RWTH Aachen und die Exzellenz-Initiative

Entscheidung über Förderung : Am Donnerstag werden Weichen gestellt

Man darf davon ausgehen, dass Donnerstag gegen 16 Uhr eine gewisse Unruhe im Umfeld der RWTH zu spüren sein wird. Im Bonner Wissenschaftszentrum wird dann eine Entscheidung verkündet, die großen Einfluss auf die Aachener Hochschullandschaft haben wird.

Eine Expertenkommission wird verkünden, welche Forschungsprojekte an deutschen Hochschulen sich offiziell „exzellent“ nennen dürfen. 45 bis 50 sollen es sei; sie werden ab 1. Januar über einen Zeitraum von sieben Jahren mit insgesamt 385 Millionen Euro jährlich von Bund und Ländern gefördert.

Die RWTH ist mit fünf sogenannten Clustern dabei, eins davon im Verbund mit den Universitäten Köln und Bonn. Sie haben die Themen „Internet der Produktion”, „Die Zukunft des wissenschaftlichen Rechnens“, „Neuroinspirierte Computer: Von neuartigen Materialien zu neuen Berechnungsparadigmen“, „Adaptive Systeme zur Umwandlung von erneuerbarer Energie und Kohlenstoffquellen“ und „Materie und Licht für Quanteninformation“. An vier Projekten ist das Forschungszentrum Jülich beteiligt. Insgesamt stehen 88 Cluster von 41 Hochschulen aus 13 Bundesländern zur Auswahl. Werden zwei bzw. im Verbund drei in die Förderung aufgenommen, darf sich die Hochschule als Exzellenzuniversität bewerben – ein Status, den die RWTH seit 2007 besitzt und auf keinen Fall verlieren will. Die Entscheidung darüber fällt im Juli 2019. Die elf Exzellenzhochschulen werden dann insgesamt mit jährlich rund 148 Millionen Euro gefördert.

Es geht bei diesem Verfahren, das Prof. Matthias Wessling, Prorektor für Forschung und Struktur an der RWTH, einen der „sorgfältigsten Wissenschaftsprozesse weltweit“ nennt, also um einiges Geld und viel Renommee. Mindestens genauso hoch schätzt er aber das ein, was es innerhalb der Hochschule ausgelöst hat und noch auslöst. „Kohärenz und Teambildung“ nennt er als Schlagworte; immerhin waren pro Cluster rund 25 Professoren und Professorinnen beteiligt. Da ursprünglich zehn Clusterskizzen ins Rennen gingen, von denen fünf in die Endrunde kamen, lässt sich leicht ausrechnen, wie groß der Kreis der beteiligten Personen war.

Vision von Zukunftsthemen

„Das ist ein äußerst dynamischer Prozess, der bis in die tiefsten Verästelungen der Hochschule reicht“, sagt RWTH-Rektor Prof. Ulrich Rüdiger. „Wir treten dabei nicht nur in sichtbare Konkurrenz zu anderen Hochschulen, sondern formulieren auch unsere Vision von Zukunftsthemen, die relevant und glaubwürdig ist.“ Dass auch die Studierenden etwas davon haben, steht für Rüdiger außer Frage. „Dieser Prozess entwickelt die Hochschule in Gänze weiter. Da geht es nicht nur um bessere Rahmenbedingungen in der Forschung, sondern auch um die Frage, was gute Lehre eigentlich ist und wie sie sich noch optimieren lässt.“

Rektor und Prorektor wollen den Moment der Entscheidung gemeinsam mit den Wissenschaftlern erleben. Da niemand ernsthaft damit rechnet, dass alle Cluster aus Aachen in die Förderung übernommen werden, wird es auch Enttäuschung geben. Doch alle Cluster sollen inhaltlich fortgeführt werden; das gilt auch für die bereits in der ersten Runde ausgeschiedenen fünf Skizzen.

Wie die Chancen sind? „Ich bin ein geborener Optimist“, sagt der Rektor. „Wir nehmen alle Cluster gerne entgegen.“ Im besten Fall soll es dann direkt wieder zurück an die Arbeit gehen. Die Bewerbung als Exzellenzuniversität muss bis Mitte Dezember abgegeben sein. Ende Januar stünde dann der Besuch der Expertenkommission in Aachen an. Bis dann spätesten im Juli 2019 wieder eine gewisse Unruhe im Umfeld der RWTH zu spüren sein wird.

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