Rekultivierung Tagebau Hambach

Niederzier : Der lange Weg zurück zum Acker

Für viele ehemalige Anlieger rund um die Tagebaue im Rheinischen Revier bedeutet die Umsiedlung nicht nur den Verlust des Wohnorts, sondern auch die Aufgabe ihrer bisherigen wirtschaftlichen Grundlage: ihres Ackers.

Landwirten, die ihren Grund und Boden RWE (oder zuvor Rheinbraun) zur Braunkohleförderung überlassen haben oder im Zuge der laufenden Umsiedlungen zum Beispiel in Morschenich überlassen, stehen Ausgleichsflächen zu.

Da das verfügbare landwirtschaftliche „Altland“ nicht ausreicht, um diese Ansprüche zu tilgen, beginnt RWE jetzt mit der landwirtschaftlichen Rekultivierung von „Neuland“ auf dem Areal des Tagebaus Hambach. Dazu wird seit Montag fruchtbarer Lössboden aus dem Tagebau Garzweiler in den Tagebau Hambach transportiert — jährlich sollen es rund 1,2 Millionen Kubikmeter werden. 1000 Hektar Neuland sollen innerhalb der kommenden 25 Jahre zur Verfügung gestellt werden.

Bis die Flächen tatsächlich bewirtschaftet werden können, muss aber noch einiges passieren. Zunächst wird der künftige Acker mit Luzernen bepflanzt. Diese „Pionierpflanzen“ durchdringen den Boden mit ihrem tiefgreifenden Wurzelwerk und lassen ihn porenreich zurück. In der zweiten Phase der „Zwischenbewirtschaftung“ wird Weizen angepflanzt, der einerseits der Nährstoffanreicherung und andererseits als Indikator für den Zustand des Ackers dient. Nach sieben Jahren kann der Boden dann an die Landwirtschaft übergeben werden. Den Prozess begünstigen soll der fruchtbare, mineralreiche Löss. Da dieser auf dem Gebiet des Tagebaus Hambach nicht vorhanden ist, lädt die Werksbahn nun von einem neuen, 260 Meter langen Kippgleis regelmäßig Sediment aus dem Tagebau Garzweiler in den „Lössbunker“ in Hambach. Von dort wird es zu den Rekultivierungsflächen transportiert. Bis 2022 geschieht das per Lkw, ab 2022/23 soll der Transport mit Hilfe eines neuen Geräts zur Aufnahme des Lössbodens per Band möglich sein. Eingeplant hat RWE für die Lössförderung rund 40 Millionen Euro.

Bei der Eröffnung der Lösskippe mahnte der Vizepräsident des Rheinischen Landwirtschaftsverbandes Erich Gussen am Montag, die künftig entstehenden Ackerflächen gänzlich an die Landwirtschaft zurückzugeben und sie nicht den Kommunen zur Grundstücksspekulation zu überlassen. Versuchten Landwirte in den vergangenen Jahren, möglichst Altland als Ausgleich zu erhalten, ist Gussen, selbst Landwirt, nun zuversichtlich, dass sich für die 1000 Hektar Neuland ausreichend Landwirte finden werden. Heute sei beides im Grunde gleichwertig. Neben den zahlreichen Landwirten rund um Hambach, die noch Ausgleichsflächen benötigen, sei auch denkbar, dass Bauern aus dem Bereich des Tagebaus Garzweiler hier Ausgleichsareale annehmen.

Die Kölner Regierungspräsidentin Gisela Walsken (SPD) betonte — angesichts des Verhandlungsstarts der Kohle-Kommission — dass man 2040 als Enddatum für die Braunkohle-Förderung eisern verteidige. „Wir wissen um das Auslaufen des Kohlestroms. Dennoch werden wir die Versorgungssicherheit nicht vorzeitig kurzfristigen energiepolitischen Glaubensfragen opfern.“

Eine langfristige Maßnahme wird auch die Rekultivierung: Bis 2022 sollen zunächst zehn Hektar pro Jahr bearbeitet werden. Mit der Anschaffung des neuen Geräts soll die Rekultivierung jährlich auf einer Fläche von 50 Hektar starten.

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