Regen-Chaos: Unwetter wütet über Aachen und Wuppertal

Aachen : Extremes Gewitter wütet über Aachen und Wuppertal

Ein extremes Gewitter der höchsten Kategorie 4 von 4 ist am Dienstagnachmittag durch die Städteregion Aachen gezogen. Etliche Straßen standen unter Wasser, auch in der Aachener Innenstadt. Auch Wuppertal wurde schwer getroffen, ein Uni-Dach stürzte unter den Wassermassen ein.

Der Deutsche Wetterdienst schickte gegen 14 eine offizielle Warnung vor dem Unwetter. Wer in der Städteregion einen erhöhten Aussichtspunkt hatte, konnte die schwarzen Wolken drohend heranrollen sehen. Kurz darauf öffnete der Himmel seine Schleusen über der Städteregion und der Nordeifel. Im Nu liefen etliche Gullies über, Keller soffen ab, Straßen wurden überflutet.

Auf der Adenauerallee ging zeitweise nichts mehr. Foto: Andreas Herrmann.

Auf der Wetterkarte der privaten Wetterseite Eifelwetter.de war zu sehen, dass sich der Schwerpunkt des Gewitters im südlichen Raum Aachen und der Eifel bewegte.

Auch in der Aachener Innenstadt hatten die Verkehrsteilnehmer mit den Fluten zu kämpfen. Foto: Andreas Steindl.

In Aachen registrierte die Feuerwehr am späten Nachmittag mehrere Hundert Notrufe. Man habe Hilfe aus den Nachbarkommunen Stolberg, Eschweiler, Herzogenrath, Würselen, Baesweiler und Alsdorf angefordert, sagte ein Sprecher. Die Einsatzkräfte sperrten im Verlauf des Unwetters den Verkehr auf der Adenauerallee.

Die Kreuzung zwischen Kapuzinergraben, Alexianergraben, Kleinmarschierstraße und Franzstraße beim Kapuziner Karree wurde ebenfalls überflutet. Screenshot: Ines Kubat.

In der Innenstadt fiel nach dem Unwetter zeitweise der Strom aus, weil Wasser in eine Trafostation eindrang. Betroffen war die Adalbertstraße im Bereich zwischen C&A und der Peterstraße, der Bereich um den Kaiserplatz und die Aretzstraße. Die Stawag rückte an.

Das Unwetter zog vom Südosten her auf die Städteregion zu. Das Bild entstand gegen 14.30 Uhr in Aachen-Rothe Erde. Foto: Marc Heckert

Auch das Aachener Einkaufszentrum Aquis Plaza erwischte es schwer, die Einfahrt zur Tiefgarage lief mit Wasser voll, wie Videoaufnahmen zeigen, die auf Sozialen Netzwerken kursieren. „Unsere Anlieferung steht komplett unter Wasser“, erklärte Center-Managerin Kathrin Landsmann. Mehr als einen Meter hoch stehe das Wasser in der abschüssigen Einfahrt des Gebäudes. „Die Wassermassen stürzten nur so hinein, das haben unsere Pumpen nicht mehr geschafft, die sind ausgefallen.“ Nun müsse man auf die Feuerwehr warten.

An der RWTH bekamen zahlreiche Studierende nasse Füße - hier strömten die Regenmassen in einen Lernraum im Untergeschoss des Super C neben dem Hauptgebäude der Hochschule.

In der Eifel fielen mancherorts 20 bis 40 Liter Regen pro Quadratmeter, wie der Deutsche Wetterdienst in Essen mitteilte. Punktuell seien es sogar 60 bis 80 Liter gewesen, sagte ein Sprecher. Vollgelaufene Keller gab es auch im Raum Monschau. 70 Feuerwehrleute aller Löschgruppen der Stadt kämpften in allen Stadtteilen gegen Wassermassen und Schäden, über 50 Einsätze verzeichnete Wehrleiter Falk Claßen schon bis zum späten Nachmittag.

Am heftigsten traf es dabei wohl die Altstadt in ihrer Kessellage. Binnen weniger Sekunden schwoll der eigentlich um diese Jahreszeit friedlich dahinrinnende Eschbach zum reißenden Strom an und suchte sich über die Fahrbahn der Eschbachstraße den Weg ins Tal. Welche Gewalt das Gewässer dabei aufbaute, wurde im unteren Teil deutlich, wo die Fluten das schwere Altstadtpflaster unterspülten und mitrissen.

Im weiteren Verlauf traf das Unwetter auch die Region Wuppertal schwer. Mehrere Autos fuhren hier gegen hochgedrückte Gullydeckel. In einem Fall löste dadurch ein Airbag aus und verletzte den Fahrer im Gesicht, wie eine Polizeisprecherin sagte. Hinzu kamen mehrere umgestürzte Bäume. In mindestens einem Fall soll das Wasser rund 70 Zentimeter hoch gestanden haben.

