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Obergrenze für Veranstaltungen: Regierung plant neue Corona-Auflagen für NRW

Obergrenze für Veranstaltungen : Regierung plant neue Corona-Auflagen für NRW

Die Infektionszahlen in NRW steigen wieder. Ministerpräsident Laschet hat deshalb angedroht: Die Landesregierung wolle die Zügel bei den Schutzmaßnahmen weiter anziehen. Betroffen sind größere Veranstaltungen.

Angesichts der steigenden Infektionszahlen will die schwarz-gelbe Landesregierung die Zügel bei den Corona-Auflagen weiter anziehen. Das Kabinett berät am kommenden Dienstag (25. August) über eine Begrenzung der Personenzahl bei größeren Veranstaltungen in Nordrhein-Westfalen, wie Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) am Mittwoch ankündigte. Derzeit sehe die Corona-Schutzverordnung für NRW keine Obergrenzen wie in anderen Bundesländern vor. Aber es stehe die Entscheidung an, dass „eine Zahl“ in die Verordnung eingefügt werde. Das Ministerium sehe die Entwicklung der Infektionszahlen „ein Stück weit mit Sorge“.

KONZERT DÜSSELDORF: Die Kabinettsentscheidung dürfte sich auch auf das geplante Konzert mit Stars wie Bryan Adams und Sarah Connor Anfang September in Düsseldorf auswirken. Er könne sich das am 4. September geplante Event derzeit nicht vorstellen, sagte Laumann. Zu dem Konzert können nach Plänen der Veranstalter bis zu 13.000 Zuschauer kommen.

Laumann verwies auf die Lage bei Fußballspielen. Beide Fragen – Konzert und Fußball – hingen politisch zusammen und müssten auch zusammen entschieden werden. Und alle deutschen Gesundheitsminister seien sich einig, dass man sich Fußballspiele vor Zuschauern im Stadion bis Ende Oktober nicht vorstellen könne - auch er selbst sei dieser Meinung. „Und damit sehen Sie auch, dass ich mir zurzeit auch das Konzert nicht vorstellen kann.“

Ein aktueller Kompromiss zwischen der Stadt Düsseldorf, den Veranstaltern und der Landesregierung sieht vor, dass spätestens am 31. August entschieden wird, ob das Konzert stattfinden kann.

KARNEVAL: Schlechte Aussichten haben auch die Karnevalisten. „Bei der jetzigen Infektionslage kann ich mir Karneval nicht vorstellen“, sagte Laumann. Er wolle die Entscheidung darüber aber auf jeden Fall mit den Karnevalsvereinen zusammen treffen. Man solle sich damit noch zwei, drei Wochen Zeit lassen.

MAßNAHMEN: Der Minister sprach sich gegen eine zweite Stilllegung des gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Lebens wie zu Beginn der Pandemie aus. Die Wirtschaft würde das nicht überstehen, sagte Laumann. Aber auch Schulen dürften nicht wieder geschlossen werden. Die derzeit geltenden Corona-Maßnahmen müssten stärker kontrolliert werden. Gesundheitsämter etwa sollten Stichproben bei Reiserückkehrern aus Risikogebieten machen. Alle müssten sich an die Spielregeln halten, damit das Land nicht in eine zweite Pandemie-Welle komme.

CORONA-ZAHLEN: Rund sechs Prozent der Corona-Neuinfektionen in NRW sind nach Angaben Laumanns auf Veranstaltungen in Sport und Kultur sowie Feiern wie Hochzeiten oder Geburtstage etwa in Gaststätten zurückzuführen. Für Feiern in Gaststätten gilt derzeit eine Obergrenze von 150 Personen. Ein Drittel der Infektionen gehe auf private Zusammenkünfte und Partys in Haushalten zurück und ein Viertel auf Reiserückkehrer, so Laumann.

