Düsseldorf: Schwerkranker Werner Müller erhält NRW-Orden für sein Lebenswerk

Düsseldorf : Schwerkranker Werner Müller erhält NRW-Orden für sein Lebenswerk

Ein tragisch-berührender Moment für zwei langjährige Weggefährten: Am Dienstag treffen Altkanzler Gerhard Schröder (SPD) und sein früherer Wirtschaftsminister Werner Müller in der Düsseldorfer Staatskanzlei aufeinander. Der 71-jährige Müller wird für sein Lebenswerk ausgezeichnet.

Er macht keinen Hehl daraus, dass seine schwere Krankheit ihm nicht mehr viel Zeit lassen wird. Ihm gegenüber sitzt in der seltsam anmutenden heiter-melancholischen Feierstunde als Überraschungsgast sein 74-jähriger Ex-Chef und langjähriger Freund Schröder - wie gewohnt kraftstrotzend und braun gebrannt mit seiner Liebe So Yeon Kim in bonbonfarbenem Outfit.

Mit viel Würde und Humor, aber auch mit beklemmender Offenheit bedankt sich Müller bei Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) für den Verdienstorden des Landes - eine der höchsten Auszeichnungen Nordrhein-Westfalens, die auf 2500 lebende Ordensträger begrenzt ist. „Ich hoffe, dass ich ihn einige Zeit tragen kann. Auf der anderen Seite weiß ich aber auch, dass ich den Platz in absehbarer Zeit wieder freimachen kann für andere Ordensträger. Das ist leider so. Ich bin etwas heftiger erkrankt”, sagt Müller mit leiser Stimme. „Das nimmt mir nicht den Mut, aber andrerseits bin ich auch realistisch.”

Müllers Lebensleistung könne jeden nur mit Demut erfüllen, hält Laschet in seiner Laudatio fest. „Als Mann des Ausgleichs hat er in über vier Jahrzehnten unschätzbar wertvolle Beiträge vor allem zur Sicherung des Energiestandorts Nordrhein-Westfalen geleistet.” Müllers Idee, die Ewigkeitslasten der Steinkohle über eine Stiftung zu finanzieren und Sorge zu tragen, dass bei den Zechenschließungen „niemand ins Bergfreie gefallen” sei, zählten zu seinen herausragenden Leistungen.

Müller hört sich die lobenden Worte zum Schluss neben Laschet in seiner typischen Haltung an: Mit hinterm Rücken verschränkten Armen beugt sich der hoch aufgeschossene Mann im klassischen dunkelblauen Dreiteiler aufmerksam nach vorne. Den einst dichten silbergrauen Haarschopf hat ihm seine Krankheit genommen, das feinsinnige Lächeln umspielt aber wie eh und je seine Lippen.

Sein erster Dank gilt seiner Frau Marion. „Ohne Rückendeckung zuhause ist so ein Berufsleben, wo man so viel eingespannt ist, kaum möglich”, sagt der scheidende Vorstandsvorsitzende der RAG-Stiftung. Vielleicht seien ihre beiden Kinder so wohlgeraten, weil er so oft weg gewesen sei, scherzt Müller, seiner lächelnden Frau zugewandt. „Jedenfalls ist sie die erste Person, der ich so viel verdanke.”

Dann fällt sein Blick auf Schröder. Ihn habe er schon 1990 als niedersächsischen Ministerpräsidenten kennengelernt. Als Kanzler machte Schröder den Parteilosen später zum Wirtschaftsminister. „Das ist irgendwie ein Verhältnis geworden, das geblieben ist, und dem ich wirklich unendlich viel verdanke”, bilanziert Müller.

Seine ersten Treffen mit Laschet verliefen nüchterner: „Das war in der Raucher-Lounge in Berlin bei der Lufthansa”, erinnert sich Müller. Später habe Laschet dafür gesorgt, dass er gegen den Widerstand aus großen Teilen der damals von Jürgen Rüttgers geführten NRW-CDU doch Chef der RAG-Stiftung werden konnte. Schließlich sei er nach seinen vier Jahren im Kabinett Schröder „als Sozi” abgestempelt gewesen, obwohl er nicht einmal Mitglied gewesen sei. „Ich bin auch nie aufgefallen durch radikal-sozialistische Reden.”

Zu den Arbeitnehmern habe der gebürtige Essener aber immer gute Beziehungen gepflegt und sich für das Gemeinwohl vor allem der Bürger im Revier vorbildlich eingesetzt, hebt Laschet hervor. Schröder habe zuvor in kleinem Kreis über Müller gesagt: „Ich kenne kaum eine Persönlichkeit, die so die Wirtschaft verstanden hat und so die Politik verstanden hat und in beiden Ebenen erfolgreich sein kann.”

In den vergangenen Jahren wurde Müller häufig als „der letzte Ruhr-Baron” tituliert. „Das hat sich so eingebürgert”, wehrt er bescheiden ab. „Ich weiß nicht, ob das nur positiv ist.”

(dpa)
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