Dach von Tankstelle und Universität eingestürzt

In der Wuppertaler Innenstadt knickte nach heftigen Regenfällen auch das Dach einer Tankstelle weg und beschädigte mehrere Autos. Unter dem Dach hätten insgesamt 14 Fahrzeuge geparkt, erklärte die Polizei. „Es ist eine unfassbare Situation gewesen“, sagte eine Sprecherin. Ein Fahrer habe sein Auto noch rechtzeitig verlassen können, bevor das Dach auf seinen Wagen gestürzt sei. Er wurde leicht verletzt. Das Dach sei einsturzgefährdet, der Ort wurde abgesperrt.

Aufgrund der Wassermassen ist in Wuppertal zudem ein Dach der Universität eingestürzt. Verletzte gab es nach ersten Erkenntnissen keine, wie die Uni nach dem Unwetter am Dienstagnachmittag auf ihrer Webseite mitteilte. Demnach stürzten an einem Unigebäude etwa 30 bis 50 Quadratmeter des Daches ein. Zudem stünden der Keller sowie Teile des Erdgeschosses mindestens zweier Gebäude unter Wasser. „Nach ersten Einschätzungen ist der Ausmaß des Schadens erheblich“, erklärte Rektor Prof. Dr. Lambert T. Koch.

Wassermassen drangen am auch in ein Wuppertaler Einkaufszentrum ein. In das Tiefgeschoss sei am Nachmittag Wasser gelaufen, sagte ein Polizeisprecher. Die Feuerwehr sollte nach Angaben der Stadt auch in der Nacht im Einsatz bleiben. Sie sprach von etwa 500 Einsatzmeldungen bis zum Abend, die nach und nach abgearbeitet würden.

Nachdem Gleise überspült wurden, stellte die Deutsche Bahn im Raum Wuppertal vorübergehend den Zugverkehr ein. Auch die Schwebebahn fuhr nicht mehr. „In Wuppertal steht die komplette Stadt unter Wasser”, sagte ein Sprecher des Deutschen Wetterdienstes am späten Nachmittag in Essen. Er schätzte, dass dort in kurzer Zeit mehr als 40 Liter Regen pro Quadratmeter gefallen waren.

Am späten Abend konnten die Unwetterschäden bei der Bahn beseitigt werden, es kam aber weiter zu Verspätungen und Ausfällen. In anderen Teilen Nordrhein-Westfalens war der Bahnverkehr ebenfalls beeinträchtigt. Verspätungen gab es etwa in den Regionen Duisburg, Oberhausen, Gelsenkirchen, Aachen sowie im Kreis Euskirchen. Auch im Raum Hilden warteten die Züge zeitweise an Bahnhöfen.

Bei Nettersheim wurde die Autobahn 1 überschwemmt. Zeitweise musste die Fahrbahn in Richtung Blankenheim gesperrt werden. Am Düsseldorfer Flughafen fielen einige Flüge aus.

Wegen des Unwetters wurde der Gedenkakt zum 25. Jahrestag des Brandanschlags in Solingen abgebrochen. Ein Wolkenbruch war während der Veranstaltung über den Platz der Feier niedergegangen. Hunderte Teilnehmer hatten zunächst Schutz unter Bäumen gesucht und mussten dann die Veranstaltung verlassen.

Die Solinger Feuerwehr warnte am Abend vor Hochwasser in der Wupper. In Unterburg und Wipperkotten wurde die Bevölkerung aufgerufen, Häuser zu sichern und sich in höher gelegenes Gelände zu begeben. „Die Wupper steht hoch”, sagte auch eine Sprecherin der Stadt Wuppertal. Weitere Informationen gab es zunächst nicht.

In Duisburg lief Wasser in den Keller des Polizeipräsidiums, wie die Beamten via Twitter mitteilten. Autos und Radfahrer bahnten sich dort ihren Weg durch die überfluteten Straßen.

Weiterhin turbulentes Wetter erwartet

Der Deutsche Wetterdienst rechnete in der Nacht mit weiterem Regen etwa im Raum Wuppertal sowie im Ruhrgebiet und am Niederrhein. „Mit heute Nachmittag ist das aber nicht zu vergleichen”, sagte ein DWD-Sprecher. Für die kommenden Tage erwarten die Meteorologen in Nordrhein-Westfalen weiterhin turbulentes Wetter mit Gewitter und heftigen Regenfällen - und das täglich und fast ohne Vorwarnung.

Hagelkörner könnten einen Durchmesser von zwei Zentimetern erreichen. Bei Temperaturen von bis zu 31 Grad seien in Gewitternähe starke Windböen möglich. Lokale Unwetter-Gefahren sehen die Experten auch am Mittwoch und Donnerstag bei leicht sinkenden Temperaturen von bis zu 29 Grad.

Bis zum Wochenende soll es warm bleiben. Am Wochenende allerdings bei Temperaturen von 24 bis 26 Grad. „Wesentlich kühler wird es nicht”, sagte DWD-Meteorologe Malte Witt. Für die Jahreszeit bleibe es ungewöhnlich warm.

Der DWD warnt weiterhin vor starker Wärmebelastung. Eine Hitzewarnung galt vorerst bis Dienstagabend. Die Waldbrandgefahr stufte der Wetterdienst am Montag in weiten Teilen NRWs als mittel ein. Am Dienstag soll sie weiter zunehmen und in nordwestfälischen Landesteilen voraussichtlich die zweithöchste Gefahrenstufe erreichen.

(red/dpa)
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