Schulqualität in der Region: Sorge um guten Unterricht in NRW

Schulqualität in der Region : Sorge um guten Unterricht in NRW

Die fünf Regierungspräsidenten in NRW sorgen sich um die Qualität an den Schulen. In einem internen Brandbrief fordern sie Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP) auf, die seit fast 14 Jahren geltenden regelmäßigen Kontrollen zur Qualität des Unterrichts beizubehalten.

Es gebe Hinweise, dass das Ministerium eine Aussetzung der sogenannten Qualitätsanalyse plane, heißt es in dem Brief, der unserer Redaktion vorliegt. Gerade angesichts der jüngsten Pisa-Ergebnisse könne es nicht im Interesse des Schulministeriums liegen, jene schulaufsichtlichen Arbeiten einzustellen, die Grundlage für mehr Qualität des Unterrichts seien.

Beim Schulministerium hieß es dazu auf Anfrage: „Mit dem wichtigen Ziel der Sicherung und Weiter­entwicklung von Qualität in Schule und Unterricht und der hierzu im Einsatz kommenden Instrumente sind wir regelmäßig auch mit den Bezirksregierungen im Austausch, allerdings ohne jeden Streit.“

Die Qualitätsanalyse dient dazu, Schulen in ihrer Schul- und Unterrichtsentwicklung zu unterstützen. Sie soll Erkenntnisse darüber liefern, wie Lehrer an einer Schule unterrichten, wie das Miteinander an einer Schule funktioniert und wie die Schulleitung eine Schule führt und weiterentwickelt. Während der Hauptphase der Qualitätsanalyse sind Schulbesuche mit Unterrichtsbeobachtungen und Interviews vorgesehen, die später ausgewertet und zurückgemeldet werden.

Bei der jüngsten Pisa-Studie hatten Schüler aus NRW erneut unterdurchschnittlich abgeschnitten, noch hinter Polen und Ungarn. Die Studie testet die Kompetenzen von Zehntklässlern. Gerade das Leseverständnis lässt immer mehr nach. In dem Schreiben der Regierungspräsidenten vom 10. Dezember heißt es daher: „Die Ergebnisse der Pisa-Studie mahnen uns, vor allem im Blick auf den großen Anteil von Schülerinnen und Schülern, die nur Basiskompetenzen erreichen, (...) unsere Anstrengungen zur Verbesserung des Unterrichts und seiner Wirksamkeit für den Kompetenzerwerb aller unserer Schülerinnen und Schüler zu intensivieren.“

Erst vor kurzem reformiert

Die mögliche Aussetzung der Qualitätsanalyse erscheint den Regierungspräsidenten dabei umso unverständlicher, als das Verfahren erst vor kurzem reformiert wurde. „Die erst 2017/18 neu ausgerichtete Qualitätsanalyse, die auch das Ziel verfolgt, die Schulen bei ihren selbst gewählten Entwicklungsvorhaben zu unterstützen, kommt erst nach und nach bei den Schulen an und entfaltet erste Wirkungen“, heißt es in dem Brief weiter.

Der Brief schließt mit einem eindringlichen Appell: „Um eine Neuorientierung der Qualitätsanalyse umzusetzen, muss man die Qualitätsanalyse nicht abschaffen oder aussetzen. “ Denn der Erfolg eines erneuten Anschubs der Qualitätsanalyse sei nach einer möglichen Pause höchst unwahrscheinlich: „Vielmehr fürchten wir, dass ein Aussetzen der Qualitätsanalyse den Einstieg in den Ausstieg bedeuten könnte.“ Zugleich bieten die Chefs der Bezirksregierungen der Schulministerin an, in einen konstruktiven Dialog zu treten.

Auch bei der Opposition im Landtag regt sich Unmut über eine mögliche Pause der Qualitätsanalyse: „Ein Aussetzen der Qualitätsanalyse an Schulen in NRW würde jedoch nicht nur den Prozess der Unterrichts- und Schulentwicklung, sondern die Qualitätsanalyse überhaupt gefährden“, meint die schulpolitische Sprecherin der Grünen, Sigrid Beer.

Anders als die Schulaufsicht haltenLehrerverbände die regelmäßigen externen Unterrichtskontrollen in NRW in der jetzigen Form für verzichtbar. Der Philologenverband zeigte sich am Montag irritiert über den internen Brandbrief der fünf nordrhein-westfälischen Regierungspräsidenten an Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP). Zwar sei die in dem Brief zum Ausdruck kommende Sorge um die Qualität der Schulen in NRW berechtigt. Die Qualitätsanalyse in ihrer bisherigen Form trage aber nicht entscheidend zur Verbesserung bei.

Dies zeige sich schon daran, dass es dem Instrument in den fast 14 Jahren seines Bestehens eben nicht gelungen sei, zu einer Verbesserung der Pisa-Ergebnisse beizutragen. Auch Maike Finnern, Landesvorsitzende der Lehrergewerkschaft GEW, forderte die Aussetzung der Qualitätsanalyse in ihrer jetzigen Form. Solange der Lehrermangel nicht behoben sei, gehe von der Qualitätsanalyse eine zu große Belastung aus.