RWTH Aachen: Prof. Dr. Ulrich Rüdiger wird neuer Rektor

Aachen: Prof. Dr. Ulrich Rüdiger wird neuer Rektor der RWTH Aachen

Die RWTH Aachen bekommt einen neuen Rektor: Prof. Dr. Ulrich Rüdiger, derzeit Rektor der Universität Konstanz, ist am Montag zum Nachfolger von Ernst Schmachtenberg gewählt worden. Am 1. August wird Rüdiger sein neues Amt antreten. Aachen kennt er gut: Hier hat der 51-jährige Niedersachse Physik studiert, promoviert und habilitiert.

Bernd Mathieu hat mit ihm gesprochen und fasst einige Stichworte und Antworten zusammen.

Ulrich Rüdiger über den Wechsel von der Uni Konstanz mit 11.500 Studierenden nach Aachen mit der mehr als vierfachen Zahl:

„Da ich seit elf Jahren im Rektorat und seit neun Jahren Rektor bin, kenne ich hier jede Person und jeden Stein auf dem Campus. Das muss ich mir in Aachen wieder erarbeiten. Man bespielt in Aachen eine ganz andere Fläche, nicht so dicht und konzentriert wie hier. Darum muss es auch andere Kommunikationsstrukturen und Zwischenebenen geben. Man kann aber auch an einer großen Universität persönlich auf Leute zugehen. Für mich sind das persönliche Gespräch und das Arbeiten in kleineren Teams, die je nach Anforderungen und zu lösenden Aufgaben klug zusammengestellt sind, wichtig. Dass das an einer größeren Universität anderer Natur ist, ist mir sehr bewusst. Der sogenannte Aachen Way und die gelebte Steuerung an der Universität Konstanz liegen aber gar nicht so weit auseinander.“

Über seine Erfahrungen mit der RWTH:

„Die RWTH hat das eingelöst, weswegen ich aus Niedersachsen nach Aachen an die RWTH gegangen bin. Ich wollte einerseits grundlagenorientiert studieren, andererseits habe ich als Physiker den engen Schulterschluss mit den Ingenieurwissenschaften gesucht. Das spiegelt sich in meinen Nebenfächern wider: Halbleitertechnik und Mineralogie als Nebenfach bis zur Diplomreife. Meine Diplom- und meine Doktorarbeit und auch die Habilitation waren sehr anwendungsorientiert. Die globalen Herausforderungen und damit verbundene technische und wissenschaftliche Lösungsansätze reizen mich einfach.“

Über die Universität als Teil der Stadt und der Region:

„Universität ist letztlich auch Gesellschaft und Öffentlichkeit. Wir praktizieren das mit großer Intensität in Konstanz. Wenn die Bevölkerung nicht da ist, wo Universität ist, dann rückt die Universität dahin, wo die Gesellschaft ist. Wir planen in Konstanz zurzeit einen Wissenskubus, mit dem wir mit unserer Forschung und unserer Lehre dort sein möchten, wo auch die Bevölkerung ist: am Hafen, auf der Marktstätte in der Innenstadt oder im Sommer auf der Insel Mainau. Ich vertrete in Konstanz einen sehr weiten Transferbegriff. Der umfasst nicht nur den Technologietransfer im Sinne von Ausgründung und Start-up, sondern einen Wissens-, Verständnis- und Akzeptanztransfer. Der muss mit dem eigentlichen Technologietransfer einhergehen.“

Über die Rolle der Universität bei globalen Herausforderungen:

„Wenn es bei den relevanten großen globalen Herausforderungen am Ende auch überwiegend naturwissenschaftliche und technische Lösungsansätze geben wird, müssen sie trotzdem unter ökonomischen und unter sozialen gesellschaftlichen Aspekten umgesetzt werden. Die Dinge müssen finanzierbar sein, und eine Gesellschaft muss das akzeptieren können und leben wollen. Es ist deshalb ganz wichtig, dass eine technische Universität wie die RWTH Aachen von den naturwissenschaftlichen Grundlagen über die Medizin, die Technikwissenschaft, die Informatik, die Wirtschaftswissenschaften, Kultur- und Sozialwissenschaften alles Relevante abdeckt. Was an Lösungsansätzen von der Bevölkerung gänzlich abgelehnt wird, ist möglicherweise genial, aber kaum umsetzbar. Deshalb gehören die geisteswissenschaftlichen Bereiche dazu, sie sind Erfolgsfaktoren.“

Über die Qualität der Studierenden:

„Mich begeistert, dass sie neben allen fachlichen Anforderungen mit eigenen Ideen auf mich zukommen und über politisches und soziales Engagement, mit Sport, Kunst und Musik die Universität mitgestalten möchten.“

Über den Unterschied zwischen Konstanz und Aachen:

„Wenn ich jetzt aus meinem Büro schaue, sehe ich den Bodensee, die Alpen und die Weinberge. Man kann hier in wenigen Minuten von Lernen, Lehren und Forschen umschalten auf Bodensee, Alpen und Wintersport, den Schwarzwald, das ist eine richtig schöne Gegend. Es gibt auch in Aachen sehr viele schöne Dinge, ich habe ja über ein Jahrzehnt dort gelebt. Aachen ist eine phantastische Herausforderung! Ich weiß, worauf ich mich einlasse, und ich freue mich darauf!“