Aachen: Regionalexpress 9: Erst im Frühjahr gibt es Entlastung

Aachen: Regionalexpress 9: Erst im Frühjahr gibt es Entlastung

Eigentlich sollte auf der Regionalexpresslinie 9 zwischen Aachen und Siegen mit dem Einsatz der neuen Talent-2-Züge alles besser werden. Doch der wurde erst mit einer zweijährigen Verzögerung geliefert. Und jetzt reißen die Beschwerden von Bahnkunden nicht ab — Tenor: zu wenige Sitze, zu häufige Verspätungen, zu schlechte Qualität.

Nach Ansicht von Michael Bienick, NRW-Vorsitzender des Fahrgastverbandes Pro Bahn, „wird sich die Situation noch verschärfen“. Denn seit dem Fahrplanwechsel am vergangenen Wochenende seien nun flächendeckend die neuen einstöckigen Talent-2-Züge unterwegs, die im Gegensatz zu den bislang eingesetzten Doppelstockwagen ein wesentlich geringeres Platzangebot haben. „Auch wenn zur Hauptverkehrszeit zwei Talent-2-Züge zusammengekoppelt werden, reicht die Kapazität nicht aus“, sagt der Landeschef aus Hückelhoven.

Das musste vergangenen Freitag auch ein Leser unserer Zeitung erfahren, der davon berichtet, dass der RE9 abends auf der Strecke von Köln nach Aachen „noch einmal 25 Minuten Verspätung eingefahren hat, weil die Fahrgäste in den Türen stehen mussten, so dass diese eben nicht zugingen“. Sein Fazit: „Das sind unhaltbare Zustände seitens der Deutschen Bahn.“

Auch Hans-Joachim Sistenich, Geschäftsführer des für den Schienenverkehr zuständigen Nahverkehr Rheinland (NVR), ist nicht besonders glücklich über die Situation, an der der NVR nicht ganz schuldlos ist. „Wir haben bei der Ausschreibung im Jahr 2007 schon mit einer 20-prozentigen Steigerung der Fahrgastzahlen kalkuliert“, sagt Sistenich: „Doch die Entwicklung auf der Achse Aachen-Köln ist noch viel intensiver abgelaufen, als wir erwartet hatten.“ Was in der Theorie gut ist, ist in der Praxis jedoch schlecht für die Kunden und fürs Image.

Das weiß auch Sistenich: „Wir haben zwar bei 80 Prozent der Züge außerhalb der Hauptverkehrszeiten keine Probleme. Doch es ist eine sehr, sehr unbefriedigende Situation. Zumal die Züge nicht so ausgestattet sind, wie wir uns das vorgestellt haben.“ Das sieht auch Pro-Bahn-Chef Bienick etwa in puncto Sitzkomfort so: „Der Sitzabstand ist extrem grenzwertig.“

„Es muss für uns eine Lehre sein“

Für Sistenich ist klar, welche Folgen aus der Misere gezogen werden müssen: „Es muss auch für uns eine Lehre sein, wie wir künftig das Fahrgastaufkommen bemessen.“ Kurzfristig will der NVR entgegensteuern. „So werden teilweise zusätzliche Fahrzeuge eingesetzt, um die Spitzen abzufangen.“

Doch langfristig müssten wieder gebrauchte Doppelstockwagen auf die Strecke, sagt Sistenich und grummelt: „Obwohl wir mit der Bahn seit einem Jahr im Gespräch sind, sind diese Wagen alle verplant.“ Frühestens im Frühjahr 2013 sei daher mit einer wirklichen Entlastung zu rechnen.

Bis dahin dürfen sich Fahrgäste zu Stoßzeiten in die Waggons quetschen. Dabei dürften sie auf den ein oder anderen Fahrgastzähler stoßen. Denn die Politik im NVR ist ebenso nicht sehr erfreut über die Situation und will nun genau wissen, welchen Bedarf es gibt — den es dann auch zu decken gilt.

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