Köln: Rocker und Revieransprüche: Auftakt im Kölner Hells-Angels-Prozess

Köln : Rocker und Revieransprüche: Auftakt im Kölner Hells-Angels-Prozess

Polizisten vor dem Eingang, Polizisten in den Gängen, Polizisten vor dem Saal: Man merkt an diesem Morgen im Kölner Landgericht schnell, dass sich hinter dem Aktenzeichen „108a Kls 1/16” ein brisanter Prozess verbergen muss - das Gebäude ist zu einer Art Festung geworden.

Der Grund sind die Angeklagten in dem Prozess. Sie sollen Mitglieder der berüchtigten Hells Angels sein oder die Rockergruppe zumindest unterstützt haben. Die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft: Bildung einer kriminellen Vereinigung, Drogengeschäfte, Erpressung, Brandstiftung. Acht Männer sind angeklagt, ihnen werden unterschiedliche Taten vorgeworfen. Pauschal hat das Gericht aber im gesamten Gebäude das Tragen von Rocker-Kutten verboten. Man will keine Machtdemonstration.

Staatsanwalt Rene Gilles trägt vor, was die Ermittler über das sogenannte Charter der Hells Angels in Köln herausgefunden haben wollen. Der Ortsclub sei im August 2014 gegründet worden. „Die Mitglieder einte der gemeinsame Plan, sich durch Geschäfte mit Betäubungsmitteln sowie durch Erpressung und andere kriminelle Taten eine dauerhafte Einkommensquelle zu verschaffen”, sagt Gilles. Köln hätten sie als ihr „Revier” angesehen - mit Alleinvertretungsanspruch gegenüber anderen Gruppierungen. Gewalt inklusive.

Um die Clubkasse zu füllen, sollen die Männer eine professionelle Cannabis-Zucht unterhalten haben. Zudem habe die Gruppe einen sogenannten Wohnwagen-Strich in Köln als ihr Gewerbe angesehen. „Nachdem einige Prostituierte sich geweigert hatten, Einnahmen an die Angeklagten abzugeben, beschlossen diese, ein Exempel zu statuieren, um ihre Revieransprüche durch Brandstiftung zu dokumentieren”, sagt Gilles. Das Feuer sei nachts gelegt worden, fünf Wohnwagen brannten komplett ab. In einem anderen Fall habe der Club von einer unbekannten Gruppierung 10.000 Euro verlangt, weil diese sich in einer Sportsbar zu Unrecht als Hells Angels ausgegeben habe.

Die Hells Angels gelten als mächtigster und mitgliederstärkster Rockerclub der Welt. Auch in Köln sind sie keine Unbekannten. 2012 verfügte das nordrhein-westfälische Innenministerium die Auflösung des Vereins „Hells Angels MC Cologne” in der Stadt.

Nun ist das Thema wieder präsent. Der am Dienstag gestartete Prozess ist der erste von zwei, bei denen mutmaßliche Mitglieder oder Unterstützer der Hells Angels in den kommenden Wochen in Köln vor Gericht stehen. Auch beim zweiten Verfahren gibt es acht Angeklagte.

Der Auftakt verläuft am Dienstag verläuft recht unspektakulär. Die Personalien der Angeklagten werden abgeglichen - und die Verhandlung dann nach Anträgen von Seiten der Anwälte unterbrochen. Angesetzt sind insgesamt 49 Verhandlungstage.

(dpa)