Aachen/El Palmar: Sascha Ruberts Lebensweg führt einmal um die Welt

Aachen/El Palmar: Sascha Ruberts Lebensweg führt einmal um die Welt

Wie viele Kilometer er hinter sich gebracht hat, weiß Sascha Rubert nicht genau. Schätzungsweise 4000, vielleicht auch 4500. Gezählt hat er sie nicht. Er ist auf der Reise. Und der Weg ist das Ziel. Nicht immer geradeaus, kein festgesetztes Tagespensum. Hauptsache unterwegs sein. Auch wenn er an manchen Orten eine Zeit verweilt — dieser Mann ist nur auf der Durchreise.

Sascha Rubert ist auf dem Weg nach Schöppingen. Die Gemeinde im westlichen Münsterland im Kreis Borken ist Start und Ziel seines Vorhabens, einmal um die Welt zu gehen. Im April 2013 war er gestartet, vor einem Jahr war er dann in Aachen. Innerhalb von zehn Jahren wollte er damals an seinem Ziel ankommen. Mittlerweile ist er in El Palmar, einem kleinen Küstenort bei Conil in der Provinz Cádiz an der Straße von Gibraltar in Spanien.

Warten auf den Winter

Drei Monate ist Rubert bereits dort. Sein Wunsch, den afrikanischen Kontinent im vergangenen Winter zu erreichen, hat sich nicht erfüllt. Vielmehr folgt er seiner schon damals aufgestellten Prämisse: sich Zeit lassen und dort, wo es ihm gefällt, auch mal länger bleiben. Und so hat er sich entschieden, erst einmal weiter in El Palmar zu verweilen. Er wird den Sommer abwarten, „da mein Weg als nächstes durch die Sahara führt. Dort sind im Sommer über 50 Grad Celsius zu erwarten, die für einen Fußreisenden zu gefährlich sind.“

Im Oktober soll es weitergehen. Bis dahin nutzt Rubert die Möglichkeit, seine Reisekasse aufzubessern, finanziert sich auf diese Weise sein Leben. Denn auf ein großes Polster kann er nicht zurückgreifen. Sein Vorhaben basiert auf Spenden. „Ich habe viele Menschen kennengelernt, die mir aus freien Stücken geholfen haben. Es ging auch oft über die benötigte Hilfe hinaus.“ So habe er in Frankreich die Grundlagen des Segelns gelernt. Auch zu erwähnen seien die Obdachlosen, mit denen er in Kontakt komme. „Diese Menschen geben am meisten, im Rahmen ihrer Möglichkeiten versteht sich. Wenn sie ein Paket Nudeln haben, reißen sie es auf und teilen es.“

Regen in Belgien

Seit Sascha Rubert vor einem Jahr in Aachen aufgebrochen und in das benachbarte Ausland gegangen ist, hat er viel erlebt. Viel Regen in Belgien, einen „traumhaften Sommer“ in Frankreich. Vor allem denke er an die Zeit zurück, als er von Orléans an der Loire entlang bis Nantes und anschließend am Atlantik südwärts über Bordeaux wanderte. „Ich habe es lieben gelernt, unter freiem Himmel zu übernachten. Ich habe Quellen, Brunnen und Strandduschen genutzt, um mich zu waschen und zu duschen.“

Es ist aber nicht nur eine Reise, sondern das neue Leben des Sascha Rubert. Sein Beruf als Kraftfahrer füllte ihn nicht aus. Er hangelte sich von Job zu Job, „immer zwischen Zeitarbeit und Jobcenter“, wie er vor einem Jahr erzählte. So griff Rubert auf seinen „Plan B“ zurück. Eine Idee, die er seit 16 Jahren im Kopf hatte. In Schöppingen meldete er alles ab: Telefon, Wohnsitz, Versicherung. Verkaufte Möbel, verschenkte Kleinteile. Einige persönliche Dinge wie Fotos und Unterlagen sind in Pappkartons eingelagert. Damals ist er einfach los — und heute? Ist es immer noch ein Abenteuer? „Wenn ich nicht gerade so wie jetzt eine lange Pause mache, gibt es keinen Alltag. Jeder Tag ist auf seine Weise aufregend. Schon deshalb, weil es jeden Tag aufs Neue eine Überraschung ist, wo und wie ich nächtigen und essen werde.“

Ja, es gebe natürlich Höhen und Tiefen. Sechs Monate wanderte er durch Belgien und Frankreich — nahezu gänzlich durch Spenden ermöglicht. In Form von Lebensmitteln, hin und wieder auch finanzieller Natur. Einmal musste Rubert einen Online-Aufruf starten, um eine zusätzliche Stütze zu erhalten. Doch die Menschen, die er kennenlerne, und deren entgegengebrachte Freund- und Hilfsbereitschaft und Gastlichkeit seien Glücksmomente.

Es war eines der gesteckten Ziele des Abenteuers: Menschen kennenlernen. Deswegen ist er unterwegs. Immer wieder wird Rubert von Einheimischen angesprochen. Darüber berichtet er auch in seinem Blog. Etwa über das Treffen mit einem Franzosen, der partout nicht glauben wollte, was auf dem Kinderbuggy steht, den Rubert mit sich führt: „Zu Fuß um die Welt.“ In dem dreirädrigen Gefährt transportiert der Reisende seine wenigen Habseligkeiten. Schlafsack, Zelt, Wechselkleidung, Essgeschirr. Seine schweren Wanderstiefel hat er zwischenzeitlich mehrmals neu besohlen lassen. Die etwa 4000 Kilometer fordern eben hin und wieder ihren Tribut. An guten Tagen gehe er „manchmal bis zu 50 Kilometer. 40 sind kein Problem, 25 bis 30 sind mindestens drin.“ Es hänge von den geografischen Gegebenheiten ab. „In bergigen Gegenden wie auf dem Jakobsweg in Nordspanien können 20 Kilometer schon eine Tagesetappe kosten.“

Entscheidende Erkenntnis

Wie geht es nun weiter? Den afrikanischen Kontinent wird Sascha Rubert frühestens im Winter erreichen. Er ist zu einer entscheidenden Erkenntnis gelangt: Pläne gibt es nicht, es sind mehr Ideen. „Planen kann man eine solche Reise nur schwer und der Stressfaktor ‚Plan‘ ist einer, den ich lange hinter mir gelassen habe, das ist nichts für mich.“

Dennoch will er an seiner ursprünglichen Idee, mehrere Monate in Mauretanien zu verbringen, unter anderem, um die Sprache zu lernen, vorerst festhalten. „Das mache ich abhängig von den Visabestimmungen der verschiedenen afrikanischen Staaten und natürlich der politischen Lage, die so schnelllebig ist.“ Ob und wenn ja, welchen Weg er nach Afrika einschlägt, wird sich zeigen.

Er wird weiter gehen und dabei seinen Wagen schieben. Der Weg wird es ihm nicht immer leicht machen. Aber Sascha Rubert wird auch vieles Schöne erleben. Dinge, die nur ein Fußgänger erfahren kann. Auch er selbst hat sich neu kennengelernt, das Laufen trage zur Selbstfindung bei.

Aus dem einstigen Plan B ist das Abenteuer seines Lebens geworden. Sascha Rubert geht weiter — auf dem Weg, den das Leben für ihn bereithält.