SPD-Oppositionsführer Thomas Kutschaty forderte die Beschränkung der Personenzahl bei größeren Veranstaltungen oder Feiern. „Veranstaltungen mit 150 Leuten und mehr sollten so nicht mehr erlaubt werden“, sagte Kutschaty. Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) solle mit gutem Beispiel vorangehen und ein am Samstag in Köln angesetztes Abendessen zum 74. Geburtstag des Landes NRW absagen. Die geplante Feierlichkeit sei ein „völlig falsches Signal“.

Aktuell seien im bevölkerungsreichsten Bundesland gut 4600 Menschen mit dem Coronavirus infiziert. Trotz steigender Neuinfektionen lägen aktuell nur 337 Corona-Infizierte in Krankenhäusern und davon gut 100 auf Intensivstationen, sagte Laumann. Zu Beginn der Pandemie seien es noch zehn Mal mehr gewesen. „Die stärkeren Inzidenzen haben im Grunde kaum Auswirkungen auf die Krankenhäuser.“ Die Neuinfektionen träfen eher jüngere als ältere Menschen.

Es gebe auch einen Zusammenhang zwischen der Bevölkerungsdichte und den Infektionszahlen, erklärte Laumann. In NRW lebten insgesamt 526 Einwohner auf einem Quadratkilometer, im Ruhrgebiet seien es schon mehr als 1150 und in der Stadt Herne mit derzeit hoher Corona-Rate sogar rund 3040 pro Quadratkilometer. Zum Vergleich: In Baden-Württemberg leben Laumann zufolge im Schnitt rund 350 Menschen auf einem Quadratkilometer, in Bayern etwa 185. Es gebe derzeit eine Zunahme der Corona-Zahlen vor allem in Ballungsgebieten an Rhein und Ruhr.

TESTS: Die Zahl der Corona-Tests ist in NRW massiv gestiegen. Vergangene Woche seien mehr als 223.000 Personen getestet worden. Vor den Sommerferien seien es wöchentlich nur rund 80.000 gewesen. Mit der derzeit zur Verfügung stehenden Technik sei man an die Grenze dessen gekommen, was man testen könne. In der Regel bekämen die Menschen nach zwei oder spätestens drei Tagen ihr Ergebnis. An Schulen wurden dem Ministerium zufolge fast 22 000 Lehrer getestet – davon waren 50 Befunde positiv. An Kitas wurden mehr als 6000 Erzieherinnen getestet – etwa 22 Corona-Fälle wurden verzeichnet.

An den Flughäfen in NRW sind bisher mehr als 1200 Reiserückkehrer positiv auf das Corona-Virus getestet worden, wie aus Zahlen des Gesundheitsministeriums sowie der Kassenärztlichen Vereinigungen (KV) hervorgeht. Insgesamt waren mit Stand Montag gut 65 000 Testungen an den fünf Airports Düsseldorf, Köln/Bonn, Dortmund, Münster/Osnabrück und Weeze vorgenommen worden. Von den bis dahin vorliegenden knapp 58.500 Befunden waren 1241 positiv. Das entspricht 2,1 Prozent. 8406 Befunde standen am Montag noch aus.

Angesichts der steigenden Corona-Infektionszahlen forderte SPD-Fraktionschef Kutschaty mobile Testteams in Kitas, Schulen und Altenheimen sowie einen zentralen Krisenstab der Landesregierung, der alles koordiniere. Auch die Kontrollen von Maskenverweigerern in Bussen und Bahnen müssten verschärft werden.

LANDTAG: Auch im Düsseldorfer Landtag werden die Corona-Schutzmaßnahmen verschärft. Ab Montag (24. August) gilt ein Maskengebot. Die „dringende Empfehlung zum Tragen einer Mund-Nasen-Bedeckung“ gelte für alle öffentlichen Bereiche, teilte die Landtagsverwaltung mit. Zudem führt das Parlament ein freiwilliges Testangebot für Abgeordnete und Beschäftigte ein.

Für die Abgeordneten gilt, dass sie die Maske unter anderem an den Plätzen im Plenarsaal abnehmen können. Dort waren bereits vor der Sommerpause Acrylglaskabinen für alle Parlamentarier aufgebaut worden. Für Besucher ist eine Maske verpflichtend.

(dpa)