorte heran - und damit den Straftätern stärker auf die Pelle? So soll es auf jeden Fall werden durch das neue Projekt „Staatsanwalt für den Ort”, das die Aachener Staatsanwaltschaft aus der Taufe gehoben hat.

Die Idee ist dabei ganz simpel: Nicht mehr nach den Anfangsbuchstaben des Nachnamens wird die Zuständigkeit eines Staatsanwalts geregelt, sondern nach dem Wohnort. Dadurch soll der Ermittler einen besseren Blick für lokale Probleme, bestimmte Bezirke und vor allem Gruppen bekommen und gezielter Kontakt aufnehmen können zur Polizei vor Ort oder zu Schulen. So will die Staatsanwaltschaft gezieltere Ermittlungen und schnellere Verfahren erreichen.

„In Köln läuft das schon sehr erfolgreich”, sagt die Leiterin der Aachener Behörde, Elisabeth Auchter-Mainz. Sie betont aber auch, dass man im Vergleich zur Rhein-Metropole bei diesem Projekt noch am Anfang stehe. Soll heißen: Den Staatsanwalt für den Ort gibt es vorerst nur für die Bezirke Heinsberg, Geilenkirchen, Alsdorf und Jülich.

Die Stadt Aachen bleibt zunächst außen vor, weil sie schlicht zu groß ist. „Dort gibt es für die Straftäter eine zu große Durchlässigkeit und Mobilität innerhalb der Stadt”, erklärt Albert Balke, stellvertretender Leiter der Staatsanwaltschaft. Aber man werde prüfen, wie man auch in Großstädten „Staatsanwälte für den Ort” einsetzen könne - möglicherweise an speziellen sozialen Brennpunkten. In jedem Fall solle mit dem neuen Projekt ein starkes Augenmerk auf die Jugendkriminalität gerichtet werden, bekräftigt Auchter-Mainz: „Da können wir noch etwas versuchen, da können wir noch Weichen stellen.”

Geht es nach den Zahlen der Staatsanwaltschaft, dann hat die Jugendkriminalität im vergangenen Jahr in der Region übrigens geringfügig abgenommen. 17.598 neue Fälle gingen bei den zehn damit befassten Staatsanwälten ein, 2008 waren es noch 17.906. Insgesamt landeten fast 120.000 Fälle auf den Schreibtischen von neun Oberstaatsanwältinnen und -anwälten, 49 Staatsanwälten und 15 Amtsanwälten.

71.670 Verfahren richteten sich davon gegen bekannte Täter - knapp sechs Prozent weniger als im Vorjahr. Den deutlichsten Rückgang gab es bei Drogendelikten. Warum, das weiß noch keiner: „Das müssen wir noch prüfen”, heißt es bei der Aachener Staatsanwaltschaft.

Mehr von Aachener Nachrichten