Region: Schloss Benrath: Ein perfekter Ort zum Verweilen

Region : Schloss Benrath: Ein perfekter Ort zum Verweilen

Im Düsseldorfer Süden liegt Schloss Benrath. Es gilt als eines der schönsten Gartenschlösser des 18. Jahrhunderts. In den Seitenflügeln befinden sich das „Museum für europäische Gartenkunst“ und ein Naturkundemuseum.

Die Fontäne sprüht, warm und rosa leuchtet das Schloss. Breite Freitreppen führen auf den „Corps de logis“ — das Haupthaus — zu. Mit Schloss Benrath vor den Toren Düsseldorfs schuf sich Kurfürst Carl Theodor von der Pfalz ein Jagdschloss in südländischer Heiterkeit. Bis heute gilt das um 1773 fertiggestellte Schloss als ein besonderes Beispiel für eine „Maison de plaisance“, ein Lustschloss, das in seiner Gesamtheit mit allen Bauten-, Garten und Wasserbassins noch erhalten ist.

Entschleunigt schon beim Angucken: Zwei Parkbänke in der weitläufigen Gartenanlage des Benrather Schlosses. Foto: Edda Neitz

Wenn Sonnenstrahlen auf die rosa Fassaden fallen, wirkt das Benrather Schlossensemble perfekt für den Moment, um Alltag und Stress zu vergessen. Genau das hatte der Kurfürst auch vor. Er wollte sich als Schöngeist dort mit illustren Gästen vergnügen. Deshalb ließ er das vorhandene, durch Brand und Feuchtigkeit marode gewordene Schloss abreißen und sich von dem lothringischen Architekten Nicolas de Pigage sein persönliches Traumschloss entwerfen.

Guten Geschmack kann man dem Kurfürsten auch heute noch bescheinigen. Schöner hätte die kleine Residenz nicht werden können. Leider bewohnte er aber das Schloss kaum, da ihn die Politik bald nach München führte.

Das Haupthaus liegt in erhöhter Terrassenlage und wird umrahmt von den zwei Kavaliersgebäuden und zwei Torhäusern. Davor liegt der große Schlossweiher. Zwar erscheint das Gebäude von außen wie ein großer Pavillon, doch in Wirklichkeit verbergen sich dahinter vier — mit dem Souterrain sogar fünf — Etagen. Dem Architekten Nicolas de Pigage war es mit Tricks und Finessen gelungen, unter diesem Dach — von außen nicht erkennbar — 80 Räume zu schaffen, die symmetrisch um zwei Innenhöfe angeordnet sind.

Filzpantoffeln sind Pflicht

Auf sieben versteckten Treppenhäusern konnte sich die Dienerschaft unbemerkt zwischen den Räumen bewegen. Dieses geheimnisvolle Innenleben offenbart sich dem Besucher bei der Führung über die „verborgenen Räume“, die einmal im Monat stattfindet (siehe Box: „Blick hinter die Kulissen).

Wer die Beletage besichtigt, muss auf jeden Fall in riesige Filzpantoffeln schlüpfen. Da gibt es kein Pardon. Sogar die Musiker, die mit ihren Hofkonzerten Zuhörer verwöhnen, müssen über ihre schwarzen Slipper die grauen Pantoffeln stülpen, damit Marmor und Parkett auch weiterhin glänzen. Stilvolle Stuckdekoration und formschönen Pilaster schmücken die Räume. Mit den zwei ineinander übergehenden Kuppeln im gleichnamigen Saal hat der Architekt nochmals mit einer technischen Raffinesse überboten. Deckenfresko mit Himmelsboten und Jagdgöttin Diana, eine schmale Empore und eine bekrönte Laterne sind hier die Details.

Doch mit der formvollendeten Architektur der Gebäude war der Anspruch des Kurfürsten und seines Baumeisters noch lange nicht erfüllt. Natur und Architektur sollten zu einer Einheit verschmelzen und Blickachsen im Schloss mit der Symmetrie im Park in Verbindung stehen. Ein komplexes System. Dass Gartenkunst weit mehr als Landschaftsarchitektur ist, erfährt der Besucher im „Museum für europäische Gartenkunst“, das in einem der Kavaliergebäude untergebracht ist.

In 41 kleinen, liebevoll restaurierten Räumen beleuchtet das Benrather Gartenmuseum die Stile der europäischen Gartenkunst, angefangen von der weiträumigen Anlage des römischen Gartens der Villa Hadrian, über die landwirtschaftlichen Nutzgärten der Klosteranlagen im Mittelalter bis zur europäischen Gartenkunst in der Neuzeit.

Der italienische Renaissance-Garten mit seinen kunstvollen Terrassen, der französische Barockgarten, wo Sichtachsen und Perspektiven dominieren und der englische Landschaftsgarten, dessen Gestaltungsprinzip die freie Natur ist, werden mit einer Mischung aus Malereien und Skulpturen, originellen Gartenutensilien, Modellen und Pflanzen anschaulich vorgestellt. In die Boboli-Gärten von Florenz und das Gartenreich von Wörlitz führen Kurzfilme.

Hörstationen erzählen von Gartenfiguren, Zwergen in unterirdischen Reichen und festlichen Jagdfreuden. Exponate wie das Floragemälde von Guillaume Courtois oder Garten-Putten und Blumenuhr aus Meißner Porzellan zeigen, wie sich das Thema „Garten“ in Kunst und Kultur niederschlägt.

Der Garten als Apotheke

In einem weiteren Rundgang sind die Räume nach Themen aufgeteilt, beispielsweise der Garten als Apotheke mit Sinneskästchen oder Linnés Klassifizierung von Pflanzen. Natürlich haben auch Gärten und Parks der Stadt Düsseldorf hier ihren Platz. Ein Beispiel sind die Gartenformen aus der Zeit der Nationalsozialisten.

Dass Gartenstile durch die jeweilige Politik der Zeit beeinflusst wurden, zieht sich wie ein weiterer roter Faden durch die Ausstellung. Ein nettes Highlight ist noch das „Gucki-Modell“. Hier können Besucher ihr Gartenparadies als Dia in einen Modellrahmen einfügen. Sei es der blühende Apfelbaum, die Steinsammlung im Beet oder das Federballnetz über dem Rasen. Jeder kann seine Vorstellung vom Traumgarten für andere sichtbar machen.

Im anderen Kavaliersgebäude befindet sich das Museum für Naturkunde, das die Veränderungen des Rheinlaufs über die Jahrhunderte, Rheinfischerei sowie Fauna und Flora in der Region zum Thema hat.

Inspiriert von der Vielfalt in den Museen bleibt dem Besucher noch das Hauptexponat im Freien, der Benrather Schlosspark. Ein 61 Hektar großer Park im spätbarocken Stil mit vielen Kleinodien. Blumengöttin Flora und Hirtengott Pan, die Könige der Antike Meleager und Atalante, auf Sockeln hinter der Südterrasse stehend, laden zum Spaziergang ein.

Am kanalförmigen Spiegelweiher entlang, durch das stille Hippodrom, zum Jagdpark und immer wieder durch Alleen mit Linden, die anmutig fächerförmig beschnitten sind. Heiterkeit und Eleganz strahlen Schloss und Park noch heute aus. Es braucht nicht viel — nur einen schönen Sommertag.

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