Rückruf von Milch in Edeka, Rewe, Lidl und Aldi

Viele Supermärkte betroffen : Defekt in Molkerei im Münsterland löst großen Milch-Rückruf aus

Die Molkerei DMK Group warnt vor gesundheitlichen Risiken, da eine deutschlandweit gehandelte fettarme Milch mit Bakterien belastet ist. Die Supermarktketten Edeka, Rewe, Lidl und Aldi sind betroffen. Jetzt soll die Ursache gefunden sein.

Ein Defekt in einer Molkerei in Everswinkel im Münsterland ist Auslöser für einen großen Milch-Produktrückruf bei zahlreichen Lebensmittelhändlern. Die Erreger, die Durchfall auslösen können, seien über eine defekte Dichtung in die Produktion des Werks Everswinkel gelangt, sagte ein Sprecher des Produzenten Deutsches Milchkontor (DMK) am Freitag. Geliefert wurde das Milchprodukt an fast alle großen Lebensmittelhändler in Deutschland wie Aldi, Lidl, Edeka, Rewe oder Metro. Sie haben die betreffenden Packungen aus dem Handel genommen.

Die Ursache für die Verunreinigung von fettarmer Frischmilch mit Bakterien sei gefunden und abgestellt, sagte der DMK-Sprecher. Das DMK mit Sitz in Bremen und die Hamburger Firma Fude & Serrahn Milchprodukte GmbH hatten am Freitag Literpackungen mit Frischer Fettarmer Milch (1,5 Prozent) aus der Molkerei Everswinkel und mit bestimmten Mindesthaltbarkeitsdaten zurückgerufen.

Nach Entdeckung des Defekts seien Proben der Produktion an ein externes Labor geschickt worden, sagte der Sprecher. „In einer dieser Proben wurde eine Rekontamination mit einem krankheitserregendem Wasserkeim nachgewiesen.“ Die Laborergebnisse seien am Donnerstag nahezu zeitgleich mit einer ersten Kundenreklamation eingegangen. Darauf sei der Rückruf ergangen. Unter Rekontamination versteht man eine Verunreinigung eines bereits durcherhitzten Lebensmittels.

Lidl teilte auf Anfrage mit, die Ware sei ausschließlich in Berlin, Brandenburg und Nordrhein-Westfalen verkauft worden. Für andere Supermarktketten gab es zunächst keine Angaben zum Verkaufsgebiet.

Betroffen sind Marken mit dem Genusstauglichkeitskennzeichen DE NW 508 EG sowie den jeweils angegebenen Mindesthaltbarkeitsdaten (MHD), wie Spiegel Online berichtet.

Metro Deutschland GmbH:

  • Aro Frische Milch 1,5 % Fett mit den MHD 15.10.2019/ 18.10.2019
  • Milsani Frische Milch 1,5 % Fett mit den MHD 15.10.2019/ 18.10.2019/ 20.10.2019

ALDI SÜD Dienstleistungs-GmbH & Co. oHG:

Milfina Frische Milch 1,5 % Fett mit den MHD 10.10.2019/ 14.10.2019

Kaufland Warenhandel GmbH & Co. KG:

K-Classic Frische Milch 1,5 % Fett mit den MHD 14.10.2019/ 15.10.2019/ 18.10.2019

Lidl GmbH & Co. KG:

Milbona Frische Milch 1,5 % Fett mit den MHD 13.10.2019/ 14.10.2019/ 16.10.2019/ 18.10.2019

Bartels-Langness Handelsgesellschaft mbH & Co. KG:

  • Tip Frische Milch 1,5 % Fett mit den MHD 14.10.2019/ 15.10.2019/ 18.10.2019
  • Hofgut Frische Milch 1,5 % Fett mit den MHD 18.10.2019
  • GUT&GÜNSTIG Frische Fettarme Milch ESL 1,5 % Fett (1 Liter) mit den MHD 14.10.2019, 16.10.2019, 18.10.2019, 20.10.2019
  • GUTES LAND Frische Fettarme Milch länger haltbar 1,5 % Fett (1 Liter) mit den MHD 14.10.2019, 15.10.2019, 16.10.2019, 18.10.2019, 20.10.2019

REWE Markt GmbH:

Ja! Frische Milch 1,5 % Fett mit den MHD 14.10.2019/ 15.10.2019/ 18.10.2019/ 20.10.2019

Real GmbH:

Tip Frische Milch 1,5 % Fett mit den MHD 14.10.2019/ 15.10.2019/ 18.10.2019

Die gefundenen Bakterien Aeromonas hydrophila und Aeromonas caviae sind zwei Arten einer eng verwandten Gruppe, von Fachleuten Gattung genannt. Aeromonas-Arten sind typischerweise in Süß- und Brackwasser zu finden. Zur Gruppe gehören mehrere toxinbildende Krankheitserreger für Menschen und bestimmte Tiere, etwa Fische.

Für den Menschen ist vor allem „Aeromonas hydrophila“ von Bedeutung. Sind Lebensmittel mit den Bakterien verunreinigt, kann das schwere Durchfallerkrankungen zur Folge haben. Vor allem bei abwehrgeschwächten Menschen sind auch Haut- oder Weichteil-Infektionen sowie Entzündungen des Knochens oder Knochenmarks möglich, etwa wenn die Keime in eine Wunde gelangen. Die Infektionen lassen sich mit Antibiotika behandeln, allerdings breiten sich wie bei anderen Bakteriengruppen auch zunehmend resistente Stämme aus.

DMK-Sprecher Oliver Bartelt warnte vor einer Überbewertung. Für den Verbraucher sei wichtig zu wissen, dass es sich nur um einzelne Chargen handele. Die genaue Menge der betroffenen Milch konnte er zunächst nicht beziffern. Es handele sich aber eher um ein übersichtliches Volumen. Der Warenrückruf erfolge aus Gründen des vorbeugenden Verbraucherschutzes. Verbraucher, die einen der angegebenen Artikel gekauft haben, erhalten den Angaben zufolge auch ohne Vorlage des Kassenbons den Kaufpreis in ihren Einkaufsstätten zurück.

Die DMK Group verarbeitet nach eigenen Angaben mit rund 7700 Mitarbeitern Milch an mehr als 20 Standorten unter anderem in Deutschland und den Niederlanden. „Als einer der größten Lieferanten des deutschen Lebensmitteleinzelhandels und mit einem Umsatz von 5,6 Milliarden Euro gehört die DMK Group europaweit zu den führenden Unternehmen der Milchwirtschaft“, hieß es von dem Unternehmen.

(hoff/dpa)
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