Kelmis: Segway-Polo: Schweißtreibend auch ohne viel Beinarbeit

Kelmis : Segway-Polo: Schweißtreibend auch ohne viel Beinarbeit

Sport ist bekanntlich meist mit Beinarbeit verbunden, beim klassischen Polospiel übernehmen das meiste davon die Pferde. Carmen Ahlers hingegen hält die Füße still und ist trotzdem schweißgebadet. „Segway-Polo ist ziemlich anstrengend“, sagt sie.

Man käme nicht unbedingt darauf, wenn man die Elektroroller in ihrer quasi natürlichen Umgebung sieht: in vielen größeren Städten sind Touristen damit unterwegs von Sehenswürdigkeit zu Sehenswürdigkeit, erschöpfend sieht dieses Flanieren auf Rädern nicht aus.

Eher wirkt es physikalisch unlogisch, dass Menschen auf kleinen Plattformen mit je einem Rad rechts und links stehen, ohne nach vorne oder hinten umzukippen. „Es braucht etwas Vertrauen in die Technik“, weiß Dirk Jansen, der Segway-Touren in Aachen, Maastricht, Lüttich und anderswo organisiert. Seine Kunden kämen nach einer rund halbstündigen Einweisung „ganz gut zurecht“.

Das würde aber wohl nicht reichen für die Veranstaltung, die Jansen jetzt im belgischen Grenzort Kelmis organisiert hat. Bei der Europameisterschaft im Segway-Polo flitzen die Spieler noch ganz anders über den Kunstrasen des Prinz-Philippe-Stadions: Schnelle Stopps aus voller Fahrt oder Drehungen fast auf der Stelle müssen sie gleichsam im Schlaf beherrschen, damit sie sich auf das sportliche Kerngeschäft konzentrieren können: das kleine Runde in das Eckige zu bugsieren.

Dabei wirbeln die Schläger, die sie hier „Mallets“ nennen, und im Eifer des Gefechts kommen sich die Elektroroller gefährlich nahe. Manchmal zu nahe, weshalb die Helme mehr sind als stylisher Kopfputz. „Die Segways sind 20 Stundenkilometer schnell“, erklärt Jansen, wer nach einer Kollision zu Boden geht, sollte geschützt sein. „Stürze können wehtun.“

Ständig in Bewegung

Größere Verletzungen gebe es aber kaum, erzählt Carmen Ahlers, die gerade das Trikot ihrer „Hemer Butterflies“ ordentlich durchgeschwitzt hat. Der ganze Oberkörper sei ständig in Bewegung, um bei den schnellen Richtungsänderungen die Balance zu halten, erklärt sie.

Atlethische Vorarbeit ist dennoch nicht nötig, als „Sport of Equals“ preist Turnierorganisator Jansen das Segway-Polo. „Kleine und Große, Dicke und Dünne“ spielten hier zusammen. Der kleine Unterschied zwischen Männern und Frauen spielt auch keine Rolle, und die Segways sind ohnehin baugleich. Nur der Torwart ist auf breiteren Reifen unterwegs als die vier Feldspieler.

Teurer als Kicken auf dem Bolzplatz ist das Hobby allerdings. Etwa 8000 Euro koste ein neuer Segway, sagt Jansen. Carmen Ahlers hat ihr Sportgerät für rund 3000 Euro gebraucht gekauft, ab und an müsse etwas beigeflickt werden, erklärt sie, „aber Hauptsache, der Akku hält, der ist das Teuerste“.

Reisekosten fallen natürlich auch an, wenn die Szene sich bei Turnieren trifft. Seit Segway-Polo vor etwa zehn Jahren als Mannschaftssport populär geworden sei, habe es Meisterschaften etwa in Washington und Stockholm gegeben, erzählt Jansen, aber auch im Sauerland. Von 47 Teams weltweit kämen 25 aus Deutschland.

Die Wettkämpfe hätten den Charakter von Familientreffen, erzählt Carmen Ahlers. Nach dem Abpfiff werde gemeinsam gefeiert. „Es herrscht viel Respekt, das ist ein Gentleman-Sport.“

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