Aachen: Rohrreiniger-Attacken: Festgenommener soll in die Psychiatrie

Aachen : Rohrreiniger-Attacken: Festgenommener soll in die Psychiatrie

Im Fall der Rohrreiniger-Attacken auf Aachener Spiel- und Grillplätze hat die Staatsanwaltschaft Aachen am Mittwochvormittag bekanntgegeben, dass der im September festgenommene Mann schuldunfähig ist. Er soll dauerhaft in eine psychiatrische Einrichtung eingewiesen werden.

Monatelang hatten die auf Spielplätzen und Sitzbänken im Westpark und im Stadtwald verteilten weißen Kügelchen für Verunsicherung in der Bevölkerung gesorgt. Die pulverartige Substanz war als handelsüblicher Rohrreiniger identifiziert worden, der größtenteils aus Natriumhydroxid - im Volksmund Ätznatron genannt - besteht. Bei Kontakt mit der Haut kann er Verätzungen auslösen, beim Verschlucken sogar schwere Verletzungen. Tatsächlich hatten sich mehrere Kinder an dem verteilten Pulver verletzt.

Die eigens gebildete Mordkommission „Westpark“ ermittelte wegen versuchter Tötung - und dies sowohl öffentlich sichtbar als auch im Verborgenen: Es wurden mehrere Fotofallen im Westpark aufgestellt. Diese Kameras lieferten schließlich die entscheidenden Hinweise.

Kinderlärm als Tatmotiv

So veröffentlichte die Polizei im September Fotos, die einen Mann beim nächtlichen Verteilen von Pulver zeigen. Unmittelbar danach gingen etliche Hinweise auf einen Anwohner ein, der in einem Haus unmittelbar am Westpark lebte. Der 53-Jährige wurde festgenommen, er legte ein Geständnis ab. Angeblich soll er sich vom Kinderlärm auf dem Spielplatz gestört gefühlt haben.

Die Attacken vom Westpark hatten eine längere Vorgeschichte. Schon seit 2015 hatte er „Ekelattacken“ auf den Spielplatz ausgeführt und immer wieder Spielgeräte und Bänke mit Kot beschmiert. Etliche solcher kleinerer Taten - darunter üble Nachrede, Bedrohung und Sachbeschädigungen - waren bereits bei der Polizei bekannt. Er fiel dort in die Kategorie „Querulant“.

Attacken auf Grillplätze

Doch 2017 genügten ihm das Erregen von Ekel offenbar nicht mehr. Er verteilte hochgiftigen Rohrreiniger auf zwei Grillplätzen im Stadtwald. Zwei Kleinkinder nahmen die weißen Kugeln in den Mund und verätzten sich. Ähnliche Vorfälle folgten im Westpark, auch dabei verletzten sich Kinder und mussten im Krankenhaus behandelt werden. Am 9. September schließlich lief er im Park in die Fotofalle.

Nach seiner Verhaftung warf ihm die Staatsanwaltschaft zunächst fünffachen versuchten Mord vor, in drei Fällen gepaart mit vollendeter gefährlicher Körperverletzung. Zu einer Gerichtsverhandlung gegen ihn wird es aber nun wohl bis auf weiteres nicht kommen: Schon früh zeichnete sich ab, dass der Mann psychisch krank sein könnte. Er verbrachte die vergangenen Wochen denn auch nicht in einer Haftanstalt, sondern einer psychiatrischen Einrichtung.

Auf freien Fuß wird der 53-Jährige auf absehbare Zeit nicht kommen, denn der Verdacht auf eine Erkrankung hat sich in der Zwischenzeit bestätigt. „Nach der vorläufigen Einschätzung der Sachverständigen ist der Beschuldigte schuldunfähig“, sagte die Sprecherin der Staatsanwaltschaft Katja Schlenkermann-Pitts am Mittwoch.

Deshalb kann keine Anklage gegen ihn erhoben werden. Stattdessen soll nach Angaben der Sprecherin in Kürze „im Sicherungsverfahren die Unterbringung in einem psychiatrischen Krankenhaus beantragt werden“. Folgt das zuständige Gericht diesem Antrag, was zu erwarten ist, dürften sich hinter dem Verdächtigen bis auf weiteres die Türen einer geschlossenen psychiatrischen Einrichtung schließen.

(heck)
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