Im Fokus der Sicherheitsbehörden: Sami A. soll für deutsche Sicherheitsfirma gearbeitet haben

Im Fokus der Sicherheitsbehörden : Sami A. soll für deutsche Sicherheitsfirma gearbeitet haben

Sami A. war nach seiner vermuteten Terror-Ausbildung in Afghanistan noch kein Jahr wieder in Deutschland, als er Ende 2000 für eine Sicherheitsfirma gearbeitet haben soll. In den Fokus der Sicherheitsbehörden rückt er erst zwei Jahre später.

Der Mitte Juli unrechtmäßig in seine Heimat Tunesien abgeschobene Sami A. hat einem Medienbericht zufolge vor knapp 18 Jahren mindestens zwei Monate für eine deutsche Sicherheitsfirma gearbeitet. Der mutmaßliche frühere Leibwächter des getöteten Al-Kaida-Chefs Osama bin Laden sei mindestens im Dezember 2000 und im Januar 2001 für diese Firma tätig gewesen, berichteten die Zeitungen der Funke-Mediengruppe. Zudem habe Sami A. in Deutschland auch als Fahrgastzähler in öffentlichen Bussen und Bahnen gearbeitet.

Die Mediengruppe berief sich auf Ermittlungsakten des Bundeskriminalamts und des Generalbundesanwalts. Die Bekämpfung islamistisch motivierten Terrors rückte erst nach der Beschäftigung von Sami A. bei dem Unternehmen verstärkt in das öffentliche Bewusstsein, nachdem die Welt durch die Selbstmordanschläge vom 11. September 2001 in New York und Washington erschüttert worden war.

Die Sicherheitsfirma Klüh Security GmbH stellt nach eigenen Angaben Sicherheitspersonal etwa für Banken, Versicherungen, Großveranstaltungen und die Bundeswehr zur Verfügung. Auf Anfrage der Mediengruppe erklärte das Unternehmen, die Personalie sei nicht mehr überprüfbar, weil sie zu lange zurückliege. Der Deutschen Presse-Agentur sagte eine Firmensprecherin: „In den letzten zehn Jahren hat der Mann hier nicht gearbeitet.“ Über Beschäftigungsverhältnisse um die Jahrtausendwende könnten aufgrund der geltenden Aufbewahrungsfristen keine Angaben mehr gemacht werden.

Sami A. hatte bis zu seiner Abschiebung Mitte Juli mit Frau und Kindern in Bochum gelebt. Er war 1997 zum Studium nach Deutschland gekommen. Seit 2005 sahen es mehrere deutsche Gerichte als erwiesen an, dass Sami A. Ende 1999/Anfang 2000 in einem afghanischen Islamistenlager eine militärische Ausbildung durchlaufen hat und zeitweise der Leibgarde des 2011 getöteten Al-Kaida-Chefs Osama bin Laden angehörte. Seitdem galt er als islamistischer Gefährder.

Das nordrhein-westfälische Innenministerium teilte am Montag auf dpa-Anfrage mit, dass Sami A. erst Ende 2002 aufgrund einer Zeugenvernehmung anlässlich des Verfahrens gegen die Terrorgruppe Al-Tawhid in den Fokus der Sicherheitsbehörden geraten sei. „Seine Gefährdereinstufung erfolgte im Jahr 2005. Demnach ist seine vermeintliche Betätigung für ein privates deutsches Sicherheitsunternehmen zu einer Zeit erfolgt, als er noch nicht im Fokus der deutschen Sicherheitsbehörden stand.“ Dem Ministerium liegen nach eigenen Angaben außerdem keine Angaben darüber vor, dass es anlässlich der Beschäftigung von Sami A. in dem Unternehmen eine Sicherheitsabfrage gegeben hat.

Das Oberverwaltungsgericht Münster hatte entschieden, dass Sami A. wegen der Unrechtmäßigkeit seiner Abschiebung nach Deutschland zurückgeholt werden muss. Wann dies geschehen könnte, hängt von den Behörden seines Heimatlandes ab.

(dpa)
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