Todesschüsse in Utrecht: Scharfe Kontrollen an der deutschen Grenze

Todesschüsse in Utrecht : Scharfe Kontrollen an der deutschen Grenze

Im niederländischen Utrecht werden drei Menschen in einer Straßenbahn erschossen und fünf verletzt. Nur 75 Kilometer von Kleve entfernt. Polizisten im nahen Nordrhein-Westfalen fahndeten ebenfalls – bevor die niederländischen Kollegen eine Festnahme vermeldeten.

Auto- und Zugkontrollen an der deutsch-niederländischen Grenze durch schwer bewaffnete Beamte: Nach den Schüssen in Utrecht mit Toten und Verletzten hat die Bundespolizei am Montag mit zahlreichen Beamten Präsenz gezeigt, bevor am Abend die Festnahme des mutmaßlichen Schützen in den Niederlanden bekannt wurde. Ziel war es, eine mögliche Einreise des Gesuchten ins Bundesgebiet verhindern. Da der Tatort nur etwa 75 Kilometer von der Grenze zu NRW entfernt ist und der Aufenthaltsort des 37-Jährigen zunächst unklar war, startete auch die Landespolizei eine Fahndung nach dem Mann.

Stunden nach den Schüssen in einer Straßenbahn war der gesuchte 37-Jährige, der gebürtige Türke Gökmen Tanis, am Montagabend in der Innenstadt von Utrecht unweit des Tatorts festgenommen worden. Drei Menschen wurden nach Angaben der Polizei getötet. Von den fünf Verletzten sind drei in kritischem Zustand. Ob der mutmaßliche Täter, ein terroristisches Motiv gehabt habe, sei unklar, sagte der niederländischen Ministerpräsidenten Mark Rutte am Abend in Den Haag. Die Polizei wollte auch eine Beziehungstat nicht ausschließen.

Die Bundespolizei hielt ihre Kontrollen an der deutsch-niederländischen Grenze wegen der Schüsse von Utrecht auch am Abend zunächst weiter aufrecht. „Wir haben unsere Maßnahmen noch nicht zurückgefahren“, sagte ein Sprecher der Bundespolizei in Kleve. „Wir stehen im Austausch mit den niederländischen Kollegen.“ Man benötige weitere neue Informationen durch die niederländischen Polizei.

Nach der Festnahme des mutmaßlichen Schützen in den Niederlanden erwartet auch die Polizei Nordrhein-Westfalens weitere Informationen zu den Fahndungsmaßnahmen von den Kollegen aus dem Nachbarland. „Wir stehen in ständigem Kontakt“, sagte ein Sprecher der Polizei Essen, die die Maßnahmen der NRW-Landespolizei koordinierte, am Abend. „Wenn noch weitere Personen mitgewirkt haben sollten, werden die Maßnahmen aufrecht erhalten“, erläuterte er.

In NRW seien am Montag bei der Suche nach dem Hauptverdächtigen Fahrzeuge und Personen überprüft worden. Dabei ging der Landespolizei auch ein Mann ins Netz, der wegen eines anderen Deliktes gesucht wurde. Die Beamten überprüften in Mülheim ein niederländisches Fahrzeug, dessen Fahrer unabhängig von den Ereignissen in Utrecht zur Festnahme ausgeschrieben war.

Die Bundespolizei hatte ihre Beamten bei den Überwachungs- und Fahndungsmaßnahmen im Zusammenhang mit den Schüssen von Utrecht über das normale Maß hinaus bewaffnet. „Das ist für die Kollegen eine besondere Lage“, erläuterte ein Behördensprecher in Kleve. Bei der Bundespolizei in Kleve waren alle verfügbaren Kräfte im Einsatz.

Ein Schwerpunkt der Überwachungs- und Fahndungsmaßnahmen war in NRW die Autobahn 3. Das Augenmerk richtete sich auch auf andere Autobahnen, Bundesstraßen und kleinere Grenzübergängen. Richtige Kontrollstellen gab es den Angaben zufolge aber nicht. Die Einsatzkräfte zogen verdächtige Fahrzeuge aus dem fließenden Verkehr heraus.

In Nordrhein-Westfalen wurden alle Kreispolizeibehörden informiert. Streifenwagen-Besatzungen hielten nach dem Gesuchten Ausschau. „Selbstverständlich steht die NRW-Polizei in dieser schwierigen Situation an der Seite ihrer niederländischen Kollegen und unterstützt sie nach Kräften“, hatte NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) am Montag erklärt. Der Tatort Utrecht liegt nur etwa 75 Kilometer von der deutschen Grenze bei Kleve entfernt.

(dpa)