Düren/Aachen: Schüsse auf Deniz Naki: Politisches Motiv eher unwahrscheinlich

Düren/Aachen : Schüsse auf Deniz Naki: Politisches Motiv eher unwahrscheinlich

Polizei und Staatsanwaltschaft haben nach wie vor keine Hinweise darauf, wer die Schüsse auf das Auto des deutsch-türkischen Fußballprofis Deniz Naki aus Düren abgegeben hat. Am späten Abend des 7. Januars, einem Sonntag, hatte ein Unbekannter aus einem dunklen Kombi heraus zwei Mal auf Nakis Porsche Cayenne geschossen.

Tatort war die A4 auf Höhe der Abfahrt Langerwehe, Fahrtrichtung Köln. Naki blieb unverletzt, von dem Auto des Täters ist weder Fabrikat noch Nummernschild bekannt.

Der Kurde Naki, der zum Zeitpunkt des mutmaßlichen Anschlags beim türkischen Drittligisten Amed SK im Süden der Türkei unter Vertrag stand und dort Kapitän war, hat sich öffentlich wiederholt für kurdische Belange eingesetzt. In einem Gerichtsverfahren vergangenen April war Naki wegen Terrorpropaganda für die verbotene kurdische Arbeiterpartei PKK zu einer Freiheitsstrafe von knapp 19 Monaten zur Bewährung verurteilt worden. Nach dem Urteil hatte Naki erklärt: „Ich gehe davon aus, dass ich noch im Knast landen werde. Ich werde weiter den Mund aufmachen, wenn ich Menschen Not leiden sehe.“

Nach dem mutmaßlichen Anschlag am 7. Januar hatte Deniz Naki gegenüber Journalisten die Vermutung geäußert, die Schüsse auf der A4 seien von einem Agenten des türkischen Geheimdienstes abgefeuert worden. Zwar erklärte die Aachener Staatsanwaltschaft am Montag auf Anfrage, nach wie vor in alle Richtungen zu ermitteln.

Doch nach Informationen unserer Zeitung haben die Ermittler Zweifel daran, dass der türkische Geheimdienst einen Anschlagsversuch in Deutschland unternommen hat. Generell halten die Ermittler ein politisches Motiv für eher unwahrscheinlich, was die Staatsanwaltschaft offiziell allerdings nicht bestätigt. Die Frage, wer aus welchem Grund auf Deniz Nakis Auto schießen könnte, gibt Anlass zu allerlei Spekulationen. Eine belastbare Spur haben die Ermittler bislang aber nicht. Es ist fraglich, ob der Fall geklärt werden kann.

Nakis Rechtsanwalt hatte nach dem Vorfall am 7. Januar erklärt, sein Mandant halte sich an einem geheimen Ort auf und stehe unter Polizeischutz. Weder Polizei noch Staatsanwaltschaft wollten am Montag mitteilen, ob dies nach wie vor der Fall sei. Fest steht nur, dass Deniz Naki zwischenzeitlich von der türkischen Fußballföderation (TFF) lebenslang gesperrt worden ist — für die Türkei. Grund sei dessen „Diskriminierung und ideologische Propaganda“, wie der Verband erklärt hatte.

(gego/pa)
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