Spritmangel an Tankstellen: ADAC hat Verdacht

Spritknappheit: Wenig Hoffnung und ein Verdacht beim ADAC

Gibt es Hoffnung auf ein schnelles Ende der Spritknappheit ? „Die kann nur ein Meteorologe verbreiten“, vermutet Christopher Köster, der Sprecher des ADAC Nordrhein.

Zu normalen Zeiten kann der Automobilverband durchaus Prognosen abgeben. Aber das sind gerade besondere Zeiten, sagt Köster.

Die Pegelstände des Rheins, der wichtigsten Transportader für den Kraftstoff, sind so niedrig, dass die Containerschiffe nicht mehr vollbeladen unterwegs sein können.

Die Engpässe lassen sich nicht mit dem Transport über die Autobahn kompensieren. Der Reformationstag und Allerheiligen in der vergangenen Woche hätten die Situation zusätzlich erschwert, weil an Feiertagen auch der Tanklaster nicht rollen darf.Weil es besondere Zeiten sind, hat auch die Bundesregierung vor zwei Wochen Teile der staatlichen Erdölreserve freigegeben. Eine Ausnahme. Das erste Mal geschah das 1991 ausgelöst durch die Irak-Kuwait-Krise, 2005 nach dem Hurrikan Katrina in Texas und 2011 nach der Libyenkrise.

Bestände wurden noch nie genutzt

Noch nie wurden die Bestände genutzt, um logistische regionale Versorgungsprobleme in einzelnen Regionen zu überbrücken. Jetzt aber dürfen die Bundesländer Hessen, Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg die 70.000 Tonnen Benzin, 150.000 Tonnen Diesel und 56.000 Tonnen Kerosin anzapfen, ebenso die Regierungsbezirke Köln und Unterfranken.

Die Bestände werden den Mitgliedsunternehmen des Erdölbevorratungsverbandes (EBV), einer öffentlich-rechtlichen Körperschaft mit Sitz in Hamburg, zu Marktpreisen angedient. Die Mitglieder - Unternehmen der Mineralölwirtschaft - entscheiden selbst, ob sie die Mengen abnehmen wollen oder nicht.

Der EBV war in den Zeiten der Ölkrisen in den 70er Jahren eingerichtet worden, um eine mögliche Unterbrechung der Ölversorgung abzufedern. Er hält Rohöl und Ölprodukte vor, die ausreichend sind, um Deutschland 90 Tage lang zu versorgen, insgesamt rund 24 Millionen Tonnen.

Langfristig, so vermutet es der ADAC-Mann Köster werde keine Tankstelle aufgrund der Engpässe die Zapfhähne hochstellen müssen, auch wenn sich gerade die Anlieferzeiten verlängern.

Freie Tankstellen leiden besonders

Freie Tankstellen ohne fest Lieferverträge leiden derzeit noch stärker unter der Verteilungsflaute. Die Folge der „Ölkrise“ könnte aber auch sein, dass Autofahrer bevorzugt Tankstellen in den Niederlanden oder Belgien ansteuern, die bislang keinen Mangel beklagen.

Köster hat zu dem Thema noch ein paar Fragen, für die sein Verband Antworten sucht. Warum ist der Preis für den Liter Diesel in Relation zum Preis für den Liter Super stärker gestiegen? Warum fallen die Preise nicht, obwohl an der Ölbörse der Preis von 85 (Anfang Oktober) auf 73 Dollar je Barrel (Anfang November) gefallen ist? Dem ADAC-Sprecher beschleicht durchaus der Verdacht, dass die Mineralkonzerne die Gunst der Stunde nutzen, um zusätzlich an der Preisschraube zu drehen.

Yaghoub Mirmahtab ist Vorstandsmitglied der Aachener Droschkenvereinigung. Klagen seiner Kollegen hat er noch nicht vernommen, noch ist niemand mit leerem Tank stehengeblieben. Aber diese Preissteigerung im letzten Monat sei schon extrem ärgerlich, sagt Mirmahtab noch, „weil wir diese natürlich nicht weitergeben können“.

Wenn der ADAC keine guten Nachrichten für sein Klientel verbreiten kann, dann vielleicht eine Behörde. Axel Schnoor sitzt beim zuständigen Wetterdienst im Essen. Die Meteorologen können durchaus prognostizieren anhand des Sturmaufkommens, wie sich zum Beispiel Holzpreise entwickeln. Jetzt ist ein neues Thema auf die Agenda gekommen: Pegelstände und ihr Einfluss auf die Spritzufuhr. Schnoor sagt, dass er das Problem im Laufe des hitzigen Sommers habe allmählich kommen sehen. Allzu viel Hoffnung auf eine Entspannung kann auch der Wetterfreund nicht machen. Die Pegel werden steigen, schon in den nächsten Tagen, sagt er voraus, „aber inwiefern das wirklich signifikant wird, bleibt wirklich abzuwarten“. Das klingt eher nach Tropfen auf dem heißen Stein.

Der ADAC rät deswegen den Autofahrern, das Tankvolumen „nicht bis zum letzten Tropfen auszureizen“ und trotz blutdrucksteigernder Preise „rechtzeitig“ zu tanken.

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