RWE will Hambacher Forst absperren

Hambacher Forst: RWE will den Wald absperren

Die Ruhe ist zurückgekehrt in den kleinen Wald. Vorübergehend. Vögel sind zu hören und Bäume, die sich quietschend aneinander reiben. Die Natur ist wieder weitgehend unter sich. Ein paar Jogger und Radler sind unterwegs und viele Spaziergänger. Die Stimmung ist völlig entspannt.

Im ehemaligen Baumdorf „Gallien“ pendelt ein „Traumfänger“, gebastelt mit Zapfen und Beeren. Der Wald ist bis auf weiteres frei zugänglich, Personalien werden allenfalls sporadisch überprüft. Das wird sich in den nächsten Tagen völlig ändern.

Einstweilen sind die Schreie, die großen Hebebühnen und Räumfahrzeuge verschwunden, die lautstarken Auseinandersetzungen zwischen Umweltaktivisten und Polizisten gibt es nicht mehr. Keine Sitzblockaden, keine verbarrikadierten Wege. Der Hambacher Forst ist gefegt, alle 86 Baumhäuser sind geräumt und abgebaut. Das Material ist gleich entsorgt worden, damit es nicht wieder genutzt wird.

Im Bereich des ehemaligen Baumhausdorfes „Gallien“ haben Aktivisten einen Traumfänger aufgehangen. Foto: ZVA/Christoph Pauli

Vor knapp drei Wochen erfolgte der Räumungserlass des Landesministeriums aus Brandschutzgründen. Der Großeinsatz der Polizei, die Vollzugshilfe für die Kommunen in Kerpen und Düren leistete, ist am Dienstagabend zu Ende gegangen. Während der Einsatztage sprachen die Beamten 873 Platzverweise und 41 Betretungsverbote aus. Verletzt wurden bei den Einsatzmaßnahmen im Forst 27 Polizeibeamte. 51 Polizisten wurden mit Fäkalien beworfen, zwölf davon seien nicht dienstfähig, steht in der amtlichen Bilanz.

Bei 443 Personen ergriff die Polizei freiheitsentziehende Maßnahmen: 144 Personen wurden vorläufig festgenommen, 299 kamen kurzfristig in Polizeigewahrsam. Am Mittwoch waren es noch zwei Aktivisten, die auf ihre Vorführung beim Amtsgericht warteten.

Der Restwald bleibt als „gefährlicher Ort“ eingestuft, sagt ein Sprecher. Die Polizei hat ihr Aufgebot inzwischen „drastisch“ reduziert. Fast alle Hundertschaften aus den anderen Bundesländern verbringen nahezu komplett den Feiertag in der Heimat. Jetzt sind es fast nur noch Einheiten aus NRW, die im Wald an den Kreuzungen und in den abgerissenen Dörfern stehen. Das ist nur noch ein Bruchteil des Aufkommens der letzten Wochen. „Wir bestreifen noch das Gebiet und passen auf den Werksschutz von RWE auf“, sagt der Polizeisprecher. Der Werksschutz des Eigentümers sichert an diesem Tag auch die Abbruchkante, niemand soll die Schaufelradbagger besetzten können.

RWE für die Sicherung zuständig

Der Energiekonzern ist wieder dafür zuständig, dass die Rettungswege gesichert sind. Die Polizei hat aktuell kein Mandat, keinen Auftrag und keine Anforderung, sagt der Sprecher. „Was in den nächsten Tagen passiert, hängt vom Willen von RWE ab.“

Eine große Kundgebung mit 20.000 Besuchern ist für Samstag angemeldet, für den Sonntag ein kleiner Parteitag der Grünen im Land. Die Polizei ist zwar die Genehmigungsbehörde für solche Veranstaltungen, aber das letzte Wort hat der Eigentümer.

Und der hat kein Interesse daran, dass die Menschen am Wochenende den Wald betreten, sagt Sprecher Guido Steffen. Der Werkschutz hat begonnen, das Gebiet im Wald mit Seil und Flatterband abzugrenzen mit dem entsprechenden Warnhinweis: „Betreten verboten.“ Verstöße können als Hausfriedenbruch angezeigt werden. Eine Art Kabelgraben wird ausgehoben, kleine Wälle entstehen, um das Betriebsgelände zu sichern. „Mit der Umfriedung haben wir Zeit bis zum Beginn der Rodung.“

Die könnte frühestens am 15. Oktober beginnen, wenn zuvor das Oberverwaltungsgericht in Münster entscheidet, ob RWE mehr als 100 Hektar des Restwaldes abholzen darf. Bis dahin will der Energiekonzern aufpassen. „Wir werden nicht dulden, dass irgendwelche Bollwerke, Barrikaden oder Baumhäuser errichtet werden“, sagt Steffen. „Wenn es nötig wird, setzen wir das mit Hilfe der Polizei durch.“

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