Düsseldorf: Rechnungshof: Viele Schulen planen Pflichtunterricht nicht ein

Düsseldorf : Rechnungshof: Viele Schulen planen Pflichtunterricht nicht ein

Das Problem des Unterrichtsausfalls an nordrhein-westfälischen Schulen ist noch größer als bislang angenommen: Neben den Stunden, die zeitweise ausfallen, werden nach Feststellungen des Landesrechnungshofes an vielen Gymnasien und Realschulen etliche Pflichtstunden gar nicht erst eingeplant.

In seinem am Mittwoch in Düsseldorf vorgestellten Jahresbericht 2015 hat der Rechnungshof massive Unterrichtslücken aufgedeckt: 67 Prozent der Gymnasien und sogar 76 Prozent der Realschulen haben die in der Sekundarstufe I vorgeschriebene Gesamtstundenzahl nicht erreicht.

Die Kontrollbehörde wertete für die Schuljahre 2007/08 bis 2012/13 die Stundenpläne aller 508 öffentlichen Gymnasien und 507 Realschulen aus. Die Sekundarstufe I der Gymnasien umfasst die Klassen 5 bis 9. Hier liegen die Gesamtwochenstunden bei 163 - mindestens jedoch bei 154. An den Realschulen umfasst die Stufe auch Klasse 10. Hier sind 188 Stunden vorgesehen - mindestens aber 179. Weit über die Hälfte der Schulen hat laut LRH die unterste Grenze mindestens einmal unterschritten. In dieser Gruppe wurde in mehr als der Hälfte der Schuljahre die unterste Grenze der Wochenstunden nicht erreicht.

In seiner Stellungnahme an die Prüfer räumte das Schulministerium die Defizite ein. Die Problematik beschäftigte die Bildungspolitik in NRW seit über 30 Jahren. Eine Ursache seien falsche Berechnungen der Lehrerstellen und Wochenstunden in früheren Jahren. Im Schnitt sei in den Stundenplänen weniger als eine Wochenstunde pro Schuljahr und Klasse von den Vorgaben abgewichen worden. Der LRH warnte dagegen vor „einer Nivellierung der problematischen Ergebnisse”. Jedes zehnte Gymnasium und fast jede vierte Realschule habe die Eckwerte erheblich gerissen. „Die Abweichungen sind keineswegs als geringfügige Unterschreitungen aufgrund von individuellem Förderbedarf anzusehen.”

Das Ministerium hat zugesagt, das Bewusstsein an den Schulen für die Problematik zu schärfen und die Aufsicht zu verstärken. Inzwischen ist die Gesamtpflichtstundenzahl an der Sekundarstufe I der Gymnasien auf einen flexiblen Wert von 158 bis 163 abgesenkt worden. Hier sieht der LRH aber eine neue Baustelle. Er zweifelt, dass dies noch mit den Vorgaben der Kultusministerkonferenz in Einklang steht.

Die Lehrergewerkschaft VBE und die FDP-Opposition forderten mehr Lehrerstellen. Die CDU warf Löhrmann vor, beim passgenauen Einsatz der Ressourcen zu versagen.

Nach sechseinhalb Wochen Ferien mussten die Schüler in NRW am Mittwoch zum ersten Mal wieder pünktlich aufstehen: Für rund 2,5 Millionen Schüler fing das neue Schuljahr an. Auch für zahlreiche Flüchtlingskinder, die in letzter Zeit nach Nordrhein-Westfalen gekommen sind, begann der Unterricht.

Für die meisten Erstklässler beginnt an diesem Donnerstag der Ernst des Lebens. Die Einschulungsfeiern sind in vielen Fällen erst am Tag nach dem offiziellen Start des neuen Schuljahres. Landesweit werden 148 200 „I-Dötzchen” eingeschult. Die Verkehrswacht will mit Aktionen auf die Schulanfänger aufmerksam machen.

(dpa)