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Pilotprojekt im Ruhrgebiet: Sprach- und Kulturmittler für die Justiz

Pilotprojekt im Ruhrgebiet : Sprach- und Kulturmittler für die Justiz

Das Motiv für eine Straftat kann auch im kulturellen Hintergrund des Täters liegen. Um das besser zu verstehen, sollen künftig Sprach- und Kulturmittler die Justiz in NRW unterstützen. Im September soll ein Pilotprojekt im Ruhrgebiet starten.

Die Justiz in NRW sucht für ein Pilotprojekt im Ruhrgebiet sogenannte Sprach- und Kulturmittler. Sie sollen den Mitarbeitern bei „interkulturellen und religiösen Fragen“ zur Seite stehen, erklärte das Justizministerium. Konkret gehe es unter anderem um Ermittlungsverfahren und Gerichtsprozesse, bei denen bislang nur Sachverständige und Dolmetscher angeheuert werden. „Für das häufig verfahrenswesentliche Verständnis der kulturellen Hintergründe fehlt es jedoch an geeigneten Expertinnen und Experten, die hinzugezogen werden könnten“, so das Ministerium.

Derzeit wird ein Partner gesucht, der bereits mit Sprach- und Kulturmittlern arbeitet - die dann für die besonderen Belange der Justiz ausgebildet werden könnten. Das Ministerium fordert in seiner Ausschreibung eine „passgenaue“ Vermittlung aus einem Pool von Experten, der 50 Sprachen bedient - darunter eher unbekannte wie Krio, Paschto oder Urdu.

Die Mittler sollen zunächst allen Justizangehörigen im gesamten Ruhrgebiet zur Verfügung stehen. Später gegebenenfalls NRW-weit. „Die Justizbeschäftigten werden im Einzelfall die Möglichkeit haben, deren Expertise einzuholen, um so auch die kulturelle Dimension eines Sachverhalts fachlich fundiert einbeziehen zu können“, teilte das Justizministerium auf Anfrage mit.

Das Pilotprojekt soll von September an bis Ende 2022 laufen. Es entstand im Zuge der Ruhrkonferenz, die unter anderem bereits ein behördenübergreifendes Zentrum zur Bekämpfung der Clankriminalität hervorgebracht hat.

(dpa)