Antwerpen: Reaktor Doel 3 soll nach erneutem Stopp wieder angefahren werden

Antwerpen : Reaktor Doel 3 soll nach erneutem Stopp wieder angefahren werden

Doel 3 liegt still. Gerade einmal eine Woche, nachdem der umstrittene Reaktor in dem belgischen Atomkraftwerk bei Antwerpen nach einer zehnmonatigen Reparatur wieder ans Netz gegangen war, musste er erneut abgeschaltet werden.

Am Freitag nun soll er nach fünftägiger Reparatur wieder hochgefahren werden. Über die Sicherheit von Doel 3 wird wegen Tausender Risse im Reaktordruckbehälter seit Jahren diskutiert.

Wie belgische Medien unter Berufung auf eine Sprecherin des Betreiberkonzerns Engie Electrabel berichteten, sei einige Tage nach dem Wiederhochfahren des Reaktors ein Problem im nicht-nuklearen Teil entdeckt worden. Am vergangenen Sonntag wurde der Reaktor, der erst am 23. Juli wieder in Betrieb gegangen war, deshalb zunächst wieder abgeschaltet.

Der Defekt habe demnach keine Auswirkungen auf die Sicherheit des nuklearen Teils des Kraftwerks. Eine Dichtung an einem Ventil im Turbinensystem habe repariert werden müssen. Es sei normal, das manche Problem erst erkennbar würden, wenn die Anlage wieder mit voller Leistung arbeite, was einige Tage dauern könne. Nach Plänen von Engie Electrabel soll der Reaktor noch am Freitag wieder ans Netz gehen.

Probleme mit dem Beton

Hintergrund der rund zehn Monate dauernden Zwangspause des Reaktors war ein Problem mit Beton. Bei einer Untersuchung im Oktober 2017 war entdeckt worden, dass in einem Nebengebäude verwendeter Beton marode geworden war. In diesem Gebäude befinden sich Sicherheitsanlagen, die in Notfällen zum Einsatz kommen sollen.

Doch beim Abschalten der Reaktoren entweicht der darin enthaltene restliche Dampf durch die Räume dieser Sicherheitsanlage, so dass die Wände großen Temperaturschwankungen und hoher Feuchtigkeit ausgesetzt sind. Im Atomkraftwerk Tihange waren am Reaktor 3 waren im April diesen Jahres ebenfalls solche Probleme im Beton entdeckt worden.

Bundesumweltministerin Svenja Schulze hatte im Mai Belgien zur Abschaltung alter Atomkraftwerke gedrängt. Viele Menschen im Grenzgebiet um Aachen fühlten sich von den nahen Atommeilern Tihange und Doel bedroht, sagte die SPD-Politikerin.

Doel 3 und die 16.000 Risse

Doel 3 hatte in den vergangenen Jahren immer wieder mit Problemen für Schlagzeilen gesorgt. Der Reaktor war im August 2012 stillgelegt worden, weil - ebenso wie im baugleichen Reaktor Tihange 2 - Tausende Risse im Reaktordruckbehälter entdeckt worden waren. Es folgten längere Untersuchungen und Diskussionen über die Auswirkungen auf die Sicherheit der Anlage. Im Juni 2013 ging der Reaktor wieder ans Netz, nachdem der Betrieb für sicher erklärt worden war.

Im März 2014 wurden beide Reaktoren dann erneut heruntergefahren, nachdem das in ihnen verwendete Material bei Laboruntersuchungen „unerwartete Resultate“ gezeigt habe. 2015 wurde bekannt, dass die Zahl der Risse im Druckbehälter nicht, wie zunächst erklärt, bei 10.000 liege, sondern bei mehr als 16.000. Dennoch wurde Doel 3 im Dezember 2015 nach 20 Monaten Pause wieder hochgefahren.

Seitdem war der Reaktor noch mehrmals für kurze Zeit abgeschaltet worden, bis schließlich im Oktober 2017 die Probleme mit dem Beton entdeckt wurden.

(heck)
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