Aachen: Spürhund macht in Aachener JVA bald Jagd auf Drogen

Aachen : Spürhund macht in Aachener JVA bald Jagd auf Drogen

Die Aachener Justizvollzugsanstalt (JVA) als eine der größten Drogentherapieeinrichtungen weit und breit zu bezeichnen, dürfte nicht übertrieben sein. Rund 40 Prozent aller Gefangenen sind abhängig von illegalen Drogen und/oder Alkohol. Das macht umgerechnet etwa 300 von derzeit knapp 740 Häftlingen in der komplett „ausgebuchten“ JVA.

Alleine 68 Insassen sind heroinabhängig und werden mit der Ersatzdroge Methadon „substituiert“. Und das alles ist laut der neuen Anstaltsleiterin Elke Krüger nicht einmal ungewöhnlich viel. Es sind vielmehr Durchschnittswerte — die mithin den Alltag in deutschen Gefängnissen beschreiben.

Mit harter Hand gegen Drogen hinter Gittern: Elke Krüger, Leiterin der JVA Aachen. Foto: Andreas Herrmann

Doch damit möchte sich Elke Krüger in „ihrem“ Aachener Knast nicht abfinden. Sie will mit harter Hand gegen das Drogenproblem vorgehen, ihr Motto ist das altbekannte „Keine Macht den Drogen!“. Krüger betont, alles tun zu wollen, um den Drogenkonsum in der JVA einzudämmen und zu erschweren. Und sie weiß um den Ruf der hart Durchgreifenden, der ihr vorauseilt. „Ich habe diesen Ruf“, sagt sie, „die Gefangenen wissen, worauf sie sich mit mir einlassen.“ Und sie vertrete diese Auffassung im Übrigen, seit sie im Vollzug arbeite, fügt sie hinzu.

„Casting“ für Hundeführer

In Aachen will sie den Kampf gegen Drogen nicht nur ihren zweibeinigen Kollegen — derzeit rund 400 — überlassen. Die menschliche Belegschaft bekommt tierische Unterstützung. In Kürze soll in der Soers ein Drogenspürhund seinen Dienst aufnehmen. Aachen folgt damit dem Beispiel anderer NRW-Haftanstalten wie Köln-Ossendorf. Dort gibt es bereits seit Jahren einen besonderen „Schnüffler“ — und das mit Erfolg. Elke Krüger, die zuvor die JVA Düsseldorf leitete, wird nun in Aachen als eine ihrer ersten Amtshandlungen auch einen Spürhund einstellen.

Dazu hat es bereits ein „Casting“ gegeben, wie es die 56-Jährige bezeichnet. Nicht etwa mit Vierbeinern, sondern mit jenen, die als „Herrchen“ oder „Frauchen“ den Dienst mit dem Hund verantworten sollen. Dazu gab es eine interne Ausschreibung. Die Kandidaten müssen einige Voraussetzungen erfüllen.

„Anfänger“ kommen nicht infrage, vielmehr muss man sich mit Kontrollaufgaben schon gut auskennen. Und man muss sich damit anfreunden können, dass der Hund in einem Zwinger leben wird, denn das tut er auch während seiner Ausbildung. „Auch die ganze Familie muss dahinterstehen, denn der Hund wird im Zuhause des Hundeführers leben“, sagt Krüger. Nicht zuletzt muss man Spaß daran haben, viel Zeit im Auto zu verbringen. Denn der Drogenspürhund wird nicht nur in Aachen eingesetzt, sondern bei Bedarf landesweit.

Aus dem internen „Casting“ ist ein „Sieger“ hervorgegangen. Wer das ist, möchte die JVA-Leiterin noch nicht sagen, denn die Personalie muss noch mit dem Personalrat abgestimmt werden. Wenn das erledigt ist, wird es ein ebensolches „Casting“ für den passenden Vierbeiner geben. Hundeführer und Hund werden dann bei den Experten in Köln ausgebildet.

Was Drogen und Gefängnisse angeht, dürfe man sich indes keinen Illusionen hingeben: „Keine Anstalt ist drogenfrei“, sagt die JVA-Chefin. Wobei die ganze Palette illegaler Drogen in die Gefängnisse geschmuggelt wird. Ab und an werde bei den Zellenkontrollen auch ein „Aufgesetzter“ gefunden, erzählt Krüger: „Das tut den Gefangenen dann weh, wenn der vor ihren Augen entsorgt wird.“

Auch mit dem Einsatz eines Drogenspürhundes wird der Drogenkonsum hinter Gittern wohl nicht völlig unterbunden, doch ist Krüger davon überzeugt, dass „wir so das Einbringen von Drogen reduzieren können“. Wobei der Hund grundsätzlich bei den Kontrollen nicht an Menschen herangelassen wird, sondern nur Gegenstände unter die Nase nehmen soll.

Und das können auch Taschen von JVA-Beamten sein — allerdings nicht routinemäßig, sondern nur, wenn es konkrete Hinweise gibt. Dass sie Drogen einschmuggeln, ist zwar selten, aber schon vorgekommen. Ebenso wie bei Rechtsanwälten. Ansonsten kommen alle infrage, die in der JVA ein- und ausgehen (dürfen).

Dass ihr das Thema Drogen „so am Herzen liegt“, wie Elke Krüger sagt, hat viele Gründe. Da geht es um Sicherheitsfragen und den Gesundheitsschutz, aber auch um den Behandlungsaspekt und die Resozialisierung von Gefangenen — und nicht zuletzt um die Frage, was sich der Staat das alles kosten lässt. In der Aachener JVA beispielsweise wird viel Fachpersonal beschäftigt, um mit den rund 300 Suchtabhängigen umzugehen. Und nur wer „clean“ ist, habe realistische Chancen, etwa über Ausgänge gut auf die Zeit nach der Haft vorbereitet zu werden. Da Krüger weiß, dass für all dies „ein unglaublicher Aufwand“ nötig ist, lautet ihr Auftrag: „Es muss alles unternommen werden, um das Einbringen zu unterbinden und Drogen aufzuspüren.“

Viel zu tun für die vierbeinige Spürnase. Und vielleicht kriegt sie sogar noch Verstärkung. Elke Krüger denkt schon an einen weiteren Schnüffler, der ein anderes Problem hinter Gittern anpacken könnte — einen Hund, der Handys aufspürt. Auch das gibt es schon.

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