Entscheidung gefallen: RWTH Aachen bleibt exzellent

Entscheidung gefallen : RWTH Aachen bleibt exzellent

Die Hochschule kann ihren Exzellenzstatuts halten. Ab November wird die Uni finanziell gefördert. Wichtiger ist aber das Prestige, das mit dem Titel einhergeht.

Die RWTH Aachen bleibt weiterhin Exzellenzuniversität. Das gab Bundesforschungsministerin Anja Karliczek (CDU) gemeinsam mit ihrer Kommission aus Ministern und Wissenschaftlern am Freitag in Bonn bekannt. „Alle antragstellenden Universitäten haben sich dem strengen Wettbewerb gestellt und neue Strategien für sich entwickelt. Wir mussten uns aber heute für die Besten der Besten entscheiden. Den ausgewählten Hochschulen gelten meine herzlichsten Glückwünsche“, sagte Karliczek.

„In den vergangenen Jahren wurden unfassbar große Anstrengungen in unseren Antrag investiert, die RWTH ist ganz eng zusammengerückt und hat diesen gemeinsamen Kraftakt gemeistert“, sagte RWTH-Rektor Ulrich Rüdiger. „Wir freuen uns, dass unser Aufwand und Einsatz nun tatsächlich honoriert wurde. Der Dank gilt allen, die mitgewirkt haben“. Rüdiger hatte sich im Vorfeld der Entscheidung schon selbstbewusst gegeben. Man werde schon nicht leer ausgehen, hatte er gesagt - und er sollte recht behalten.

Neben der RWTH Aachen werden auch die Universität Hamburg, die Berlin University Alliance, die Universität Bonn, die TU Dresden, die Universität Heidelberg, das Karlsruher Institut für Technologie (KIT), die Universität Tübingen, die Universität Konstanz, die LMU München und die TU München gefördert. Die elf Gewinner konnten sich mit ihren Antragskonzepten gegen die Mitkandidaten aus Kiel, Hannover, Braunschweig, Bochum, Münster, Köln, Stuttgart und Freiburg durchsetzen.Ursprünglich hatten sich Ende 2018 insgesamt 17 Hochschulen und zwei Hochschulverbünde als Exzellenzuniversität beworben. Insgesamt gibt es nun zwischen zehn und 28 Millionen Euro jährlich für die neuen elf Exzellenzunis.

Über die Gewinner hat die Exzellenzkommission entschieden: Sie besteht aus dem Expertengremium (39 Wissenschaftler) und den für Wissenschaft zuständigen Ministern von Bund und Ländern. Die Exzellenzstrategie von Bund und Ländern ist die Fortsetzung der 2005/06 gestarteten Exzellenzinitiative. Mit Fördermitteln in Höhe von fast 2,7 Milliarden Euro sollen über einen Zeitraum von sieben Jahren herausragende Forschungsprojekte belohnt werden, damit Universitäten international wettbewerbsfähiger werden.

Die Universitäten erhalten das Geld ab November. Für die RWTH Aachen ist der Titel aber beinahe wichtiger. „15 Millionen pro Jahr, die zusätzlich zum Etat von fast einer Milliarde Euro dazukommen, sind vergleichsweise wenig. Aber das Geld ist trotzdem wichtig, weil der Haushaltsetat und auch die Fördermittel für einzelne Projekte festgelegt sind. Die 15 Millionen Euro können wir hingegen flexibel einsetzen, um Dinge anzuschieben, die uns wichtig sind – etwa Professorenstellen in unseren Profilbereichen schaffen. Vor allem aber erhöht der Titel die Sichtbarkeit, auch im Ausland. Studierende kommen an die RWTH Aachen, weil wir Exzellenzuni sind. Das ist gutes Marketing“, hatte Ulrich Rüdiger im Vorfeld in einem Interview mit unserer Zeitung gesagt.

Neu ist aber, dass die Exzellenzuniversitäten nicht nur für einen begrenzten Zeitraum gefördert werden, sondern auch dauerhaft gefördert werden können. Nach sieben Jahren wird überprüft, ob die „Elite-Unis“ jeweils noch die Fördervoraussetzungen erfüllen. Wenn ja, fließen die Extra-Millionen auch weiterhin. Damit kommt der Entscheidung von Freitag eine noch höhere Bedeutung zu.

Wer sich als Exzellenzuni bewerben wollte, musste alleine mindestens zwei, als Universitätsverbund mindestens drei „Exzellenzcluster“ vorweisen. Die RWTH Aachen hat in Kooperation mit dem Forschungszentrum Jülich sowie den Universitäten in Köln und Bonn drei solcher Forschungsverbünde. Die geförderten Cluster an der RWTH sind „Internet of Production“ (Internet der Produktion), „ML4Q“ (Materie und Licht für Quanteninformation) und das „Fuel Science Center“ (Adaptive Systeme zur Umwandlung von erneuerbarer Energie und Kohlenstoffquellen).

Bund und Länder stellen für die Exzellenzstrategie ab 2018 jährlich rund 533 Millionen Euro bereit. 75 Prozent der Mittel stammen vom Bund, 25 Prozent vom jeweiligen Sitzland des Exzellenzclusters bzw. der Exzellenzuniversität. Auf die Exzellenzcluster entfallen davon rund 385 Millionen Euro im Jahr. Die Exzellenzuniversitäten werden mit insgesamt rund 148 Millionen Euro jährlich gefördert.

Gefahr eines "Zwei-Klassen-Systems"?

Studentenvertreter verschiedener Hochschulstädte, deren Universitäten mit im Rennen waren, haben sich in einer gemeinsamen Erklärung gegen den Wettbewerb ausgesprochen. Sie sehen die Gefahr eines „Zwei-Klassen-Systems“ und kritisieren, dass einige wenige Universitäten nun in den Genuss einer massiven finanziellen Unterstützung kämen, während der Rest mit enormen finanziellen Problemen kämpfen müsse.

Marc Baltrun von der der Studierendenvertretung der Uni Heidelberg etwa forderte: „Es muss für eine ausreichende Grundfinanzierung gesorgt werden, anstatt für das eigene Ego und ein paar leere Titel eine Spaltung zu schaffen.“

Die Aachener Studentenvertreter sehen das weniger kritisch. „Wir freuen uns auf die Exzellenzstrategie. Wir verstehen zwar auch die Kritik der anderen Studierendenschaften, aber halten diese an vielen Stellen für überzogen“, sagte der Asta-Vorsitzende Jannis Koesling unserer Zeitung.