Gegen Lehrermangel: Schulministerin präsentiert neues Maßnahmenpaket

Gegen Lehrermangel : Schulministerin präsentiert neues Maßnahmenpaket

Mehr Studienplätze, plakative Reklame, Reaktivierung von Pensionären – die Landesregierung zieht viele Register, um neue Lehrer zu gewinnen. Jetzt geht die Schulministerin mit weiteren Maßnahmen an den Start.

Schulen, die erfolglos versucht haben, Lehrerstellen zu besetzen, können künftig mit einem finanziellen Zuschlag locken. Bei Neueinstellungen können ab 2020 für zweieinhalb Jahre monatliche Zuschläge von 350 Euro brutto gezahlt werden. Das ist Teil des dritten Maßnahmenpakets gegen Lehrermangel, das Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP) am Donnerstag in Düsseldorf vorgestellt hat. Bis 2022 sollen dafür insgesamt 17 Millionen Euro zur Verfügung gestellt werden.

LEHRERMANGEL: Der finanzielle Anreiz ist an verschiedene Bedingungen geknüpft: Ohne Fächereinschränkungen gilt er für das Lehramt an Grund-, Haupt-, Real-, Sekundar- und Gesamtschulen (Sekundarstufe I) sowie Berufskollegs und die sonderpädagogische Förderung. Hier fehlen laut Lehrerbedarfsprognose in den nächsten zehn Jahren rund 15.000 Lehrkräfte in NRW.

MANGELFÄCHER: Für das Lehramt an Gymnasien und Gesamtschulen (Sekundarstufe II) ist ein Zuschlag für die Fächer Mathematik, Informatik, Physik und Technik möglich. In anderen Fächern gibt es nach Angaben des Ministeriums für dieses gut dotierte Lehramt allerdings einen Bewerberüberhang von etwa 16.000 Fachkräften. Bei besonderen örtlichen Engpässen können in Einzelfällen aber auch andere Fächer für die Zulage infrage kommen.

VORAUSSETZUNGEN: Der Zuschlag kann an neu eingestellte Lehrkräfte gezahlt werden, wenn die Schulen in den zwölf Monaten zuvor alle Ausschreibungs- und Listenverfahren in der betreffenden Fächer-Kombination erfolglos genutzt haben und es nicht um Versetzungen geht. Das Schulministerium geht davon aus, dadurch dauerhaft 1750 zusätzliche Stellen ins System zu bekommen.

PROFITEURE: „Es werden vor allem auch Schulen des Ruhrgebiets profitieren“, sagte Gebauer. „Viele versuchen dort leider vergeblich, freie Stellen zu besetzen.“ Das gelte ebenfalls für den ländlichen Raum.

GERECHTIGKEIT: Der Lehrerverband Bildung und Erziehung (VBE) befürchtet eine Störung des Schulfriedens in den Kollegien. „Die Lehrkräfte, die teils seit Jahrzehnten in schwierigen Lagen arbeiten, erhalten keine Wertschätzung für ihre Leistung“, kritisierte Landeschef Stefan Behlau. Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) begrüßte dagegen den „neuen Weg, Ungleiches ungleich zu behandeln“.

SCHULFORMWECHSLER: Oberstufenlehrer, die an eine Grundschule gehen, verdienen nach Angaben der Ministerin eingangs mit rund 3346 Euro Bruttomonatsgehalt ebenso viel wie die anderen dort Tarifbeschäftigten. Sobald sie berufsbegleitend das Lehramt für die Grundschule und damit die Voraussetzung zur Verbeamtung erwerben, steigen sie in die Besoldungsgruppe A 12 und damit auf rund 3654 Euro. Dafür sollen jetzt die gesetzlichen Voraussetzungen geschaffen werden. In der mit A 13 besoldeten Oberstufe des Gymnasiums hätten sie allerdings 4265 Euro verdienen können.

Wegen des großen Bewerberüberhangs am Gymnasium hätten sie aber an den Grundschulen bessere Aussichten auf einen Job, erklärte Gebauer. Bislang hätten 391 Lehrkräfte für die Sekundarstufe II das ursprünglich auf zwei Jahre befristete Angebot an einer Grundschule angenommen. Der VBE glaubt nicht, dass viele Oberstufenlehrer länger an einer Grundschule bleiben werden, solange die „Gerechtigkeitslücke“ zwischen A12 und A13 nicht geschlossen werde. Auch die GEW bekräftigte ihre Forderung nach gleicher Eingangsbesoldung für alle Lehrkräfte. Die Landesregierung arbeite an der Besoldungsfrage, versicherte Gebauer.

SEITENEINSTEIGER: Bei Neueinstellungen von Tarifbeschäftigten sollen Seiteneinsteiger mit „geeigneter beruflicher Vorerfahrung“ eine bessere Eingruppierung erhalten können. Derzeit werde geprüft, wie die bereits bestehenden Möglichkeiten für Seiteneinsteiger auf zusätzliche Personengruppen erweitert werden können.

PENSIONÄRE: Die eigentlich bis Ende 2019 befristete Möglichkeit, als Pensionär ohne Abzüge vom Ruhegehalt weiter zu unterrichten, soll durch eine Gesetzesänderung bis 2024 verlängert werden. Zurzeit nutzten rund 800 Pensionäre diesen unbegrenzten Zuverdienst, sagte Gebauer.

STUDIENPLÄTZE: Die Zahl der Bachelor-Studienplätze für die Lehrämter an Grundschulen und für die sonderpädagogische Förderung soll ab dem kommenden Wintersemester um insgesamt 800 zusätzliche Angebote erweitert werden. Seit dem Regierungsantritt 2017 habe die CDU/FDP-Koalition bereits 1450 neue Studienplätze geschaffen, bilanzierte Gebauer. „Bis 2022/23 werden es rund 5000 zusätzlich sein.“

WERBE-KAMPAGNE: Die 2018 begonnene Werbe-Kampagne für den Beruf wird mit Großflächen-Plakaten und vor allem im Internet fortgesetzt. Dafür seien für 2019 und 2020 jeweils eine Million Euro veranschlagt.

BILANZ: Die bisherigen Maßnahmen der schwarz-gelben Regierung hätten schon 1700 Lehrereinstellungen ermöglicht, die sonst nicht zustande gekommen wären, sagte Gebauer. Eine Lösung des Lehrermangels werde aber viel Zeit brauchen. Auch die neue Zulage könne das Problem nicht allein beheben.

(dpa)
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