Aachen: Spielzeugexperten begutachten kostenlos alte Schätzchen im Couven-Museum

Aachen : Spielzeugexperten begutachten kostenlos alte Schätzchen im Couven-Museum

Die typischen Gebrauchsspuren bei einem einst heiß geliebten Teddy? „Meist ist ein Arm ein bisschen ausgeleiert und das Fell an der Nase vom Kuscheln abgeschabt“, sagt Birgit Poestgens und lacht. „Ein Kind, das an seinem Teddy hängt, zieht ihn dauernd hinter sich her!“ Sie und ihr Mann Horst haben weitreichende Erfahrung im Umgang mit antikem Spielzeug — das ist schließlich ihr Spezialgebiet.

Seit 1994 leiten sie das 1986 von Horst Poestgens‘ Mutter gegründete Auktionshaus in Übach-Palenberg, bei dem Sammler und Spielzeugliebhaber aus aller Welt verfolgen, was sich in der großen kleinen Welt zwischen Märklin-Eisenbahn und Miniatur-Küche so tut.

Im Rahmen der aktuellen Ausstellung des Aachener Couven-Museums „Holzpferd, Puppe, Zinnsoldat — Historisches Spielzeug aus fünf Jahrhunderten“ (bis 9. September) bietet das Inhaberpaar eine kostenlose Begutachtung von Spielzeug aller Art am Sonntag, 26. August, an. Von 11 bis 13 Uhr steht das alte Spielzeug im Vordergrund, zuvor kann man ab 11.15 Uhr an einem Rundgang durch die Ausstellung teilnehmen, ab 14 Uhr gibt es zusätzlich eine Familienführung und um 15 Uhr berichten Barbara und Dirk Henn von der Faszination „Gesellschaftsspiel“ — der man dann bis 17 Uhr im Festsaal auch hingeben darf.

„Publikumstage genießen wir, obwohl das anstrengend werden kann. Das Interesse der Menschen an Spielzeug ist ungebrochen“, meint Birgit Poestgens, die als imponierenden Botschafter einen der ersten Steiff-Teddys im Arm hält — ein stattlicher Bursche mit „Ausweis“ — der Knopf im Ohr war 1905 noch winzig. Bei Puppen, Teddys, Autos und all den anderen Objekten, die zur Spielzeugwelt gehören, erlebt man im Auktionshaus häufig Überraschungen. „Im Moment haben wir den Eindruck, dass zahlreiche Sammlungen aufgelöst werden, weil die Besitzer inzwischen sehr alt sind und niemanden haben, dem sie es vererben können“, vermutet Birgit Poestgens.

„Es werden kostbare Blechspielzeuge, Steiff-Tiere und Käthe-Kruse-Puppe angeboten, die bisher kaum noch zu finden waren.“ Was sie vor Versteigerungen stets rührt, ist der Wunsch der Besitze, ihr Teddy, ihre Puppe mögen „in gute Hände kommen“ und „ein schönes neues Zuhause“ finden. „Das Sammeln von Spielzeug ist mit vielen Gefühlen und Erinnerungen an die Kindheit verbunden“, weiß Horst Poestgens, dem Sammler immer wieder bewegende Geschichten und persönliche Erinnerungen zu Objekten erzählen.

Zierliche Biedermeierpuppen

Vielfach sind die Stücke Entdeckungen — etwa ein Blechschiff der Firma Märklin, bei der man meist an Eisenbahnen denkt, die aber auch viele Puppenstuben ausgestattet hat — und Schiffe baute. Das Spielzeug haben die Kinder deutscher Auswanderer einst von Bremen nach London mitgenommen.

Im Trend sind zurzeit zierliche Biedermeierpuppen mit fein gestalteten Köpfchen sowie die seltenen Exemplare einer Künstlerpuppenbewegung, die das Puppen-Machen ernst und gar nicht „spielerisch“ auffasste. Entwürfe stammen von Marion Kaulitz, Käthe Kruse, Dora Petzold oder Paul Klee. „Da gibt es Raritäten, die in privaten Haushalten schlummern, oft wahre Schätze“, weiß Birgit Poestgens. „Vielleicht können wir ja in Aachen Besitzern eine Auskunft geben, die sie gar nicht erwarten.“ Das haben sie schon erlebt — etwa bei einem Teddy, der viel zu schwer für seine Statur war. An die Stelle der brummenden Bärenstimme im Brustkorb hatte man Silbermünzen versteckt, ein kleiner Schatz aus der Kaiserzeit.

Elegante Modepuppen mit üppig samtiger Garderobe, Teepüppchen, die zur Hälfte einen Körper und im Unterteil die wärmende Kaffeehaube tragen, Nymphenburger oder Meißner Porzellan oder Königlich Porzellan-Manufaktur (KPM) — all das liegt gar nicht so selten versteckt in Spielzeugkisten. „Für uns haben Puppen oder Tiere den meisten Charme, wenn sie deutliche Spielspuren zeigen“, versichert Birgit Poestgens. Ob Puppenküche oder -stube — es wird schnell klar, ob Kinderhände am Werk waren. Zugleich warnen die Experten Sammler vor Reparatur-Versuchen: „Ausbessern oder Überlackieren mindert den Wert.“

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