Schlanke Konsolen und neue Zielgruppen

Schlanke Konsolen und neue Zielgruppen

Köln. Der Vorhang war noch nicht geöffnet, da platzte Sony bereits auf die Bühne: Die Playstation 3 (PS3) werde schlanker und billiger, kündigte der japanische Spielekonsolenhersteller am Vorabend der Computerspielemesse Gamescom in Köln an - und stahl damit der wartenden Konkurrenz die Show.

Allerdings nur vorübergehend: Denn zum Fachbesuchertag am Mittwoch zeigte die Branche ihre ganze Vielfalt, die im Weihnachtsgeschäft für Umsatz sorgen soll.

Sonys Schritt war keine Überraschung: Die Verkaufszahlen der PS3 hinken hinter der Xbox 360 von Microsoft und der Wii von Nintendo weit hinterher. Der weltgrößte Spielehersteller Activision Blizzard drohte gar, keine Software mehr für die Multimedia-Zentrale zu entwickeln. Die Gewinnmarge sei bei den Konkurrenten Xbox 360 und Wii einfach besser, sagte Firmenchef Bobby Kotick der Londoner „Times”.

Die neue PS3 mit dem Namen „Slim” kostet mit 300 Euro immer noch rund 60 Euro mehr als die jeweils billigste Variante der Rivalen, bietet dafür aber immerhin eine Festplatte mit satten 120 Gigabyte, die Fans etwa durch Film-Downloads von der in Deutschland ab November verfügbaren Online-Videothek füllen können. Gerade solche Multimedia- Funktionen sollen den Preis rechtfertigen. „Die Playstation ist das Eintrittstor zur Unterhaltung”, formulierte Sony-Manager Andrew House in schönster Marketing-Sprache.

Vom Vergnügen für zwischendurch bis zu Titeln für echte Fans, von tragbaren Konsolen bis zu Rechen-Boliden, von Lernsoftware bis zu Ego-Shootern - bei ihrer Premiere zeigt die Gamescom, dass Computerspiele mittlerweile nicht nur ein Zeittotschläger für junge Männer sind. „Wir wollen neue Zielgruppen gewinnen”, sagt der Chef des Branchenverbands BIU, Olaf Wolters. Senioren, Familien und ganz allgemein Gelegenheitsspieler, die bislang nur ab und zu vor dem Computer oder der Konsole sitzen, sollten angesprochen werden.

Nach Erhebungen des BIU spielt rund jeder vierte Deutsche öfter. „Das heißt, 75 Prozent spielen nicht. Da gibt es noch eine Menge Potenzial”, meint Wolters. Eine neue Internet-Plattform des Verbandes - www.spielen-verbindet.de - soll vor allem Nicht-Spielern Infos über Geschichte und Genres der Branche sowie über den richtigen Umgang mit Spielen geben.

Den richtigen Umgang mit Spielen, den müssen nach Ansicht des Deutschen Kinderschutzbundes vor allem auch Eltern und Erzieher lernen. „Wenn die Erwachsenen es selber nicht können, wie sollen sie es dann an die Kinder weitergeben?”, fragt der Landesvorsitzende des Kinderschutzbunds Bayern, Ekkehard Mutschler. Helfen sollen ihnen Medienkurse, die künftig bundesweit angeboten werden.

Der Jugendschutz spielt auf der Gamescom eine große Rolle. So geben rund 40 Vereine und Institutionen Tipps zum sinnvollen Spielen. Wer auf der Messe die neuesten Ego-Shooter ausprobieren will, muss mindestens 18 Jahre alt sein. Zu den entsprechenden Ständen bekommt nur Zugang, wer ein Armband in der passenden Farbe hat.

Bisherige Spiel-Abstinenzler will die Branche wie im vergangenen Jahr auch mit neuen intuitiven Steuergeräten vor die Bildschirme locken. Activision lässt Spieler für die Sportsimulation „Tony Hawk: Ride” ein Plastik-Skateboard einstöpseln, während EA ein Fitness- Programm mit einem Gummiband vermarktet, das vom Training der deutschen Fußball-Nationalmannschaft bekannt ist. Auch ein ganzer Schwung von Plastikinstrumenten für die populären Musikspiele soll den Umsatz ankurbeln.

Trotz immer besserer Grafik, trotz immer komplexerer Spiele - große Innovationen stehen in diesem Jahr nicht ins Haus. Auf der Konferenz der Spieleentwickler (Games Developers Conference/GDC) werfen Experten aber einen Blick in die Zukunft. Ein Trend: Immer mehr Spiele sollen über Server im Internet laufen - selbst aufwendige Action-Kracher. Der Spieler, so die Vision einiger Entwickler, hat dann nur noch ein kleines Gerät im Wohnzimmer stehen. Bis dahin dürfte Sony allerdings noch die eine oder andere Playstation ankündigen.

Neuer Name, neuer Ort

Erstmals trifft sich die elektronische Spielebranche in diesem Jahr in Köln. Die Gamescom ist die Nachfolge-Veranstaltung der europäischen Leitmesse Games Convention, die bislang in Leipzig stattfand. Die wichtigsten Informationen für Besucher:

DAUER DER MESSE: Für Fachbesucher vom 19. bis 23. August, für das Publikum vom 20. bis 23. August

ÖFFNUNGSZEITEN: Publikumshallen: Donnerstag und Freitag von 10 bis 20 Uhr; Samstag von 9 bis 20 Uhr, Sonntag von 9 bis 18 Uhr. Fachbesucher-Bereich: Täglich von 9 bis 19 Uhr; Sonntag geschlossen.

EINTRITTSPREISE: Donnerstag und Freitag: Tageskarte 12,50 Euro, ermäßigt 8 Euro, Kinder bis 12 Jahre 5,50 Euro; Elternkarte für Erwachsene in Begleitung ihrer Kinder unter 18 Jahren 10 Euro; Abendkarte (ab 16 Uhr) 6,50 Euro, Samstag und Sonntag: Tageskarte 15 Euro, ermäßigt 12,50 Euro, Kinder bis 12 Jahre 5,50 Euro, Elternkarte 10 Euro, Abendkarte (ab 16 Uhr/nicht am Sonntag) 6,50, Dauerkarte 31 Euro. Fachbesucher Tageskarte 29,50 Euro, Dauerkarte 59,50 Euro; Karten-Vorverkauf in Saturn-Elektromärkten und im Internet.

ANREISE: Auto: A4 bis Koelnmesse oder A559 bis Deutz Koelnmesse, von dort dem Verkehrsleitsystem folgen - das Messegelände befindet sich in einer Umweltzone. Nahverkehr: Vom Hauptbahnhof S-Bahn 6 und 11 bis „Messe Deutz/Bahnhof”, Straßenbahn-Linien 3 und 4 bis „koelnmesse”. Bus: Sonderfahrten aus zahlreichen deutschen Großstädten. Zug: Sonderzüge der Bahn.

UNTERKUNFT: Die Koelnmesse Service GmbH hilft bei der Buchung von Hotels und Privatzimmern (Tel.: 0221/821-3998; Mail: hotel- services@koelnmesse.de). Das gamescomCamp im Kölner Jugendpark liegt in der Nähe des Messegeländes und bietet Platz für das eigene Zelt und auch Feldbetten in Gemeinschaftszelten. Vorherige Reservierung erforderlich.