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Hoher Krankenstand: S-Bahn zwischen Düren und Köln liegt bis Montagmorgen lahm

Hoher Krankenstand : S-Bahn zwischen Düren und Köln liegt bis Montagmorgen lahm

Krankheitsfälle in der Belegschaft sorgen bei der Deutschen Bahn in NRW erneut für viele Ausfälle und Unmut bei Fahrgästen. Betroffen ist auch die S-Bahnlinie zwischen Düren und Köln.

Die Zugausfälle bei der Deutschen Bahn in NRW halten an und sorgen für virlr Beschwerden. Am Wochenende sind etwa S-Bahnen im Rheinland sowie Züge im Ruhrgebiet und Münsterland betroffen, wie DB Regio NRW mitteilte. Man halte „die in den letzten Tagen ansteigenden Totalausfälle von Zuglinien der DB Regio für nicht mehr akzeptabel“, kritisierte der Fahrgastverband Pro Bahn. Auch beim Verkehrsverbund Rhein-Ruhr (VRR) ist man verärgert.

„Wir möchten uns bei allen Fahrgästen für die Zugausfälle entschuldigen“, teilte eine Bahnsprecherin mit. „Wir haben derzeit in unserer Leitstelle, dem Herz der S-Bahn, einen Krankenstand von 35 Prozent. Hier werden Züge disponiert, gesteuert und überwacht. Keine Personalplanung der Welt kann einen solch hohen Krankenstand kompensieren.“

Der VRR kritisierte, man hätte sich eine frühere Information der Fahrgäste gewünscht: „Über die einseitige öffentliche Ankündigung der DB Regio, aufgrund von Mitarbeiterkrankmeldungen in den Leitstellen und bei Triebfahrzeugführer*innen, aktuell und für das kommende Wochenende SPNV-Betriebsleistungen komplett einzustellen, sind wir besorgt.“ Man erhoffe, „dass die DB Regio hierzu vorab den Dialog mit uns sucht und nicht im Alleingang entscheidet und kommuniziert.“

„Aufgrund der derzeit angespannten Personallage bedingt durch einen hohen Krankenstand“ fallen bis zum frühen Montagmorgen, 25. Juli, 3 Uhr, Züge der Linien S8, S11, S12 und S19 (von Au über Köln bis Düren) aus. Auch bei der RB 46 zwischen Gelsenkirchen und Bochum, der RB 59 zwischen Dortmund und Soest und der RB 69 zwischen Bielefeld und Münster fielen am Freitag Züge wegen kurzfristiger Personalausfälle aus. In den vergangenen Wochen hatte es mehrere ähnliche Meldungen gegeben. Beim RE 49, der RB 32 und der S6 werden Züge sogar über Wochen hinweg bis Anfang August gestrichen.

Für die nun abgesagten S-Bahn-Verbindungen werde an einem Ersatzverkehr gearbeitet, hieß es von DB Regio. Unter anderem sind sogar Großraumtaxis und normale Taxis im Einsatz, außerdem fahren Busse. Teils können Fahrgäste laut Bahn auch auf Züge des Fernverkehrs ausweichen. Laut einem Bericht des „Kölner Stadt-Anzeigers“ sorgten die S-Bahn-Ausfälle bereits am Freitag für Chaos auf den Bahnsteigen, volle Züge und genervte Fahrgäste.

Pro Bahn kritisierte, wegen der kurzen Vorlaufzeit würden überwiegend keine ausreichenden Schienenersatzverkehre organisiert, sondern höchstens auf kommunale Verkehrsunternehmen verwiesen, die dem Ansturm oft nicht gewachsen seien. Auch der VRR pochte darauf: „Dort wo Ausfälle nicht zu verhindern sind, ist ein adäquates Angebot mit Schienenersatzverkehr einzurichten.“

Die Bahn hatte zuletzt auch auf eine „Joboffensive“ hingewiesen: In diesem Jahr wolle man in Deutschland rund 24.000 neue Mitarbeiter rekrutieren. „Wir kämpfen gerade wie alle Eisenbahnunternehmen mit außergewöhnlich hohen Krankenständen“, sagte eine Bahnsprecherin. Eine dpa-Umfrage Anfang Juli ergab, dass auch viele andere Verkehrsunternehmen in NRW mit einer dünnen Personaldecke zu kämpfen haben. Viele Krankheitsfälle und Quarantänen nach Coronafällen treffen ausgerechnet in die Zeit der Sommerferien, in der sich ohnehin viel Menschen freinehmen.

Im Gegensatz zu den anderen Verkehrsunternehmen lege DB Regio aber immer wieder ganze Strecken still, anstatt zumindest eine Notbedienung der Strecken im Stundentakt anzubieten, kritisierte Pro Bahn. „Neukunden, die durch das 9-Euro-Ticket angelockt wurden, werden so nachhaltig abgeschreckt, auch langjährige Bestandskunden der Bahn werden vertrieben“, hieß es. „Wenn der Fahrgast beim Start morgens nicht mehr absehen kann, ob und auf welchem Wege er abends wieder nach Hause kommt, wird er sich definitiv gegen die Nutzung des Zugs entscheiden.“ Die Aufgabenträger sollten die DB notfalls mit juristischen Mitteln zu einem Mindestangebot zwingen.

(dpa)