Warnung vor Radarfallen: Regionale Radiosender wollen Blitzer weiter melden

Warnung vor Radarfallen : Regionale Radiosender wollen Blitzer weiter melden

Sollten Radiosender Radarfallen melden? Antenne AC, 100,5 und Radio Rur setzen weiterhin auf den positiven Effekt bei Autofahrern. Der NRW-Innenminister ist mit der aktuellen Praxis einverstanden. In Berlin hat ein Sender angekündigt, die Warnungen nicht mehr zu melden.

Autofahrer in Berlin und Brandenburg erhalten keine Blitzermeldungen des RBB-Senders Radioeins mehr. Diese halte man „nicht mehr für zeitgemäß“, teilte der Sender diese Woche mit. In einem Video auf Facebook kündigte Programmchef Robert Skuppin den Schritt humorvoll an. In Anlehnung an die legendäre Pressekonferenz von Günter Schabowski vor der Öffnung der Berliner Mauer antwortete er auf die Frage nach dem Zeitpunkt des Endes: „Nach meiner Erkenntnis, sofort, unverzüglich.“

Viele deutsche private Radiosender rufen ihre Hörer dazu auf, die Standorte mobiler Radarmessanlagen mitzuteilen. Diese werden dann zum Teil mehrmals am Tag im Radio bekanntgegeben. Ein Grund für die Entscheidung von Radioeins seien auch die konstant hohen Unfallzahlen, die oft durch Raserei verursacht würden, hieß es vom Sender. Mit den bisherigen Blitzerwarnungen habe der Eindruck von flächendeckender Kontrolle erweckt werden sollen. Den Fahrern sollte so klar gemacht werden, dass es sich nicht lohne, „das Gaspedal durchzutreten“. Das sei auch ein „verkehrspädagogischer Ansatz“ gewesen. Nun solle der Verkehrsservice nach Hörerwünschen neu gestaltet werden.

Dieter Meier, Chefredakteur des Dürener Privatsender Radio Rur, hält diese Entscheidung, „gerade in einem so dichten Hörfunkmarkt wie in Berlin“ für reines Marketing. Die Mitteilung von Radioeins habe keinen Einfluss auf das Programm von Radio Rur, „an eine Einstellung der ,Blitzer-Meldungen‘ ist nicht gedacht“, teilte Meier auf Anfrage unserer Zeitung mit.

„Anlass, das eigene Fahrverhalten zu überprüfen“

Auch Oliver Laven, der Senderchef der Radiosender Antenne AC und 100,5, sieht keinen Anlass, auf Blitzermeldungen zu verzichten. „Wir möchten unsere Hörer für das Thema weiterhin sensibilisieren. Unsere Hörer wissen, dass eine Warnung keine Garantie bedeutet, da sie auch schon wieder veraltet sein kann. Und natürlich vermitteln wir nicht den Anspruch, flächendeckend alle Messpunkte zu verbreiten.“ Vielmehr seien solche Meldungen immer der Anlass, das eigene Fahrverhalten zu überprüfen – hofft er.

Der Geschäftsführer der beiden Sender verweist nicht nur darauf, dass die Polizei aus dem gleichen Grund den Standort für Radarmessungen selbst mitteilt. Laven erinnert auch an eine Studie der Deutschen Hochschule der Polizei, derzufolge die Ankündigungen von Radarkontrollen durchaus einen positiven Effekt auslösen würde.

„Alles, was Raserunfälle verhindert, hilft“

Der nordrhein-westfälische Innenminister Herbert Reul (CDU), Dienstherr der mehr als 40.000 Polizisten im Land, ließ ausrichten, mit der diesbezüglichen Praxis privater Radiosender einverstanden zu sein. „Alles, was Raserunfälle verhindert, hilft“, erklärte ein Ministeriumssprecher. Seit Reul im Sommer 2017 das Ministerium übernommen hat, ist die Polizei allerdings dazu übergegangen, eigene Radarmessungen nicht mehr anzukündigen, teilte der Sprecher weiter mit. Es sei den Kreispolizeibehörden allerdings freigestellt, Radarmessungen, die gemeinsam mit den Kommunen durchgeführt würden, vorher anzukündigen.

(dpa/pa/gego)
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