Düsseldorf: Riesige Drogenzucht im Luftschutzbunker: Streit um 64.000 Euro Stromkosten

Düsseldorf : Riesige Drogenzucht im Luftschutzbunker: Streit um 64.000 Euro Stromkosten

Die riesige Drogen-Plantage in den obereren Stockwerken eines alten Luftschutzbunkers in Düsseldorf hat die Polizei nur per Zufall entdeckt. Denn eigentlich waren die Ermittler wegen einer anderen Sache in dem auffälligen Gebäude. Dann aber erregte eine manipulierte 10.000-Volt-Stromleitung ihr Interesse. Polizei und Mitarbeiter des Entstörungsdienstes stiegen dem Kabel hinterher - und stießen auf eine gigantische Drogen-Plantage mit 3200 Cannabis-Pflanzen.

Die Strafverfahren um den vor sechs Jahren entdeckten, bislang größten illegalen Drogen-Anbau der Landeshauptstadt sind vorbei. Ein 29 Jahre alter Drahtzieher erhielt wegen bandenmäßigen Drogenhandels und Freiheitsberaubung sieben Jahre Haft. Doch die Stadtwerke Düsseldorf haben noch eine Rechnung offen. Der Energieversorger will das Geld für den geklauten Strom haben. Der Besitzer des Bunkers soll mehr als 64.000 Euro zahlen.

Der heute 80-Jährige stand wegen der Drogen-Zucht in seinen Räumen sogar zwischenzeitlich selbst vor Gericht. Aber wegen seiner schweren Erkrankung wurde das Verfahren 2016 eingestellt. Der Vermieter soll damals die fast wie Sklaven behandelten, eingesperrten Erntehelfer aus Vietnam versorgt und von den Betreibern der Plantage monatlich 12.000 Euro Miete kassiert haben. Er aber sagt, nichts von der Plantage gewusst zu haben.

Auch die Tochter des 80-Jährigen äußerte sich am Donnerstag so bei einer Beweisaufnahme im Landgericht. Die 35 Jahre alte Diplombetriebswirtin erklärte, ihr Vater habe nur die im Mietvertrag für ein Lager vereinbarten 300 Euro Kaltmiete pro Monat bekommen. Hätte er den großen Betrag erhalten, hätte dieser auch irgendwo sein müssen. Bei Polizeidurchsuchungen sei aber nichts gefunden worden. Auch dass der Vater die Erntehelfer versorgt haben könnte, sei nicht vorstellbar, da er nie einkaufen gehe. Die Helfer hatten ihn auf Fotos erkannt.

Auf die Frage, ob ihr Vater Kenntnis gehabt habe von der Cannabis-Produktion in der 5. und 6. Etage, antwortete sie: „Ich war nicht dabei.” Ihr Vater habe immer über alles gesprochen, aber nichts über die Plantage erzählt. Auch mit der am Stromzähler vorbei gelegten Leitung habe er nichts zu tun. Er hole schon bei Kleinigkeiten zu Hause oder im Mietobjekt immer einen Elektriker. Der Anblick der angezapften 10.000-Volt-Stromleitung jagte erfahrenen Leuten damals einen Schreck durch die Glieder. Die 13. Zivilkammer des Landgerichts will am 25. April eine Entscheidung verkünden.

Für die Stadtwerke ist dies erst der Anfang. Denn seit Mittwoch steht in einem anderen Fall der 39 Jahre alte, mutmaßliche Betreiber einer weiteren professionellen Plantage mit 2700 Pflanzen in Düsseldorf vor Gericht. Im Fall einer Verurteilung wollen die Stadtwerke eine Rechnung von mehreren hunderttausend Euro präsentieren. Denn es wurde zwar ein Abschlag von monatlich 60 Euro gezahlt, aber der meiste Strom wurde schon vor dem Zähler abgezapft.

(dpa)
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