Lernstand soll halbjährlich getestet werden: „Schreiben nach Gehör“ an Grundschulen hat bald ein Ende

Lernstand soll halbjährlich getestet werden : „Schreiben nach Gehör“ an Grundschulen hat bald ein Ende

NRW-Schulministerium gibt Handreichung heraus, die das Ende des „Schreibens nach Gehör“ in Grundschulen besiegelt. Lernstand soll künftig jedes halbe Jahr getestet werden.

Die NRW-Landesregierung schafft die Methode „Schreiben nach Gehör“ in Reinform an den Grundschulen ab. Wie aus einem neuen Leitfaden für Lehrer hervorgeht, sollen Schüler künftig auch im ersten Schuljahr schon zum richtigen Schreiben angehalten werden. Im Vorwort des 70-seitigen Papiers des Schulministeriums heißt es: „Dies gilt auch für die erste Klasse, denn schon Schreibanfängerinnen und Schreibanfänger brauchen Hinweise auf normgerechte Schreibungen und Anregungen, dem System unserer Orthografie auf die Spur zu kommen, damit sie nicht denken, dass man ‚schreibt wie man spricht’“.

Mithilfe der Methode „Schreiben nach Gehör“, auch „Lesen durch Schreiben“ genannt, lernen Grundschüler seit den 1980er Jahren lesen und schreiben. Seit einigen Jahren wächst die Kritik daran, weil die Rechtschreib-Kenntnisse Studien zufolge auch bei älteren Schülern zu wünschen übrig lassen. Mit der jetzt veröffentlichten Handreichung für Lehrer, die von Wissenschaftlern der Universitäten Hamburg und Hannover erarbeitet wurde, will NRW-Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP) gegensteuern.

Alle Schulen, auch die weiterführenden, seien gefordert, ein besonderes Augenmerk auf diesen inhaltlichen Bereich des Deutschunterrichts zu legen, schreibt die Ministerin. Auch künftig sollen aber die für „Schreiben nach Gehör“ typischen Anlauttabellen im Unterricht eingesetzt werden. Sie sollen nicht mehr dem Rechtschreiblernen im engeren Sinne dienen, aber noch ein Hilfsmittel sein.

Neu ist die Einführung eines verbindlichen Rechtschreibwortschatzes. Er setzt sich zusammen aus einem vorgegebenen gemeinsamen Grundwortschatz von 533 Wörtern und einem individuellen Wortschatz von 200 bis 300 Wörtern, die sich aus Kindertexten oder Unterrichtsthemen ergeben. Der Lernstand der Schüler soll kontinuierlich bereits ab Mitte der Klasse 1 halbjährlich mithilfe eines Rechtschreibtests, der sogenannten Hamburger Schreibprobe, getestet werden. So sei auch ein Vergleich mit anderen Klassen möglich.

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft begrüßte die Handreichung als gute Anleitung für die Unterrichtspraxis und als einen Beitrag zur Versachlichung der Debatte über die Methode „Schreiben nach Gehör“, die ohnehin nur selten in Reinform angewandt worden sei.

Mehr von Aachener Nachrichten