Sommer 2019 ist unter den Top 5 seit Beginn der Wetteraufzeichnungen

Unter den Top 5 seit 1963 : Ein fast schon verrückter Topsommer

Statistisch reiht sich der Sommer 2019, der am 31. August zu Ende geht, schon jetzt hinter die Rekordsommern 1976, 2003 und 2018 ein. Doch irgendwie hat es sich anders angefühlt. Ein Meteorologe erklärt, was nicht normal war.

Für die Meteorologen gehört dieser Sommer, der am 31. August zu Ende geht, zu den Top 5 seit Beginn der Wetteraufzeichnungen 1963. Genauer gesagt ist er schon jetzt auf Platz 4, wenn es nach der Durchschnittstemperatur für Juni, Juli und den bisherigen August geht: 19,2 Grad beträgt sie aktuell laut der regional aussagekräftigsten Messstation in Heinsberg-Schleiden. „Und die nächsten Tage werden die Statistik noch kräftig aufhübschen“, sagt Thomas Kesseler-Lauterkorn vom regionalen Klimabüro des Deutschen Wetterdienstes (DWD) in Essen.

Bis zu 30 Grad werden bis Sonntag erwartet. Schönstes Spätsommerwetter. Erst ab Montag gehen die Temperaturen langsam zurück. Am Ende könnte der Temperaturschnitt des Sommers bei 19,4 landen und damit beim Wert des Topsommers 2003, der immer in einem Atemzug mit – den noch heißeren Sommern – 1976 und 2018 genannt wird. 19,4 Grad! Der Wert liegt 1,8 Grad über dem langjährigen Mittel.

Ungewöhnliche Temperaturkurve

Aber irgendwie hat sich der Sommer – gerade in der ersten Augusthälfte – nicht so angefühlt, als befänden wir uns auf Rekordkurs. Das liegt laut DWD daran, dass die Verteilung der höchsten Temperaturen und Sommertage mit mehr als 25 Grad auf die drei Sommermonate eine seltene Kurve aufweist: „Im Durchschnitt waren Juni, Juli und August sehr ausgeglichen mit einer leichten Abwärtstendenz“, sagt der Meteorologe. Und so ist der Juni, „der meist der kühlste Monat ist“, mit einer Durchschnittstemperatur von 19,5 Grad der heißeste der drei Sommermonate gewesen. Im Juli haben die Tage mit bis zu 40 Grad das Gesamtmittel auf 19,4 Grad nach oben gezogen und der August erreicht bislang nur deutlich kühlere 18,7 Grad, wird aber laut Kesseler-Winterkorn mit den nun folgenden heißen Tagen dann doch bei etwa 19,2 Grad enden. Sommertage gab es bislang schon 38. Das sind acht mehr als im langjährigen Mittel – „und es kommen ja noch vier oder fünf dazu“, sagt der Meteorologe.

Der Rheinländer erwartet bei einem gewöhnlichen Sommer einen kühleren Juni. Der Temperaturausreißer nach unten kann auch mal der August sein – aber dann sicher nicht in den ersten Tagen des Monats. Verkehrte Welt. So fühlt sich kein Topsommer an.

Meteorologen selbst überrascht

Und Meteorologen sind auch nur Menschen. Die Essener DWD-Mitarbeiter haben nach der Anfrage unserer Zeitung offenbar ebenso erstaunt auf das Ergebnis ihrer Analyse geschaut. In ihrem Fazit jedenfalls schwingt die Überraschung und der leichte Zweifel deutlich mit: „Man kann es drehen und wenden wie man will: Der Sommer 2019 reiht sich bei Temperatur, Sonnenscheindauer und der Zahl der Sommertage schon in die Reihe der ganz großen Sommer ein“, sagt Kesseler-Lauterkorn.

Auch bei der Trockenheit widerlegen die Zahlen unser Gefühl des über Wochen trockenen Sommers: 170 Millimeter Niederschlag sind laut DWD im Juni, Juli und August bislang gefallen, der Schnitt läge bei 200 Millimetern. Zum Vergleich: 2018 waren es 80 Millimeter. „Am Ende war es 2019 also nur etwas zu trocken“, sagt der Meteorologe. Aber die Natur hätte einen niederschlagsreichen Sommer gebrauchen können.

Kesseler-Lauterkorn zieht auf Anfrage unserer Zeitung die Sommerbilanz für unsere Region anhand der Daten der DWD-Station in Heinsberg-Schleiden, weil sie seit 1963 an dieser Stelle existiert und für unsere Region – außer den Eifelhöhen – typische Werte liefert. Die Heinsberger und die Aachener DWD-Station etwa haben laut DWD-Meteorologe immer fast identische Werte geliefert – bis 2011. Seitdem steht die Aachener Station erhöht auf freiem Feld in Orsbach außerhalb der Stadt.

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