Außeneinsatz an der ISS: Schwierige Reparatur mit RWTH-Material im Weltall

Außeneinsatz an der ISS : Schwierige Reparatur mit RWTH-Material im Weltall

Astronauten haben an der internationalen Raumstation ISS mit einem nicht ganz einfachen Außeneinsatz begonnen. Ein Gerät, welches zum Teil an der RWTH Aachen entwickelt wurde, muss repariert werden. Das Werkzeug kommt zum Teil aus Alsdorf.

Astronauten haben an der internationalen Raumstation ISS mit einem nicht ganz einfachen Außeneinsatz begonnen. Am Freitag brachen der italienische Raumfahrer Luca Parmitano und sein Partner bei der Mission, der US-Amerikaner Andrew Morgan, zu einem Weltraumspaziergang auf, um das Magnetspektrometer AMS an der ISS zu reparieren. Das Gerät benötigt ein neues Kühlsystem, das in den vergangenen vier Jahren von einer internationalen Gruppe von Wissenschaftlern am I. Physikalischen Institut der RWTH entwickelt und gebaut wurde. Maßgeblich beteiligt waren zudem Ingenieure der Nasa und Wissenschaftler vom Massachusetts Institute of Technology.

Die europäischen Weltraumorganisation ESA spricht von den anspruchsvollsten Weltraumspaziergängen seit der Reparatur des Weltraumteleskops Hubble. „Man kann es mit einer Operation am offenen Herzen vergleichen“, sagte der deutsche Projektleiter von der RWTH Aachen, Stefan Schael. Die Kühlleitungen, an die die Astronauten ranmüssten, seien gerade mal vier Millimeter dick. „AMS ist von der Elektronik her komplexer als die ganze restliche Raumstation zusammen“, sagte Schael, der am Freitag den Einsatz im Europäischen Astronautenzentrum in Köln verfolgte. Acht der vier Millimeter dünnen Verbindungsleitungen müssen in dem AMS-Detektor freigelegt und durchtrennt werden, ohne dabei andere empfindliche Komponenten in unmittelbarer Nachbarschaft zu beschädigen.

Im Gegensatz zu Hubble war das Magnetspektrometer AMS nie dafür gedacht, dass Astronauten mit Handschuhen in ihm herumwerkeln. Im Grunde handelt es sich um eine Art wohnwagengroße Kamera, die Teilchen der kosmischen Strahlung fotografiert. Mit den Aufnahmen will man herausfinden, was an Orten in der Milchstraße vorgeht, die man nicht erreichen kann.

Das Spezialwerkzeug für den Austausch der Kühlleitungen wurde beim Alsdorfer Präzisionsteilehersteller Haku im Auftrag der Nasa gefertigt. In den USA war dies gescheitert. Ohne die Alsdorfer Produktion wäre die Mission gescheitert. 

Im Mai 2019 hatten die Astronauten, die nun im Weltall agieren, die „AixCAVE“ des IT Centers der Aachener Hochschule besucht, um sich auf diese Mission in einer virtuellen Simulation vorzubereiten und den Außeneinsatz zu trainieren. Auch die Werkzeuge nahmen sie in Alsdorf persönlich in Augenschein. Begleitet worden waren sie von den Astronauten C. Cassidy und J. Hansen, die sie bei den Arbeiten auf der ISS anleiten werden. Am 11. Dezember soll AMS-02 laut RWTH seinen Betrieb auf der ISS wieder aufnehmen.

Inzwischen wird an der RWTH bereits das Nachfolgeprojekt AMS-100 entwickelt. Es soll ab 2030 die Präzisionsmessungen mit 1000-fach höherer Sensitivität leisten.

(red/dpa)