RWE gegen "taz": Energiekonzern bittet um Entschuldigung

Umgang mit der „taz“ : Laute Kritik an RWE-Pressestelle

Die Pressestelle des Energiekonzerns RWE hat eine Anfrage der in Berlin erscheinenden „tageszeitung“ zu „Hass-Postings von RWE-Mitarbeitern“ mitsamt den Antworten veröffentlicht. Und zwar bevor die Zeitung eine Chance hatte, ihre Recherchen zu veröffentlichen.

Der Energiekonzern RWE hat am Mittwochabend die Antwort auf eine Presseanfrage der in Berlin erscheinenden „tageszeitung“ („taz“) veröffentlicht. Bei Twitter erschienen um 17.53 Uhr zwei Seiten, die die Fragen eines „taz“-Journalisten und die Antworten von RWE enthielten. „Offen & transparent“ sollte das sein, erklärte die RWE-Pressestelle bei Twitter – und musste einen kleinen Shitstorm über sich ergehen lassen. Denn RWE veröffentlichte Fragen und Antworten nur 33 Minuten, nachdem sie an den „taz“-Journalisten zurückgemailt worden waren.

Dieses Verhalten der RWE-Pressestelle ist zumindest ungewöhnlich. Normalerweise veröffentlichen Konzerne oder Behörden ihre Konversation nur in solchen Fällen, in denen sie glauben, in Artikeln falsch oder verfälschend zitiert worden zu sein. Journalistische Anfragen und die Antworten darauf werden also durchaus bisweilen veröffentlicht – allerdings erst nach Erscheinen des jeweiligen Artikels.

Auf Anfrage unserer Zeitung teilte RWE am Donnerstag mit, der Tweet sei „versehentlich veröffentlicht“ worden. „Wir bedauern diesen Fehler“, dies sei auch „der ,taz’ offiziell mitgeteilt“ worden. „Es war nicht unsere Absicht, die Recherche zu behindern.“ Es sei „nicht um einen Eingriff in redaktionelle Freiheit“ gegangen. Auf Twitter erklärte der Konzern am Mittwochmittag, man habe sich bei dem „taz“-Journalisten entschuldigt. Eigentliches Ziel sei gewesen, deutlich zu machen, dass RWE „Hassposts nicht unterstützt“. Der Zeitpunkt der Veröffentlichung des Tweets sei aber falsch gewesen.

Das „taz“-Verlagsgebäude in Berlin: „Wir freuen uns, wenn RWE etwas von der ,taz’ lernen kann.". Foto: dpa/Paul Zinken

Das Verhältnis zwischen RWE und der „taz“ war auch vor diesen Vorfall schon nicht ganz frei von Spannungen, um es vorsichtig zu formulieren. Ein Imagefilm, der 40 Jahre nach der Gründung der „taz“ erschien, heißt „Linksradikale, unabhängige Presse in Deutschland: 40 Jahre ,taz’“. Entsprechend der politischen Ausrichtung der Zeitung werden die zum Teil kriminellen und gewaltbereiten Waldbesetzer im Hambacher Forst als „Helden“ gefeiert.

Die „RWE-Braunkohletaliban“

In einem Artikel, der vergangenen August erschien, war in der „taz“ von der „RWE-Braunkohletaliban“ die Rede. Die Taliban gilt als terroristische Organisation, der neben systematischen Massakern an der Zivilbevölkerung Afghanistans auch Menschenhandel und Zwangsprostitution vorgeworfen wird. RWE verzichtete auf eine Strafanzeige und bezeichnete gegenüber unserer Zeitung den Vergleich vergangenes Jahr lediglich als „geschmacklos“.

Am Mittwoch erklärte der Konzern, zu allen Medien grundsätzlich und unabhängig von etwaigen politischen Ausrichtungen „ein professionelles, unbelastetes Verhältnis“ pflegen zu wollen. In diesem Zusammenhang sei der versehentlich gepostete Tweet „ärgerlich“. Arbeitsrechtliche Konsequenzen werde das Verhalten der Pressestelle aber wohl nicht haben.

Die Reaktion der „taz“

Auf Anfrage unserer Zeitung erklärte die „taz“ am Mittwoch, es stehe jedem Unternehmen völlig frei, „sich jederzeit in eigener Sache zu äußern. Dass RWE dazu Journalisten vorführt, E-Mail-Korrespondenz veröffentlicht und damit Rechercheprozesse unterminiert, ist ein Novum.“ Es sei „schlechter Stil und offenbart ein fragwürdiges Verständnis der Rolle von Medien.“

Aber die für ihren Humor bekannte und gerade von Journalisten anderer Zeitungen oft auch bewunderte „taz“ wäre nicht sie selbst, wenn sie nicht noch versöhnlich hinzugefügt hätte: „RWE hat sich bei unserem Autoren mittlerweile entschuldigt. Das ist auch angemessen. Wir freuen uns, wenn RWE etwas von der ,taz’ lernen kann", erklärte Barbara Junge, stellvertretende Chefredakteurin des Blattes.

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