Säuglinge nach Geburt draußen abgelegt: Bewährungsstrafe für Mutter

Säuglinge draußen abgelegt : Mutter wird zu Bewährungsstrafe verurteilt

Weil sie zwei Säuglinge kurz nach der Geburt draußen abgelegt und ihrem Schicksal überlassen hat, ist die 30-jährige Mutter der Kinder zu zwei Jahren Gefängnis auf Bewährung verurteilt worden.

Das Kölner Landgericht verkündete am Montag des Urteil. Die Frau hatte im Oktober 2011 und im Juni 2013 jeweils ein Kind zur Welt gebracht und es kurz danach unbewacht zurückgelassen.

Im Fall der 2011 geborenen Tochter verurteilte das Gericht die Deutsche wegen Kindesaussetzung und gefährlicher Körperverletzung. Sie hatte das Kind auf einem Parkplatz in Hürth bei Köln ausgesetzt. Dort, so das Gericht, sei das Neugeborene nur durch „glückliche Umstände“ rechtzeitig und nur leicht unterkühlt gefunden worden. Auf dem Parkplatz habe eine „konkrete Gefahr für Leib und Leben des Neugeborenen“ bestanden. Aus diesem Grund sei in diesem Fall eine Verurteilung wegen Aussetzung eines Kindes unumgänglich gewesen.

Anders bewerteten die Richter hingegen den zweiten Fall. Im Juni 2013 brachte die Frau einen Jungen heimlich zur Welt, den sie einen Tag später auf einer Rasenfläche im niederländischen Roermond ablegte. Die Stelle sei von Radfahrern und Fußgängern stark frequentiert gewesen, der Junge schnell und wohlbehalten gefunden worden. Darum habe in diesem Fall keine konkrete Gefahr für Leib und Leben bestanden. Wegen der Unterkühlung des Neugeborenen habe sich die Angeklagte aber einer gefährlichen Körperverletzung schuldig gemacht.

Zum Motiv der Frau hieß es in der Urteilsbegründung, dass sie nach „mehreren schweren Schicksalsschlägen“ in ihrer Familie und im Freundeskreis „den Halt im Leben verloren“ habe. Sie habe sich außerstande gesehen, sich um die Kinder zu kümmern. Eine Babyklappe habe sie in ihrer Not nicht gefunden.

(lnw/dpa)
Mehr von Aachener Nachrichten