„Loverboy-Affäre“: Schon zwölf Männer verurteilt, zwei nahmen sich das Leben

„Loverboy-Affäre“ : Schon zwölf Männer verurteilt, zwei nahmen sich das Leben

Erste Urteile in der „Loverboy-Affäre“: Das Gericht in Maastricht hat zehn Männer für Sex mit dem minderjährigen Mädchen zu einem Tag Gefängnis und Sozialstunden verurteilt. Die Urteile stoßen bei Staatsanwaltschaft und der Öffentlichkeit auf Unverständnis.

Nur zwei Angeklagte bekamen eine längere Haftstrafe. Die Angeklagten hätten dem Mädchen psychischen Schaden zugefügt, urteilte das Gericht am Donnerstag. Die Männer hatten angegeben, sie hätten nicht gewusst, dass das Mädchen erst 16 Jahre alt war. Das ließ das Gericht nicht gelten.

Doch da man ihnen nicht vorwerfen konnte, aktiv auf Sex mit einer Minderjährigen aus gewesen zu sein, und keiner von ihnen vorbestraft ist, fielen die Urteile milde aus. Zehn Angeklagte wurden lediglich zu einem Tag Gefängnis und bis zu 240 Sozialstunden verurteilt. Die Staatsanwaltschaft hatte Haftstrafen zwischen fünf Monaten und einem Jahr gefordert. Die Urteile stoßen auf Unverständnis, die Staatanwaltschaft kündigte an, in allen Fällen in Berufung zu gehen.

Die härteste Strafe bekam ein Mitarbeiter einer Jugendschutzeinrichtung, der den 21-jährigen Zuhälter noch aus der Einrichtung kannte. Bei seinem Besuch bei dem 16-jährigen Mädchen sollen die beiden Männer lachend den Raum betreten haben. Das von der Staatsanwaltschaft geforderte Berufsverbot verhängte das Gericht nicht, da die Tat nicht während seiner Arbeitszeit stattgefunden habe. Er wurde zu sechs Monaten Gefängnis verurteilt, davon drei auf Bewährung.

Ein weiterer Jugendsozialarbeiter muss für fünf Monate in Haft, drei davon auf Bewährung. Er soll bezüglich seiner Aktivitäten mit dem Mädchen gelogen haben und sie nicht bezahlt haben, da sie ihn angewiedert habe.

Das minderjährige Mädchen war von ihrem Freund zur Prostitution in einem Hotel im südniederländischen Valkenburg angestiftet worden. Er hatte auf einer Website angegeben, dass sie 18 Jahre alt war. Die Kunden hätten das Alter nicht kontrolliert, urteilte das Gericht. Der Zuhälter war zu zwei Jahren Haft verurteilt worden.

Die Staatsanwaltschaft hatte in dem Fall insgesamt 29 Männer angeklagt. Ein Mann war bereits freigesprochen worden, in der kommenden Woche sollen 13 weitere Urteile fallen. Die restlichen Angeklagten werden erst im Herbst vor Gericht stehen. Zwei Verdächtige hatten sich während der Ermittlungen umgebracht.

(lea/dpa)
Mehr von Aachener Nachrichten