RWE schließt betriebsbedingte Kündigungen aus

Kohleausstieg im Rheinischen Revier : RWE schließt betriebsbedingte Kündigungen aus

Die Empfehlungen der Kohlekommission haben die Bergleute tief verunsichert. Bei einer Betriebsversammlung am Freitag versuchen der Vorstandsvorsitzende und Ministerpräsident Laschet (CDU), Zuversicht zu verbreiten.

Der Vorstandsvorsitzende des Energiekonzerns RWE, Rolf Martin Schmitz, schließt trotz des beginnenen Kohleausstiegs betriebsbedingte Kündigungen aus. Das erklärte Schmitz am Freitag bei einer Betriebsversammlung in Niederzier am Tagebau Hambach vor 700 Beschäftigten, wie mehrere Teilnehmer gegenüber unserer Zeitung bestätigten.

Zwar soll der Kohleausstieg nach den Empfehlungen der Kohlekommission in den nächsten Jahren im Rheinischen Revier beginnen, doch Schmitz will deswegen keine Kündigungen aussprechen. Dennoch geht die Bergbaugewerkschaft IGBCE davon aus, dass mehr als 2000 Arbeitsplätze bis Ende 2022 bei RWE in Rheinischen Revier wegfallen.

Dennoch sollen weiterhin neue jüngere Mitarbeiter eingestellt werden, sagte Schmitz weiter. „Die Perspektive ist bis 2038 aufgezeigt worden. Wir werden weiterhin jüngere Mitarbeiter einstellen, wir werden sie übernehmen, werden die Azubis übernehmen wie bisher auch, denn wir brauchen auch da gute neue Mitarbeiter.“ Ungeachtet dessen werde der Personalabbau „relativ zügig beginnen“, da die Kohlekommission bis 2022 gewisse Ziele gesetzt habe.

Der verspätet eingetroffene NRW-Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) wurde nach Informationen unserer Zeitung mit Pfiffen empfangen. Bei einem Teil der RWE-Beschäftigten war offenbar der Eindruck entstanden, dass Laschet sich weniger vehement für die Bergleute in NRW eingesetzt hatte als die Ministerpräsidenten der Braunkohleabbaugebiete in den drei ostdeutschen Bundesländern für die Bergleute in ihren Abbaugebieten. Laschet versicherte den RWE-Mitarbeitern jedoch, dass die Bundesregierung ihm zugesagt habe, die von der Kohlekommission vorgeschlagenen Hilfen für den Strukturwandel könnten tatsächlich auch in voller Höhe fließen.

Er habe bei der Betriebsversammlung gesagt, „dass es jetzt die verbindliche Zusage des Bundes gab, die es bis gestern nicht gab, dass der Kommissionsbericht in allen seinen Teilen umgesetzt wird“, sagte Laschet nach der Versammlung. „Das heißt: 40 Milliarden Euro Strukturhilfe für die betroffenen Reviere.“ Nach Nordrhein-Westfalen flössen davon „15 Milliarden Euro in den nächsten 20 Jahren“. Aus der Bundesregierung war dazu zunächst keine Bestätigung zu erhalten.

Die Versammlung wurde per Video auch an andere Betriebsorte von RWE übertragen. Ein Teilnehmer erklärte gegenüber unserer Zeitung, dass große Verunsicherung unter den Beschäftigten herrsche, die auch nach der Versammlung am Freitag nicht verschwunden sei.

Der Abschlussbericht der Kohlekommission bleibe Antworten auf die Frage schuldig, in welcher Branche im Rheinischen Revier nach dem Kohleausstieg Industriearbeitsplätze entstehen sollen. „Nur mit Start-ups und wissenschaftlichen Einrichtungen werden die wegfallenden Arbeitsplätze nicht zu ersetzen sein.“ Auch RWE sei in der Pflicht, über die Frage nachzudenken, wie die Kohlekraftwerke und die Betriebsstandorte in Zukunft weiter genutzt werden könnten.

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